Veltheim

Alte Liebe muss nicht rosten, sie kann auch sehr gut munden

Ein Spaziergang über den Pfalz-Märt ist Jahr für Jahr aufs Neue eine genussvolle Entdeckungstour.

So wie Indianer keinen Schmerz, so kennen Pfalz-Märt-Fans keine Wetterunbill. Nur eine knappe halbe Stunde nachdem der Betrieb begonnen hatte, waren die freien Parkplätze bereits in ziemlich weite Ferne gerückt. Doch wer Fussmärsche scheut, ist am Pfalz-Märt definitiv fehl am Platz. Denn zum richtig ausgiebigen Gluschten und Degustieren, Prüfen und Pöschtele, Zuhören und Zuprosten gehören – nebst frohem Mut – Ausdauer, Zeit, gutes Schuhwerk. Höchstens alle paar Jahre gesellen sich Regenkapuze und Schirm dazu.

Trotz geöffneter Himmelsschleusen zogen die beiden Berner Sennen-Teenager Grischa und Goya von der Aareblumen ihr Leiterwägeli begeistert durch das Gewühl von Zweibeinern. Etwas abseits war Eliane Weber am Schmieden ihres Glücks, zumindest eines Glücksbringers in Form eines kleinen Hufeisens. Unter kundiger Leitung von Mitgliedern vom Schmiedeverein Oberentfelden war die 11-Jährige geradezu professionell mit Hammer und Amboss zugange. Nebendran rührte ein Käser aus Sumiswald in einem grossen Kupferkessel ein Fondue sämig. Bis es fertig war, konnte man verschiedene Hartkäs-Versucherli delektieren, so etwa «Annelis auti Liebi»: Sie rostet nicht, sie mundet ausgezeichnet.

Aus Zofingen war Gertrud Weber mit ihrem Handwebstuhl angereist; die hohe Kunst des Stroh- und Rosshaarflechtens führten Monika und Alfred Schmied aus dem bernischen Lanzenhäusern vor. Handwerkliches aus Ton, Schwemmholz, Chüngelifell gab es ebenso zu kaufen – oder auch nur zu bestaunen – wie Chlüppli-Schürzen, Kinder-Lätzchen, zauberhafte Blumenarrangements. Jesse Born (11), seine Schwester Nina (7) und Elias Sidler (12) aus Veltheim, die als Team «Robotofactory» fürs Weltfinale der «World Robot Olympiad» im November in Costa Rica qualifiziert sind, haben eigenhändig Magenbrot, gebrannte Mandeln und ein Glücks-Rad hergestellt und besserten damit ihr Sponsoren-Konto auf.

Selten gewordene Apfel-Sorten

Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen, egal ob direkt auf dem Markt genossen – Berliner mit Füllungs-Variationen, Crêpes aus Emmer-Mehl oder, dem Wetter zum Trotz, Buurehof-Glacé – oder eingekauft. Da findet man auf dem Markt nebst besonders schmackhaftem Käse zum Beispiel auch die selten gewordene, wunderfeine Spartan- oder Sauergrauech-Äpfel, Hagenbutten-Konfi, in Essig eingelegte Bärläuch-, Löwenzahn- und Nachtkerzenknospen. Lust die heimische Küche mit Apfelessig Barrique oder süssem Quittenessig zu bereichern? Der Pfalz-Märt machts möglich.

Es gab frisches Damhirschfleisch – unter anderem Pfeffer und Entrecôtes – zu kaufen, wie Wurst und Käse von Geissen; die Auswahl an Bauern-Brot und Anken-Zöpfe, war ebenfalls gross, wie jene an speziellen Gewürzen. Auch an verführerischem Null- und Hochprozentigem herrschte kein Mangel, egal ob einem der Sinn nach Sirup aus echtem Mädesüss stand, oder Honigschnaps mit dem sinnigen Namen «Bärenfang».

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