Dass die Stadtfestbesucher in zwei Wochen in Brugg den Schwarzen Turm als farbige Projektionsfläche erleben können, ist einer Ausstellung im Jahr 2016 im Bündnerland zu verdanken. Dort haben sich die Windischer Künstlerin Jacqueline Weiss und die gebürtige Luzernerin Angela Wüst bei einer Gruppenausstellung im Val Sinestra kennen gelernt. Weiss lud daraufhin Wüst zu einem Spaziergang nach Brugg ein, um sich vor Ort Gedanken zu einer weiteren Kunstprojektion zu machen. Die 33-jährige Angela Wüst nahm dieses Angebot an. 

Zusammen schlenderten die beiden Frauen durch Brugg. Dabei ging es nicht nur darum, sich über das Gebäude als Baukörper Gedanken zu machen, sondern sich auch vertieft mit dessen Geschichte und der technischen Seite einer möglichen Projektion zu befassen. «Den Schwarzen Turm fand ich speziell», sagt Angela Wüst. Sie findet es reizvoll, dem schweren, massiven Bau mit ihrer bunten Projektion etwas Leichtes und Flüchtiges entgegenzusetzen. Weil heutzutage bei Bauten viel mehr Glas verwendet werde als früher, seien die Gebäude tendenziell durchlässiger geworden.

Im Schwarzen Turm hingegen, der früher als Wachturm diente und den Stadtrand markierte, stecke viel Geschichte. «Hier befand sich bis vor wenigen Jahren das Bezirksgefängnis. Leute waren in diesem massiven Bau eingesperrt», fährt Angela Wüst fort.

Zwei Beamer sind nötig

Die Künstlerin, die inzwischen im Zürcher Oberland lebt, hat auf dem Brugger Rundgang fotografiert und sich zu Hause mit Skizzen an die Arbeit gemacht. Mit Farben und Flächen wird sie die raue Turmfassade abstrakt modellieren und dabei Fotos und Animationen kombinieren. Die unregelmässigen Steine des Turms stellen eine besondere Herausforderung dar für die Künstlerin. Das projizierte Bild in Brugg werde mit zwei Beamern à je 12'000 Ansi-Lumen generiert, sagt Angela Wüst zur Technik. Zum Vergleich: Ein Beamer für den Heimkino-Gebrauch verfüge zirka über 2500 Ansi.

Ihre räumlichen Fantasien, Konstrukte und Gedankenfelder in Farbe werden auf den beiden Turmseiten gegenüber dem «Number One» und am Rathausplatz zu sehen sein. Der Adapter 1 wird in der unteren Altstadt aufgestellt. Die Projektion läuft am 23. und 24. August während des Stadtfests jeweils von 21 bis 2 Uhr in einer Endlosschlaufe. Ein Durchgang dauert laut Künstlerin Wüst zirka 15 Minuten, man könne aber irgendwann einsteigen.