Brugg
An dieser Weihnachtsfeier sind Geschenke kein Thema

Das «Offene Salzhaus» organisiert seit über 20 Jahren Weihnachten für alle. So ist das Salzhaus an Heiligabend auch für Asylbewerber, Moslems, Alleinerziehende und Kirchengänger geöffnet.

Claudia Meier
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Ist für einige Kult: Wie die Feier an Heiligabend im Brugger Salzhaus abläuft, ist von den unangemeldeten Gästen abhängig. ZVG

Ist für einige Kult: Wie die Feier an Heiligabend im Brugger Salzhaus abläuft, ist von den unangemeldeten Gästen abhängig. ZVG

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«Wie lebten die Leute zur Zeit von Christi Geburt hier in der Region Brugg/Windisch?», fragt Heinz Trachsel, einer der Organisatoren der längst zur Tradition gewordenen Feier «Offenes Salzhaus».

Dieses Thema möchte er an Heiligabend mit Kindern in spielerischer Form besprechen: Gab es damals schon eine Brücke über die Aare? Mussten sich die Leute auch registrieren? Dabei müsse nicht unbedingt alles historisch korrekt sein, sagt Trachsel und schmunzelt.

Das «Offene Salzhaus» gibt es seit über 20 Jahren. Einige kommen regelmässig, andere nur einmal. Einige bleiben bis in die frühen Morgenstunden, andere trinken nur kurz eine Tasse Tee und gehen wieder. Der harte Kern bilden vier Familien aus Brugg und Villnachern mit ihren mittlerweile erwachsenen Kindern, die sich um das Organisatorische kümmern. Aber auch Alleinstehende sind jederzeit willkommen. «Man sollte einfach offen sein und aushalten können, dass es vielleicht einen Moment dauert, bis man mit jemandem ins Gespräch kommt», so Trachsel.

Das Haupttor zum Salzhaus stellt das 24. Adventstürchen dar und wird an Heiligabend um 18 Uhr geöffnet. Die Gäste, die sich übrigens nicht anmelden müssen, singen in der Hofstatt ein Lied, betreten dann mit der Kerze in der Hand den weihnachtlich geschmückten Raum und zünden die Kerzen an den Weihnachtsbäumen an. Es gibt Tee, Kaffee, Mineralwasser und Süssmost. Alkohol gibt es zum Selbstkostenpreis. «Wir wollen keinen Gewinn machen. Wichtig ist, dass alle – egal, ob Christen oder Andersgläubige – den Abend unbeschwert geniessen können», betont Trachsel, der sich freut, dass auch die jüngere Generation tatkräftig mithilft.

Musikwünsche werden erfüllt

Legendär ist die musikalische Begleitung von Samuel Vögeli am E-Piano. Ein Blatt mit Weihnachts- und anderen Liedern lädt die Besucher zum Mitsingen ein. Auch hier gibt es kein fixes Programm. Trachsel erzählt, dass der Musikstil im Laufe des Abends von klassischen Weihnachtsliedern zu Evergreens wechseln kann. Samuel Vögeli versucht, jeden Musikwunsch zu erfüllen. Wer will, kann selber ein Instrument mitbringen oder etwas vorsingen. Trachsel schwärmt: «Vieles entsteht spontan und lässt sich nicht organisieren.» Und genau das mache den Reiz dieses Anlasses aus, der bewusst nicht als eigentliche Weihnachtsfeier verstanden werden soll.

Trachsel erzählt von einer Gruppe Alleinerziehender, die sich alle Jahre wieder mit den Kindern im «Offenen Salzhaus» trifft, von Moslems und von einem Obdachlosen, der einmal morgens um 3 Uhr von jemandem mit nach Hause genommen wurde.

Schon richtig Kult ist für die Kinder die Suche nach einem Stoffschäfchen – ein Rätselspiel, das die Kleinen fast den ganzen Abend auf Trab hält. Daneben können sie zeichnen, Türme bauen und spielen.

Feuerwehr Brugg ist vor Ort

Die Stadt Brugg stellt das Salzhaus an diesem Abend kostenlos zur Verfügung. Zu essen gibt es hausgemachte Gerstensuppe. Das Dessertbuffet entsteht durch Mitgebrachtes und Spenden vom Postbeck und der Migros in Brugg. Eine Lichterkette in der Schulthess-Allee führt Passanten manchmal spontan zum Salzhaus. Die Anwesenheit von zwei Personen der Feuerwehr Brugg ermöglicht erst, dass Kerzenlichter auf den von der Kiwanis gespendeten Tannenbäumen leuchten dürfen. Unter dem Baum liegen aber keine Geschenke. Diese sind im Salzhaus kein Thema. Was zählt, ist das Erlebnis.

Über 100 Gäste schauen erfahrungsgemäss an Heiligabend beim Salzhaus vorbei. Hat es noch nie Probleme gegeben? Trachsel winkt ab und sagt: «Nein, die Atmosphäre im Salzhaus fördert offenbar die Harmonie.» Die Polizei wäre ja theoretisch ganz in der Nähe. Schaute diese auch schon vorbei? «Nein, bisher nicht. Stimmt, aber sie wäre sehr willkommen, wie alle anderen auch», räumt Trachsel ein.

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