Brugg
Arbeit der KESD überzeugt nicht überall – Stadt bestätigt Einbusse bei Qualität

Arbeit im Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) führt zu Fragen bei SP-Einwohnerrat Reto Bertschi.

Michael Hunziker
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Anfang dieses Jahres hat der Verband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» die Arbeit in der Stadt aufgenommen in den Büros an der Schulthess-Allee 1.

Anfang dieses Jahres hat der Verband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» die Arbeit in der Stadt aufgenommen in den Büros an der Schulthess-Allee 1.

Claudia Meier (cm)

Der Verband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» ist noch jung. Zu diesem zusammengeschlossen haben sich die drei Vereine Jugend- und Familienberatung (JFB), Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) sowie Mütter- und Väterberatung (MVB). Anfang dieses Jahres sind die Tätigkeiten aufgenommen worden in den neuen Büroräumlichkeiten an der Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Die Arbeit im KESD allerdings, dem sich alle 25 Gemeinden des Bezirks angeschlossen haben, überzeugt nicht überall. Schon nach kurzer Zeit beklagten sich Windisch und Birr über die ungenügende Betreuung der betroffenen Personen.

Der Brugger SP-Einwohnerrat Reto Bertschi wollte mit einer kleinen Anfrage genauer wissen, wie es um die Qualität steht. Er verweist auf die häufigen Wechsel der Beistandspersonen, zu denen es wegen der hohen Fluktuation kam. Die Aufgaben eines Beistands seien sehr anspruchsvoll und erforderten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Klienten, führt Bertschi aus. «Es ist deshalb unabdingbar, auf qualifiziertes, bestens ausgebildetes Personal zurückgreifen zu können.» Die vorsorglichen Kündigungen von Birr und Windisch hätten zu juristischen Abklärungen sowie einer Mediation geführt. Aber trotz grossem Aufwand hätten sich die Fronten leider nicht aufgeweicht, stellt Bertschi fest.

Windisch/Birr: Zwei entscheiden über den Austritt

Über den Austritt aus dem KESD entscheidet der Windischer Einwohnerrat an seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch. An der Gemeindeversammlung in Birr steht das Geschäft am 24. November zur Diskussion.

Aushilfen sprangen ein

Der SP-Einwohnerrat wollte vom Stadtrat in Erfahrung bringen, ob dieser bei der Qualität der Mandatsführung eine Einbusse feststellt und ob er sich ebenfalls mit einem Austritt aus dem KESD befasst. Zudem erkundigte er sich danach, welche Anstrengungen der Stadtrat unternimmt, um Windisch und andere Mitgliedsgemeinden von einem solchen Schritt abzubringen. Nicht zuletzt fragte Bertschi, ob die finanziellen Auswirkungen bezifferbar sind, sollte es in den nächsten Jahren tatsächlich zu Austritten kommen.

In seiner Antwort, die jetzt vorliegt, räumt der Stadtrat ein, dass durch die hohe Personalfluktuation bei den Berufsbeiständen tatsächlich eine Qualitätseinbusse festzustellen gewesen sei. Die Personallücken mussten durch Aushilfen ausgefüllt werden. «Nochmals vergeht wertvolle Zeit, bis die neu eingesetzten Berufsbeistände eingearbeitet sind und sich ihrer Klienten genügend annehmen können.» Der Verband lege bei der Auswahl von neuen Mitarbeitenden Wert auf die solide berufliche Ausbildung und die persönliche Eignung für diese anspruchsvolle Tätigkeit, betont die Behörde. Mit Ressortvorsteher Reto Wettstein, der als Verbandspräsident amtet, könne der Stadtrat Einfluss nehmen.

Andere tragen die Kosten

Die Austritte von Windisch und Birr aus dem KESD würde den Verband und vor allem auch die Klienten nicht zur Ruhe kommen lassen und die Qualitätsanstrengungen zusätzlich hemmen, ist der Stadtrat überzeugt. «Die Austritte erfolgen zu einem Zeitpunkt, in dem sich der KESD auf einem aufsteigenden Trend befindet, was der Stadtrat bedauert.» Mit dem Thema Austritt habe sich die Stadt bisher nicht befasst, fährt die Behörde fort. Der Verband sei bisher die favorisierte Lösung gewesen und werde es auch so lange bleiben, wie die Brugger Klienten professionell und mit stabiler, nachvollziehbarer Kostenstruktur begleitet werden können. Die Bestrebungen des Verbandsvorstands, die 25 Gemeinden des Bezirks im KESD zu halten, unterstütze der Stadtrat aus regionalpolitischen Gründen.

Ein Austritt einer Gemeinde führe für den Verband längerfristig zu einer Entlastung bei den variablen Kosten, kurz- und mittelfristig sei aber mit Fluktuationskosten zu rechnen, so die Behörde. Weil die Abgeordnetenversammlung eine Auskaufsregelung in den Satzungen ablehnte, hätten alle Verbandsgemeinden die Mehrkosten zu tragen im Rahmen des Kostenteilers. «Wichtiger ist aber die Tatsache, dass ein Austritt für die Klienten wieder ein einschneidender Wechsel mit personellen Veränderungen bedeutet», fasst der Stadtrat zusammen. «Genau dies, was die austretenden Gemeinden aus den Erfahrungen des ersten Jahrs im Verband bemängeln.»