Veltheim

Auf einmal systemrelevant: Samuel Werder AG produziert Teile für Beatmungsgeräte

Das Leitungsteam der Samuel Werder AG freut sich über den speziellen Auftrag (v. l.): Bernhard Erne, Leiter Produktionsplanung und Steuerung; Verwaltungsratspräsident Claude Werder; kaufmännischer Geschäftsleiter Raphael Vögtli und André Stäger, technischer Geschäftsleiter.

Das Leitungsteam der Samuel Werder AG freut sich über den speziellen Auftrag (v. l.): Bernhard Erne, Leiter Produktionsplanung und Steuerung; Verwaltungsratspräsident Claude Werder; kaufmännischer Geschäftsleiter Raphael Vögtli und André Stäger, technischer Geschäftsleiter.

Die Produktion von Teilen für Beatmungsgeräte macht aus der Samuel Werder AG in Veltheim einen 24-Stunden-Betrieb. Seit einer Woche ist das KMU offiziell ein systemrelevanter Betrieb.

Als der Bundesrat am 16.März den schweizweiten Lockdown verordnete, sass die Geschäftsleitung der Firma Samuel Werder AG, die auf Feinwerktechnik spezialisiert ist, im Grossraumbüro in Veltheim und schaute sich die Pressekonferenz auf einem Monitor an. Trotz der vorausgegangenen Anzeichen auf die tiefgreifenden Massnahmen war die Geschäftsleitung danach fast wie gelähmt.

Damit die Produktion aufrechterhalten werden konnte, mussten alle Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden vor dem Coronavirus umgesetzt sowie die Werkhalle und Arbeitsabläufe neu aufgeteilt werden. Schliesslich waren die Auftragsbücher bis dato noch gut gefüllt, obwohl der Bestellungseingang unmittelbar nachliess.

«Wir brauchen dringend Ventilkörper für Beatmungs­geräte», sagte ein Geschäftspartner der Samuel Werder AG am 31.März am Telefon. Pläne der herzustellenden Teile wurden gemailt und der Vertrieb erarbeitete sofort ein Angebot. Die Zusage vom Kunden erfolgte 24 Stunden später.

Erster Drei-Schicht-Betrieb seit dem Euroschock 2015

Beim Lieferanten des Ver­trauens wurden umgehend die notwendigen Werkzeuge sowie eine spezielle Spannvorrichtung bestellt und im Eiltempo im Schenkenbergertal zugestellt. Nach einer Video-Konferenz mit dem Kunden und dessen endgültigem «Go» wurde die Produktion angefahren – gerade mal drei Tage nach der Anfrage. Dann kamen laufend neue Anforderungen an die Teile hinzu, die in kürzester Zeit umgesetzt werden mussten. Der Ende März eingeweihte Sauberraum erfuhr so gleich seine Generalprobe. Dort werden die Teile nach der Reinigung verpackt.

Vor Ostern lieferte die Samuel Werder AG bereits die erste Serie Präzisionsteile aus. Nun werden im 24-Stunden-Betrieb an sechs Tagen pro Woche Hunderte Teile für Beatmungsgeräte produziert. «Seit dem Euroschock Mitte Januar 2015 ist es das erste Mal, dass wir wieder im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten. Zuvor hatten wir von Montag bis Freitag einen Zwei-Schicht-Betrieb und arbeiteten in Spitzenzeiten zusätzlich am Samstag», sagt der kaufmännische Geschäftsleiter Raphael Vögtli.

Ausländischer Endkunde schätzt Schweizer Qualität

Von der 75-köpfigen Belegschaft der Samuel Werder AG werden in nächster Zeit sieben Angestellte an drei Maschinen mit der Produktion der erwähnten Ventilkörper für Beatmungs­geräte beschäftigt sein. Nachts arbeiten jeweils zwei Personen.

«Die Präzisionsteile gehen über einen Zwischenhändler an einen Endkunden ins Ausland – innerhalb von Europa», sagt Raphael Vögtli. Wohin genau, darf der 38-Jährige nicht verraten. Dass sich der ausländische Endkunde bei KMU in der Schweiz eindeckt, sei wohl den typisch schweizerischen Werten wie hohe Lieferbereitschaft, Produktqualität, Flexibilität und dem Einsatzwillen der Mitarbeitenden zu verdanken, sagt Raphael Vögtli. Inzwischen liegen dem Feinwerktechnik-Unternehmen weitere Anfragen – auch von neuen Kunden – vor für Präzisionsteile, die für die Bekämpfung der Coronapandemie notwendig sind.

Das KMU ist für Bund ein systemrelevanter Betrieb

Die Samuel Werder AG hat verschiedene Kunden, die im Medizinalbereich tätig sind. Deren Aufträge, die auf einen späteren Zeitpunkt geplant waren, mussten aufgrund des dringenden Bedarfs vorgezogen werden. Parallel zu den Ventilkörpern für Beatmungsgeräte werden nun auch Klemmelemente für Spitalbetten, diverse Dreh- und Frästeile für ein Gerät, das die Lungenfunktion testet, Distanzhülsen für Beatmungsgeräte sowie Frästeile für ein Diagnosesystem für das Atemwegsmanagement produziert.

Vor einer Woche stellte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) dem Betrieb in Veltheim die Bestätigung der Versorgungsrelevanz aus. Das bedeutet, dass es sich bei der Samuel Werder AG «um einen zur Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen system­relevanten Betrieb handelt». Für die wirtschaftliche Landes­versorgung sei es von grosser Bedeutung, «dass Ihre Mitarbeitenden in der Ausübung ihrer Arbeit nicht beschränkt werden», hält das BWL fest.

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