Windisch
Bald haben hier Orpheus und Eurydike ihren grossen Auftritt

Die Kirche Königsfelden wird erneut von Flamencos en route bespielt. Heute in einem Monat ist Premiere. Aufgeführt wird die herzergreifende Sage von Orpheus und Eurydike.

Elisabeth Feller
Drucken
In der Weite der Klosterkirche Königsfelden nehmen sich Menschen winzig aus. Brigitta Luisa Merki (rechts) und Pitt Hartmeier stehen auf dem Boden, den der Künstler Beat Zoderer gestaltet hat. Walter Schwager

In der Weite der Klosterkirche Königsfelden nehmen sich Menschen winzig aus. Brigitta Luisa Merki (rechts) und Pitt Hartmeier stehen auf dem Boden, den der Künstler Beat Zoderer gestaltet hat. Walter Schwager

Die Sonne strahlt schon frühmorgens, doch warm ist es gleichwohl nicht. Und schon gar nicht in der Klosterkirche Königsfelden, deren schweres Tor Brigitta Luisa Merki und Pitt Hartmeier (Flamencos en route) soeben aufgestossen haben. Kälte umfängt einen, doch man negiert sie angesichts dessen, was man vor Augen hat: Das imposante Kirchenschiff, dessen grauer Sandsteinboden nun zu einem Grossteil von einem schwarz-blauen, für tanzende Füsse geeigneten Schwingboden bedeckt ist, den der Wettinger Künstler Beat Zoderer geschaffen hat.

Wer den Blick schweifen lässt, sieht, dass dieser Boden auch vier Säulen ummantelt. Auf diesem «Teppich», der sich – je nach Beleuchtung – zu unergründlichem Meerblau verdunkelt, werden Tänzerinnen, Tänzer, Sängerinnen sowie Musiker von Flamencos en route schon bald eine der herzergreifendsten Sagen der Weltliteratur zum Leben erwecken: Orpheus und Eurydike oder «orfeo.eurídice.das paradies».

Liebevoll «bespielter» Raum

Heute in einem Monat wird die Uraufführung, die dritte im Zyklus «Tanz & Kunst Königsfelden», stattfinden. Viel ist bereits gemacht worden – einiges muss noch reifen. Doch alles ruht in den Händen «von Menschen, die wissen: Nicht das Material, sondern die Sache steht im Vordergrund.» Pitt Hartmeier, der technische Koordinator, ist dankbar um sein oft einen künstlerischen Hintergrund aufweisendes Team, das die wunderbare, Respekt einflössende Kirche mit Eigenheiten wie etwa unterschiedlich dicken Säulen oder verschobenen Achsen ebenso kenntnisreich wie liebevoll «bespielt».

Veit Kälin (Lichtgestaltung), Markus Luginbühl (Ton), Chema Cacha, Dani Ott, Esther Rast, Willi Rogger (Bühnenbau) und Nörbs Locher (Backliner) stehen hinter der bisher aufwändigsten Produktion von Flamencos en route in Königsfelden. Aufwändig meint nicht das Ausfahren der showträchtigen Pranke, sondern das Inhaltliche. Dieses sucht in langwierigem Ringen seinen adäquaten Ausdruck, was auf die Kirche bezogen heisst: Weniger ist mehr oder wie Hartmeier und Merki betonen: «Dieser Raum darf nicht mit Technik verbaut werden». Dennoch erfolgt ein «künstlerischer Eingriff» – mit Merkis Choreografie sowie Zoderers, 340 m2 grossem Boden, über den Merki sagt: «Die Farben und Muster müssen so beschaffen sein, dass sie sich nicht verselbstständigen und damit den Tanz überflüssig machen».

Die Begegnung zwischen Tanz, Musik und Bildender Kunst wird gekrönt durch Zoderers «Tor zum Paradies», das im Innenraum eine Höhe von 5 Metern, eine Tiefe von 2.50 Metern und eine Breite von 8 Metern aufweist. Pitt Hartmeier lächelt, denn er ahnt die nächste Frage voraus: «Die Klosterkirche ist denkmalgeschützt, ergo dürfen wir nicht einen Nagel in die Wände schlagen. Das Tor trägt sich also selbst». Diesem gegenüber steht die steil bis zum Lettner ansteigende, 220-plätzige Tribüne: Wer dort sitzt, befindet sich auf Augenhöhe sowohl zum Tor wie zu den prächtigen Glasfenstern.

Tor hat dramaturgische Funktion

Welche dramaturgische Funktion dieses «Tor zum Paradies» hat, erklärt Brigitta Luisa Merki: «Wird es geöffnet, treten Orfeo und Eurídice in die Kirche. Aber dieses Tor zum Paradies bleibt nicht nur den Tanzenden vorbehalten. Da es auch draussen ein solches gibt, wird jeder Zuschauer durch das ‹Tor zum Paradies› schreiten müssen». Damit erlebt das Publikum das, was Orfeo und Eurídice wenig später erleben werden: Den Gang in eine anfänglich paradiesische Welt, in die jäh der Tod einbricht.

Vorstellungen: Klosterkirche Königsfelden, 20. Mai bis 19. Juni, jeweils 21 Uhr. Vorverkauf: www.ticket.baden.ch; Info Baden, Telefon: 056 2008484.

Aktuelle Nachrichten