Debüt
Balkanmusik aus der Schweiz: Sechsköpfige Band Otrava aus Baden und Brugg gibt ihre erste CD heraus

Die sechsköpfige Band Otrava überrascht auf ihrer ersten CD mit eigenwilligem Sound. Wurzeln im Balkan hat allerdings keines der Bandmitglieder.

Ursula Burgherr
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Haben sich im Siggenthaler Jugendorchester kennen gelernt, v. l.: Salome Etter, Romain Nussbaumer, Lina Humbel, Lukas Eugster, Mischa Tapernoux und Yves Ehrsam.

Haben sich im Siggenthaler Jugendorchester kennen gelernt, v. l.: Salome Etter, Romain Nussbaumer, Lina Humbel, Lukas Eugster, Mischa Tapernoux und Yves Ehrsam.

Sarina Schmid

Die sechsköpfige Band Otrava bezeichnet ihren Musikstil als klezmerisch-balkanösen Eintopf mit einer Prise Pavarotti. Was darf man sich darunter vorstellen?

«Wir bedienen uns traditioneller Volkslieder aus dem Balkan, die wir für die In­strumentierung arrangieren. Ebenfalls schreiben wir Eigenkompositionen», sagt Violinist Mischa Tapernoux. Die Anspielung auf einen der berühmtesten Tenöre aller Zeiten ist Percussionist Yves Ehrsam zuzuschreiben. Er befindet sich wie alle Otrava-Mitglieder im Musikstudium und wird auf klassischem Gesang abschliessen.

Die Mischung klingt un­gewöhnlich, erweist sich aber als sehr mitreissend. Gesungen wird auf Serbisch, Mazedonisch, Bosnisch und Schweizerdeutsch. Wurzeln im Balkan hat keines der Bandmitglieder. «Die Begeisterung für Balkanmusik entstand hier in der Schweiz beim Hören von anderen Bands. Sie ist zwar eher ein Nischenprodukt, aber die Szene hierzulande ist sehr lebendig.»

Im November wäre ihre erste Platte getauft worden

«Letzten Sommer hatten wir praktisch jede Woche Gigs, dann kam Corona und sämtliche Veranstaltungen wurden abgesagt», erzählt die Kontrabassistin Lina Humbel, «deshalb nutzten wir die Zeit und nahmen ein Album auf.» Im November wäre das Erstlingswerk «Otrava» im ­Royal Baden getauft worden. Doch auch die Plattentaufe fiel der Pandemie zum Opfer. Trotzdem war die Erscheinung der ersten eigenen Platte für alle ein grosser Moment. «Wir haben in unserem Probelokal auf die CD angestossen», bekundet Klarinettistin Salome Etter.

Das Sextett komplett machen Lukas Eugster an der Gitarre, der Posaunist Romain Nussbaumer und der Perkussionist und Sänger Yves Ehrsam. Kennen gelernt haben sich die Bandmitglieder, die allesamt aus der Region Brugg und Baden stammen, im Siggenthaler Jugendorchester. Otrava sei neben dem Studium ein absolutes Herzensprojekt. «Wir sind Feuer und Flamme für unsere Musik. Solange es noch möglich war, haben wir jede Woche ein- bis zweimal geprobt», meint Lina Humbel.

Einen Bandleader gibt es bei Otrava nicht

«Wir waren schon enttäuscht, während so langer Zeit nicht spielen zu können. Die Konzerte nach dem Album-Release wären schön gewesen. Aber unter den gegebenen Umständen ist es für uns klar, dass wir die Schutzmassnahmen einhalten», meint Tapernoux pragmatisch. Die einzige Möglichkeit, ihre Musik unter die Leute zu bringen, besteht zurzeit via Apple Music, Spotify etc. Die Sechs freuen sich umso mehr auf nächstes Jahr und hoffen, dass 2021 Liveauftritte wieder möglich sein werden. Derweil feilt die bunt gemischte Truppe an ihrer Musik und entwickelt weitere Stücke.

Einen Bandleader oder eine Bandleaderin gibt es bei Otrava übrigens nicht. «Wir sind gleichberechtigt», meinen alle einstimmig. So seien sie bis jetzt gut gefahren. Weiterhin als gute Freunde die Musik zu machen, die sie lieben und die sie einzigartig macht, auf grossen und kleinen Bühnen aufzutreten, ist der Traum der jungen Formation aus Baden und Brugg. Von Otrava wird sicher noch viel zu hören sein.