Birrhard

Bedenken über Lärm und Staub: Gegen die Aushub-Deponie gibt es Vorbehalte

Der Lärmschutzeffekt entsteht mit einer bis zu zwölf Meter hohen Aufschüttung.

Der Lärmschutzeffekt entsteht mit einer bis zu zwölf Meter hohen Aufschüttung.

Die Pläne für eine duale Nutzung mit Kiesabbau und Deponie im Steibode in Birrhard stossen bei der Bevölkerung auf Widerstand.

«Ich kann nicht verstehen, dass man ein solches Projekt so nah am Wohngebiet aufziehen kann. Wir haben jetzt schon Lärm von der Autobahn und seit Neuestem vom Heliport. Wir müssen das nicht haben.» Damit dürfte ein Teilnehmer am Informationsanlass über den Kiesabbau und die Aushubdeponie im Steibode am Mittwochabend in der Turnhalle wohl den meisten der gut 80 anwesenden Birreterinnen und Birretern aus dem Herzen gesprochen haben.

Zum Anlass – der unter strengen Corona- Schutzmassnahmen stattfand – hatten der Gemeinderat Birrhard und der Planungsverband Brugg Regio eingeladen. Das vor dem Hintergrund der aktuellen Mitwirkung zur Aufnahme des Vorhabens in den kantonalen Richtplan.

Geplant ist, dass in einem knapp 12 Hektaren grossen Gebiet über eine Zeitdauer von 25 Jahren 2,2 bis 2,6 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut und 3 bis 3,4 Millionen Kubikmeter sauberes Aushubmaterial deponiert werden (die AZ berichtete). Betreiber der Anlage wird die Terractus AG sein, hinter der die Merz Gruppe Holding (Gebenstorf), die Umbricht Holding AG (Baden), die Samuel Amsler AG (Schinznach Dorf), die Hans Meyer AG (Birr) sowie die Beton- und Cementwaren AG (Merenschwand) stehen.

«Der Steibode ist der beste Standort in der Region»

Ulrich Salm, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Deponieplanung im Planungsverband Brugg Regio, stellte den Ablauf des Verfahrens vor und legte die Gründe dar, die für die Standortwahl ausschlaggebend waren. «Unter den zehn potenziellen Standorten in der Region ist der Steibode der beste», stellte er fest. «Hier ist eine duale Nutzung – Abbau und Deponie – möglich. Primär steht dieser Standort im Fokus. Er wird aber nicht ausreichen.»

Das Vorhaben diene der Sicherstellung der Kiesversorgung und der Deponiemöglichkeiten, betonte Thomas Merz, der Präsident des Verwaltungsrats der Merz Gruppe Holding AG. Er wies auf die, wie er sagte «relativ hohe Flughöhe» der Planung im aktuellen Verfahrensstand hin, betonte aber, dass es keine Dorfdurchfahrten von Lastwagen geben werde und dass Grube und Deponie ideal in die Landschaft eingegliedert würden. Zudem sei die Betriebsdauer nicht so zu verstehen, dass im Steibode 25 Jahre lang ein grosses Loch sei. Offen sei jeweils eine Fläche von drei bis vier Hektaren.

Josef Wanner (Ingenieurbüro Ilu AG, Horw) stellte das Konzept vor. Er wies dabei auf den Lärmschutzeffekt der bis zu zwölf Meter hohen Aufschüttung hin, hinter der dereinst die Autobahn sozusagen verschwinden soll.

Noch einige Fragen dürften zu klären sein

«Dass ein solches Vorhaben nicht ohne Verkehr bleibt, dürfte allen klar sein», räumte Ruedi Amsler (Samuel Amsler AG) ein. «Mit gezielten Massnahmen werden aber Lärm und Staub von der Siedlung ferngehalten.» Seine Feststellung, dass für das Quartier an der Dorfstrasse ein Gewinn resultiere, wurde vom Publikum allerdings mit Gelächter quittiert.

In der Fragerunde kamen Bedenken zum Verkehr – die Betreiber sprechen von täglich 170 Lastwagenfahrten – zum Ausdruck. Zur Erschliessungsroute, via Langgasse zur K118, wurde ins Feld geführt, dass es sich um einen Schulweg handle. Zudem sei der Ausbau der Langgasse aus Gründen des Landschaftsschutzes abgelehnt worden. Da stelle sich schon die Frage, wie das – mit 170 Lastwagen pro Tag – gelöst werden soll.

Auch Bedenken grundsätzlicher Art wurden geäussert. So die Befürchtung der Entwertung von Liegenschaften. «Das Vorhaben bedeutet eine Abwertung des Wohngebiets und damit der Gemeinde», wurde argumentiert. «Welchen Gegenwert hat die Gemeinde?» Das zu beziffern sei schwierig, erklärte Frau Gemeindeammann Ursula Berger. Als «positiven Nebeneffekt» bezeichnete sie die erwarteten 150000 bis 250000 Franken an jährlichen Einnahmen. Sie betonte den Willen des Gemeinderats, ein Projekt an die Gemeindeversammlung zu bringen, hinter dem man stehen könne. Bis dahin – das Nutzungsplanungsverfahren könnte 2022, das Baubewilligungsverfahren 2023 stattfinden – dürfte noch einiges zu klären sein.

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