Villigen

Belastetes Erdreich wird dank einer Seilbahn über die Aare transportiert

Das mit Blei belastete Erdreich wird via Seilbahn über die Aare gebracht.

Das mit Blei belastete Erdreich wird via Seilbahn über die Aare gebracht.

Für die Sanierung des schwer zugänglichen Kugelfangs Eichlihau hat sich Villigen für eine Lösung mit einer Seilbahn entschieden.

Schon mancher Kugelfang ist saniert worden. Aber wohl noch kaum einer so wie derzeit in Villigen und Würenlingen.

Weil das Gelände sehr schlecht zugänglich ist, wird das belastete Erdreich mit einer Seilbahn über die Aare – die an dieser Stelle über 100 Meter breit ist – transportiert.

Am Montag sind der mobile Seilkran im Villiger Ortsteil Stilli aufgestellt und die Seile per Boot über den Fluss gezogen worden zum gegenüberliegenden Waldrand.

Der Seilbahnbetrieb hat ab Dienstag begonnen. Rund ein Kubikmeter Material kann pro Fahrt abgeführt werden. Direkt von der Baustelle gelangt der Behälter ans Ufer in Stilli, wo das Erdreich in eine grosse Mulde gekippt wird, die dann wiederum per Lastwagen abgeholt wird. Eingerichtet ist der Umladeplatz im Bereich des Regenbeckens.

Auch ein Helikopter stand zur Diskussion

Ausgeführt wird eine sogenannte Hot-Spot-Sanierung, erklärt Maurus Fischer, Baubegleiter von der Terre AG aus Muhen. Will heissen: Entfernt werden diejenigen Bereiche mit der höchsten Bleibelastung, also die obersten Schichten im damaligen Einschlagbereich der Kugeln. Die Rede sei von rund 100 Kubikmeter Material, das in der Folge in einer Bodenwaschanlage behandelt wird, so Fischer. 

Rückblick: Quer über die Aare wurde seinerzeit geschossen von der Schiessanlage in Stilli aus. 1952 wurde der Kugelfang Eichlihau auf Würenlinger Boden stillgelegt. Den Standort direkt am Gewässer haben Kanton und Bund nach der technischen Untersuchung als sanierungsbedürftig eingestuft. Im November 2017 genehmigte die Gemeindeversammlung den Kredit von 266 000 Franken für die Sanierung.

Verschiedene Varianten hat der Gemeinderat Villigen geprüft, ob mit Pontons oder mit Helikopter. Förster Oliver Frey, der in jungen Jahren einige Zeit im Gebirge gearbeitet hatte, schlug schliesslich eine Lösung mit einer Seilbahn vor für die Arbeiten an der steilen Böschung unmittelbar an der Aare mitten in einer Altholzinsel und in einiger Entfernung zur nächsten Waldstrasse.

Die Planung sowie die Koordination über die Gemeindegrenze hinweg waren aufwendig, es mussten verschiedene Bewilligungen eingeholt werden. Auch gelte es diverse Auflagen einzuhalten, gibt Frey zu bedenken. Eine lautet, dass der Hang nach der Sanierung stabil sein muss. Ein Geologe hat deshalb am späteren Mittwochnachmittag einen Augenschein genommen. Je nach Beurteilung wird dann eine Hangverbauung ins Auge gefasst, ob mit einem Holzkasten, einem Hangrost oder einer sogenannten Krainerwand.

Lob gibt es für die brillante Idee des Försters

Mit den Arbeiten betraut sind die spezialisierten Firmen Abächerli Forstunternehmen AG aus Giswil sowie Gebrüder Straumann AG aus Trimbach. «Die Fachleute verfügen über einen grossen Erfahrungsschatz», stellte Frey bei einem Augenschein fest. «Sie wissen, um was es geht.»

Über den Baufortschritt und den reibungslosen Betrieb äussern sich die Beteiligten zufrieden. Sie sprechen von einem effizienten und sicheren Verfahren. Timo Waser, Gemeinderat in Villigen, lobt den Förster, der die «brillante» Idee mit der Seilbahn vorangetrieben und so zur Lösung eines alten Problems beigetragen hat.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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