Bezirk Brugg

Beschädigte Wiesen und Felder: Wildschweine sind Überraschungstäter

Der Wald profitiert vom durchwühlten Boden. Wiesen und Felder nicht.

Der Wald profitiert vom durchwühlten Boden. Wiesen und Felder nicht.

Die Wildtiere sorgen im Bezirk Brugg meist über Nacht für Zerstörung. Bis Anfang November werden Schäden am Wiesland abgeschätzt.

Sie halten sich versteckt und fliehen wenn möglich vor Menschen. Aber auf Wiesen und Feldern hinterlassen Wildschweine gut sichtbare Spuren. Da die Schäden am Wiesland während des Winters ohnehin nicht instandgestellt werden können, werden die entstandenen Wildschäden bis Anfang November abgeschätzt.

Laut Reto Fischer von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei liegt die angemeldete Schadenssumme im Bezirk Brugg aktuell bei 94'000 Franken. Dieser Betrag wird sich durch bisher noch unverarbeitete Schadensprotokolle erhöhen.

Im Vorjahr wurde insgesamt ein Schaden von 219'929 Franken verzeichnet, im ganzen Kanton Aargau betrug dieser 796 927 Franken. Damit machten die Schäden im Bezirk Brugg 2018 27,6% des Betrags aus.

Matthias Suter, Schadensexperte und Abschätzer der Bezirke Aarau, Bremgarten, Brugg, Kulm, Lenzburg, Muri und Zofingen, hebt das Zurzibiet und den Bözberg 2019 als betroffene Regionen hervor. Allerdings betonen sowohl er als auch Fischer, dass dies kaum allgemeine Rückschlüsse zulasse. «Wildschweine sind sehr mobil und unauffällig unterwegs», sagt Fischer.

«Sie sind weder zuverlässig zu zählen noch lassen sich Prognosen über kleinräumige Populationsveränderungen machen.» Ebenso hänge es von der Witterung (Niederschlag, gefrorener Boden) und Nahrungsverfügbarkeit im Wald (Baummast) ab, wie hoch Schäden werden.

«Es ist möglich, dass wochenlang kaum Wildschweinspuren festgestellt werden, sie dann aber plötzlich in einer Nacht eine ganze Parzelle stark schädigen», so Fischer. Dieser Umstand macht Prognosen äusserst schwierig.

Die Wildschäden verursachen für Bauern Arbeit und Kosten

Seit 2011 wurde etwas mehr als die Hälfte der Schäden im Aargau am Wiesland festgestellt, je ein Viertel entfiel auf Getreide- und Maisanbau. Die dadurch entstehenden Kosten werden zum Teil durch die Jagdgesellschaften gedeckt. «Die Jagdgesellschaft beteiligt sich bis maximal 25% vom Pachtzins an den Wildschäden und Verhütungsmassnahmen im Wald», sagt Fischer.

Den Rest übernimmt der Kanton. «Die Bauern hätten lieber keine Schäden statt das Geld», ist sich Schadensexperte Suter sicher. Der Ertragsausfall und die Wiederinstandstellung an Futterbau und Wiesland werde zwar bezahlt, aber durch Dreck in der Silage entstehe zum Beispiel schlechte Futterqualität. Diese Kosten lägen im Dunkeln.

Die Wildschweinpopulation ist weltweit hoch. Eine Abnahme erscheint laut Fischer unwahrscheinlich, solange das Habitat gleich bleibt. Aber Krankheiten oder Seuchen wie die Schweinepest könnten zu kleineren Beständen führen.

In der Regel nehmen Wildschweine Menschen früh wahr und weichen ihnen aus. Selbst wenn sie überrascht werden, fliehen sie. Meist sehe man nur noch die aufgeschreckten beziehungsweise durchziehenden Tiere, sagt Fischer. Er rät, sich auch sorglosen Jungtieren nicht zu nähern.

Intelligente, anpassungsfähige Tiere machen die Jagd aufwendig

Die effektive und nachhaltige Regulation von Wildschweinbeständen ist eine grosse Herausforderungen für die Jagd. Fischer sagt: «Mit entsprechenden Methoden, zum Beispiel der Pirsch, kann die Jagd effizient sein. Das braucht aber viel Erfahrung und entsprechend mindestens anfangs viel Zeitaufwand.»

2018 wurden im Aargau 1045 Wildschweine geschossen, 68 Tiere kamen als Fallwild zusätzlich auf andere Art zu Tode. Im Bezirk Brugg starben 180 Tiere und 9 wurden als Fallwild gemeldet.

Im Jagdgebiet Schinznach-Dorf-Oberflachs wurden im Verhältnis zur vorhandenen Waldfläche am meisten Wildschweine erlegt. Dort betrug der Wildschaden 44 086 Franken, rund einen Fünftel der Bezirkssumme. Im Unterbözberg wurden mit nur einer erlegten Wildsau verhältnismässig am wenigsten Abschüsse verzeichnet. Die Jagdstatistik wird jeweils im Januar des Folgejahrs gemeldet.

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