Bezirksgericht Brugg
«Es war ein Fehler»: Unwissenheit kommt 26-Jährigen teuer zu stehen

Wegen einer Busse von 100 Franken landet ein 26-Jähriger schliesslich vor dem Bezirksgericht in Brugg.

Michael Hunziker
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Zum Vorfall gekommen ist es in der Nacht auf einen Sonntag im Lockdown im letzten Jahr: Eine Gruppe von mehr als fünf Personen stand zusammen auf dem Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch.

Zum Vorfall gekommen ist es in der Nacht auf einen Sonntag im Lockdown im letzten Jahr: Eine Gruppe von mehr als fünf Personen stand zusammen auf dem Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch.

Bild: Alex Spichale

Den Bussenzettel der Polizei hat er verlegt, die 100 Franken nicht bezahlt: Sergio (Name geändert) ist ein Strafbefehl ins Haus geflattert. Gegen diesen erhob er Einsprache und hat deshalb als Beschuldigter vor dem Bezirksgericht in Brugg erscheinen müssen.

Gemäss Ausführungen der Staatsanwaltschaft hat er teilge­nommen «an einer Menschenansammlung von mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum». Gekommen ist es zu einer solchen auf dem Campus der Fachhochschule in Brugg-Windisch spät in der Nacht auf einen Sonntag im April des vergangenen Jahres.

Statt Mahnung flatterte ein Strafbefehl ins Haus

Dieser Sachverhalt stimme, bestätigte der aufmerksame, aufgestellte 26-Jährige – schwarze Hose, blaues Hemd, schwarze Jacke – in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg. Sie seien in einer Gruppe zusammengestanden, hätten etwas getrunken. Kenntnis von den Coronaschutzmassnahmen, räumte Sergio ein, habe er gehabt. Die Polizei sei aufgetaucht, habe die Per­sonalien aufgenommen und Bussen verteilt, «nichts Spe­zielles». Er erhielt wohl auch eine, versuchte er sich zu erinnern. Aber er habe den Zettel nicht mehr.

Sonst habe er eigentlich nie mit der Polizei zu tun, sagte Sergio, der in der Region wohnt, einen handwerk­lichen Beruf erlernt und kürzlich eine Weiterbildung abgeschlossen hat.

Er sei davon ausgegangen, fuhr er fort, dass er abwarten könne, eine Mahnung kriegen werde und die 100 Franken dann begleichen könne. Dass aber nach Ablauf der Frist von 30 Tagen gleich ein Verfahren eröffnet werde und eine Verzeigung an die Staatsanwaltschaft erfolge, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Mit wenig Aufwand hätte er viel Geld sparen können

Eine Mahnung gebe es nicht und brauche es nicht, erklärte ihm Einzelrichterin Imobersteg. Das sei so auf dem Bussenzettel vermerkt. Werde ein Strafverfahren eingeleitet, dann sei eine Gebühr fällig, in diesem Fall von 300 Franken.

Die Gerichtspräsidentin zeigte dem Beschuldigten seine Möglichkeiten samt Kostenfolgen auf. Sergio beschloss, die Einsprache zurückzuziehen. Ein Interesse daran, ein Verfahren zu führen, habe er trotz Aussicht auf einen Teilerfolg nicht. Es sei im Endeffekt ein Fehler, seine Unwissenheit gewesen. Teuer zu stehen kommt ihn der Zwischenfall trotzdem: Bezahlen muss er insgesamt 800 Franken. Die Gerichtsgebühr alleine beläuft sich auf 500 Franken.

Die Gerichtspräsidentin gab dem Beschuldigten am Schluss der kurzen Verhandlung als Tipp mit auf den Weg, sich künftig bei den zuständigen Stellen zu erkundigen, sollte er wieder einmal einen Bussenzettel verlegen. Er solle keine Hemmungen haben, nachzufragen, sich zu melden per Telefon oder vorbeizugehen am Schalter der Polizei. «Das sind keine Unmenschen.» Es hätte nicht viel Aufwand gebraucht und er hätte viel Geld sparen können.