Birrfeld
Fünf Gemeinden wollen eine Fusion prüfen – fragen aber zuerst das Stimmvolk

Die Stimmberechtigten von Birr, Birrhard, Habsburg, Lupfig und Mülligen können sich noch bis Ende Juni zur Zukunft im Birrfeld äussern. Dann entscheiden die einzelnen Kommunen, wer beim neuen Projekt mitmacht. Läuft es nach der Arbeitsgruppe, könnte die grosse Gemeinde 2026 starten.

Claudia Meier
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Im Birrfeld sind die Gemeinden Birr (links) und Lupfig bereits zusammengewachsen.

Im Birrfeld sind die Gemeinden Birr (links) und Lupfig bereits zusammengewachsen.

Bild: Michael Küng
(21. September 2020)

Letzte Woche wurde bekannt, dass der Bezirkshauptort sämtliche Mitgliedergemeinden des Planungsverbands Brugg Regio angeschrieben hat, um herauszufinden, wer die Zusammenarbeit mit Brugg verstärken möchte. Bekannt ist, dass der Gemeinderat Villnachern seit einiger Zeit ein grosses Interesse daran hat, eine Fusion mit Brugg zu prüfen.

Gemeindeammann Richard Plüss von Lupfig leitet die Arbeitsgruppe.

Gemeindeammann Richard Plüss von Lupfig leitet die Arbeitsgruppe.

Bild: zvg

Fusionieren werden dereinst vielleicht auch bis zu fünf Gemeinden im Birrfeld. Ein entsprechender erster Schritt mit einer Bevölkerungsumfrage in Lupfig, Birr, Birrhard, Habsburg und Mülligen wurde am Dienstagmorgen den Medien vorgestellt. Der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Gemeindeammann Richard Plüss aus Lupfig gehören an: René Grütter, Gemeindeammann Birr; Ursula Berger, Gemeindeammann Birrhard; Werner Rüegsegger, Gemeindeammann Habsburg; Stefan Hänni, Vizeammann Mülligen; Fabienne Zinniker, Gemeindeschreiberin Lupfig, und Martin Hitz, Geschäftsleiter der AWB Comunova AG.

Auch Jugendliche ab 16 Jahren sind gefragt

In der Umfrage, die in Papierform oder via QR-Code online ausgefüllt werden kann, geht es darum, ob und mit welchen Gemeinden eine Fusion geprüft werden soll. Welche Argumente sprechen für oder gegen eine Fusion? Teilnehmen können alle stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner der fünf Gemeinden sowie die Jugendlichen ab dem 16. Altersjahr (ohne Ausländer). Abgabeschluss ist am 30. Juni 2021. Die Antworten gehen direkt an die AWB Comunova AG und werden von ihr ausgewertet. Richard Plüss sagt:

«Wir haben bewusst einen kurzen Zeitraum für den Rücklauf gewählt.»

Damit geht die Umfrage nicht vergessen und kann in den Ferien analysiert werden. Die Idee dazu entstand Anfang 2021. Schon seit Jahren treffen sich die Gemeindeammänner von den Kommunen im und ums Birrfeld etwa alle sechs Monate zu einem Austausch.

Brunegg und Hausen wurden für die Teilnahme auch angefragt

Auch der Gemeinderat Brunegg habe sich die Teilnahme an dieser Bevölkerungsumfrage überlegt, sich dann aber aufgrund der Bezirksgrenze und der Ausrichtung Richtung Möriken–Wildegg sowie Othmarsingen dagegen entschieden, sagt Richard Plüss. Hausen sei ebenfalls angefragt worden.

Übersichtskarte

Übersichtskarte

Stb / Aargauer Zeitung

«Ich hoffe, dass sich möglichst viele junge und mittelalterliche Einwohnerinnen und Einwohner melden», fährt der Gemeindeammann von Lupfig fort. Denn der Lebensraum Birrfeld sei ein vom Kanton definierter Entwicklungsschwerpunkt. Für die Arbeitsgruppe steht fest:

«Ein allfälliger Zusammenschluss bietet Chancen für die Gemeinden, hätte aber eine umfassende ­Veränderung im Birrfeld zur Folge.»

Richard Plüss erwähnt die veralteten Gemeindestrukturen im Aargau und ergänzt: «Wir haben zwar eine intensive Zusammenarbeit, sind aber kompliziert organisiert. Mit einer Fusion könnten wir vieles vereinfachen.» Es bräuchte nur noch einen Gemeinderat anstelle von fünf. Dass Handlungsbedarf bestehe, sehe man in Mülligen, wo die Ämterbesetzung im Gemeinderat seit Jahren sehr schwierig ist.

Die neue Gemeinde hätte 10'000 Einwohner und einen Flugplatz

Wichtig ist den fünf Gemeinden, bei der Bevölkerung zuerst den Puls zu fühlen, bevor das Projekt richtig lanciert wird. Damit ist man bei der Fusion von Scherz und Lupfig gut gefahren. Je nach Resultat der Bevölkerungsumfrage sollen die interessierten Gemeinden in der kommenden Amtsperiode ein Fusionsprojekt aufgleisen und durchführen.

Der Gemeinderat Habsburg hat sich entschieden, bei der Umfrage zum Gemeindezusammenschluss Birrfeld mitzumachen.

Der Gemeinderat Habsburg hat sich entschieden, bei der Umfrage zum Gemeindezusammenschluss Birrfeld mitzumachen.

Bild: cm
(25. August 2015)

«Angedacht ist, dass die neue Gemeinde 2026 auf den Beginn der übernächsten Legislatur starten könnte», erklärt Richard Plüss den Fahrplan. Die neue Gemeinde hätte einen Flugplatz (sofern Lupfig mitmacht) und würde rund 10'000 Einwohner zählen. Plüss spricht von einer guten Grösse, um Kosten sparen zu können. Ob es dann noch eine Gemeindeversammlung gebe oder einen Einwohnerrat brauche, werde man diskutieren müssen. Plüss findet es gut, dass Brugg zeitgleich eine Auslegeordnung macht.

Zwei Fusionsprojekte in den letzten zehn Jahren im Eigenamt

Rückblick: Mit rund zwei Drittel Ja-Stimmen hiessen die Stimmbürger und Stimmbürgerinnen von Lupfig und Scherz im September 2016 den ersten Gemeindezusammenschluss im Eigenamt gut. Die Fusionsgemeinde Lupfig mit dem Ortsteil Scherz besteht seit dem 1. Januar 2018.

Zuvor scheiterte der Zusammenschluss von Birr und Birrhard: Im März 2013 hiess die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Birr zwar den Zusammenschluss mit der Gemeinde Birrhard mit 107 Ja- zu 17 Nein-Stimmen gut. Aber Birrhard, 660 Einwohner, wollte keine Fusion mit Birr, 4208 Einwohner. Den 154 Nein- standen damals 32 Ja-Stimmen gegenüber.

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