Mittwochmittag an der Industriestrasse hinter dem Brugger Bahnhof: Über der grossen Produktionshalle mit dem «Kabelwerke Brugg»-Schriftzug scheint die Sonne. Doch der Schein trügt. Die Stimmung im Unternehmen sei nicht gut, sagt ein Angestellter, der sich soeben das Zmittag besorgt hat. Am Vortag hat das unter dem Namen Brugg Cables tätige Unternehmen mitgeteilt, bis Mitte 2020 am Hauptsitz in Brugg 120 der weltweit 520 Stellen abzubauen. Mit anderen Worten: Von den 370 Stellen in Brugg geht fast jede dritte verloren. Dies entspricht dem grössten Stellenabbau der letzten Jahre. Denn 2016 fielen am Hauptsitz 60 Stellen weg, insgesamt wurden 90 der damals 660 Stellen abgebaut. Und zuvor – im Jahr 2013 – wurden 26 Arbeitsplätze gekappt.

«Bereits im letzten November wurde der Stadtrat Brugg vom Management von Brugg Cables über die gegenwärtig schwierige Marktsituation informiert», sagt Stadtammann Barbara Horlacher. Den nun angekündigten Stellenabbau nehme der Stadtrat deshalb mit Bedauern, aber auch mit Verständnis zur Kenntnis. Landammann Urs Hofmann wurde letzte Woche durch den Verwaltungsratspräsidenten Otto H. Suhner und den CEO der Brugg Kabel AG, Samuel Ansorge, über den geplanten Personalabbau informiert. «Der Abbau von 120 Stellen ist ein für den Werkplatz Brugg und den Industriestandort Aargau empfindlicher Schlag, zumal es sich beim Bereich der Stromübertragung mittels technologisch hoch entwickelter Kabel um einen Zukunftsmarkt handelt», so Hofmann weiter.

«Es schmerzt direkt und indirekt»

Auch die FDP bedauert den Stellenabbau. Der in der Region verankerte Traditionsbetrieb trage den Namen Brugg verknüpft mit dem Ruf für hohe Qualität und Zuverlässigkeit in die ganze Welt hinaus, sagt Bezirkspartei-Präsident Willi Wengi. Dass dieses gut und umsichtig geführte Unternehmen nun Arbeitsplätze abbauen muss, schmerze direkt und indirekt. «Es sind die Direktbetroffenen, die ohne eigene Schuld Arbeitsplatz und Einkommen verlieren. Darunter leiden auch ihre Familien sehr», so Wengi. Es bedeute aber auch Verluste für Zulieferer und Ausbildungsplätze im Bezirk Brugg. Damit sich der Betrieb auf dem Weltmarkt weiter behaupten und durch Innovationen wieder zulegen kann, sind laut Wengi auch von der Politik entsprechende Rahmenbedingungen gefragt: «Die gerade verabschiedete neue Bau- und Nutzungsordnung und das Verkehrskonzept um die Brugg Cables sind sicher kein Schritt zur Verbesserung der Lage für die Firma.»

Anders tönt es bei der SP Bezirk Brugg: Die Partei spricht von einem Aderlass mit Ansage. Es sei wohl illusorisch, in dieser Hauruck-Übung für eine grössere Anzahl von Mitarbeitenden tragbare Lösungen zu finden. «Hier werden engagierte Mitarbeitende fallengelassen. Die Finanzierung ihrer Einkommen wird der Arbeitslosenkasse und den Sozialdiensten übertragen», schreibt die Partei in einer Stellungnahme. Brugg Cables habe es verpasst, über die Jahre ihre Mitarbeitenden umzuschulen und weiterzubilden – und ihnen so Möglichkeiten zu ihrer Entwicklung und dem Unternehmen Zukunftschancen zu bieten.

Stelle innerhalb der Brugg Gruppe

Der Regierungsrat appelliert an die unternehmerische Verantwortung und erwartet, dass die Brugg Kabel AG trotz des Stellenabbaus Investitionen in die technologische Entwicklung tätigt, um ihre Position im internationalen Wettbewerb zu stärken, sodass in Zukunft Wachstumschancen wahrgenommen werden können. Für möglichst viele Arbeitnehmende soll eine Anschlusslösung innerhalb oder ausserhalb der Brugg Gruppe gefunden und die für die Vermittlungsfähigkeit erforderlichen Weiterbildungen sollen gefördert werden.
In der Mittagspause ist noch ein anderer Mann unterwegs, der die Kündigung von Brugg Cables vor Jahren erhielt. Er spricht von einem Filz in der Geschäftsleitung, Einsparungen beim Material, Qualitätsmängeln und unzufriedenen Kunden.