Brugg
Wohnung statt Frühstücksraum: Das kleine Altstadt-Hotel von Sandro Burki wird nie mehr öffnen

Hotel und Café der Marco Polo Business Apartments AG an der Albulagasse bleiben auch nach der Coronakrise geschlossen. Geschäftsführer René Holenweger sagt, wie das Haus genutzt wird und warum die Gartengestaltung seit über zwei Jahren auf sich warten lässt.

Claudia Meier
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Der Garten rechts gehört der Marco Polo Business Apartments AG.

Der Garten rechts gehört der Marco Polo Business Apartments AG.

Claudia Meier

Am Wochenende sorgte eine Aktion mit Plakaten und einem Transparent gegen die Firma Marco Polo Business Apartments in Bremgarten für Aufsehen. Unter dem Slogan «Verdrängung by Marco MonoPolo» wurde die Geschäftspolitik der Firma kritisiert. ­Anonyme Aktivisten prangerten die vermeintliche Aufwertung der Stadt an, die durch steigende Mieten die lokale Bevölkerung und die Kulturschaffenden verdrängen würde.

Es wurden ein paar Beispiele von Immobilien in Bremgarten aufgeführt, die sich Marco Polo «unter den Nagel gerissen» habe. Geschäftsführer René Holenweger von der Marco Polo Business Apartments AG reagierte mit einem zweiseitigen offenen Brief an die Bevölkerung von Bremgarten. Marco Polo distanzierte sich von den eingebrachten Vorwürfen und stellte einige Falschinformationen richtig.

Vor zwei Jahren ein Hotel in der Brugger Altstadt eröffnet

Vor ziemlich genau zwei Jahren eröffnete die Marco Polo Business Apartments AG in Brugg an der Albulagasse in einer zuvor sorgfältig renovierten Liegenschaft ein kleines Hotel. Der Verwaltungsratspräsident und FC-­Aarau-Sportchef Sandro Burki konnte am Eröffnungsapéro auch Stadtratsvertreter begrüssen.

Verwaltungsratspräsident und FCA-Sportchef Sandro Burki (links) und Geschäftsführer René Holenweger beim Eröffnungsapéro am 22. März 2019.

Verwaltungsratspräsident und FCA-Sportchef Sandro Burki (links) und Geschäftsführer René Holenweger beim Eröffnungsapéro am 22. März 2019.

Michael Hunziker

Im ersten Stock wurde in einem repräsentativen Raum ein öffentliches Café eingerichtet, das sich aufgrund der Einrichtung und der günstigen Preise bald als Geheimtipp in der Stadt Brugg herumsprach. Damals hiess es, dass man das verwilderte Gärtchen an der Ecke Albula- und Falkengasse, das zur Liegenschaft gehört, in ein verspieltes Gartencafé umgestalten werde. Doch so weit kam es nicht.

Das Brugger Café im ersten Stock des Hotels war ein Geheimtipp.

Das Brugger Café im ersten Stock des Hotels war ein Geheimtipp.

Janine Müller

Die Coronakrise machte dem Brugger Hotel mit den acht Zimmern einen dicken Strich durch die Rechnung. Die zuvor gut gebuchten Hotelzimmer wurden kaum mehr nachgefragt. Das Café stand ab dem ersten Lockdown, also seit über einem Jahr, nie mehr offen. Im vergangenen Dezember teilte das Unternehmen mit, dass Marco Polo seine Hotels in Wohlen und Brugg zu möblierten Wohnungen umgestellt hat.

Der Strategiewechsel geht auf, für den Garten fehlen Ressourcen

Die acht möblierten Apartments in der Brugger Altstadt waren schnell belegt, wie Geschäftsführer René Holenweger auf Nachfrage der AZ sagte. Der Strategiewechsel ist aufgegangen. Ein Hotel wird es aus dieser Liegenschaft nach der Coronakrise nicht mehr geben. Holenweger sagt:

«Wir haben mit den meisten Bewohnern einen unbefristeten Mietvertrag mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten.»

Zu den Mietern zählen aktuell zwei Angestellte des Paul-Scherrer-Instituts und andere, die eine möblierte Unterkunft als Zwischenlösung schätzen. Noch in diesem Jahr soll der Frühstücksraum unter dem Dach laut dem Geschäftsführer in eine 2½-Zimmer-Wohnung umgebaut und neu vermietet werden. Auch für den grossen Raum im ersten Stock, in dem sich früher das Brugger Café befand, wird eine neue Nutzung gesucht.

In Brugg hat Marco Polo momentan keine Expansionspläne

Und was passiert mit dem Garten, der seit der Hoteleröffnung vor zwei Jahren nie instand gesetzt wurde? Der werde noch hergerichtet, immerhin sei er schon mal gerodet, sagt Holenweger. Im Moment fehlten die nötigen Ressourcen dazu. Das Ziel sei nach wie vor, ein Plätzchen zu gestalten, das öffentlich zugänglich sei, wo man sich ausruhen könne.

Verwaltungsratspräsident Sandro Burki schreibt auf der Marco-Polo-Website: «Wir halten stets Ausschau nach geeigneten Standorten, um unser Business-Apartments- und Gastronomie-Konzept auszubauen. Der Fokus liegt dabei auf zentralen Städten wie Baden, Aarau oder Lenzburg.» In Brugg hat Marco Polo im Moment keine Expansionspläne, besitzt auch keine anderen Liegenschaften und hat nicht die Absicht, weitere zu erwerben, ergänzt Holenweger.