Brugg
Der «Number One»-Wirt weigert sich, die Bar neben der alten Aarebrücke zu räumen

Die Genossenschaft Altstadt Brugg verschafft sich nun über das Bezirksgericht Zugang zu den Räumlichkeiten in der eigenen Liegenschaft. Ob sich der bisherige Mieter dagegen wehrt, ist unklar. Er verabschiedete sich über Facebook von seiner Stammkundschaft.

Claudia Meier
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Im Eckhaus hätte der Mieter die Bar, die Wohnung im ersten Obergeschoss und das Lager bis Ende März räumen sollen.

Im Eckhaus hätte der Mieter die Bar, die Wohnung im ersten Obergeschoss und das Lager bis Ende März räumen sollen.

Bild: Claudia Meier
(1. April 2021)

Was sich in Brugg seit Wochen abgezeichnet hat, ist nun eingetroffen: Die Verfügung des Bezirksgerichts Brugg vom 13. April wurde am Donnerstag im Amtsblatt des Kantons Aargau publiziert. Es geht um ein summarisches Verfahren betreffend Mietausweisung in der Liegenschaft an der Hauptstrasse 66.

Die Gesuchstellerin und Liegenschaftseigentümerin Genossenschaft Altstadt Brugg (GAB) wird laut Verfügung superprovisorisch berechtigt, «die Liegenschaft (umfassend Bar im Erdgeschoss, 4-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss, Lagerraum im ersten Untergeschoss) an der Hauptstrasse 66 in Brugg so schonend als möglich zu betreten, um allfällig drohende Schäden (Lebensmittel, Zapfanlage und dergleichen) abzuwenden sowie die Liegenschaft allfälligen Interessenten zeigen zu können». Erfolgt innerhalb der angesetzten Frist von zehn Tagen keine Eingabe der Gesuchsgegner, wird das Ver­fahren ohne sie weitergeführt.

Wirt schreibt von unvergesslichen Momenten in den letzten 15 Jahren

Die Mieterschaft hätte die «Number One»-Bar und die 4-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss per Ende März räumen sollen, was bisher nicht geschah. Denn die GAB beschloss im letzten September, den am 31. März 2021 auslaufenden Mietvertrag mit dem Barbetreiber für das Erdgeschoss nicht zu verlängern. Angestrebt werde ein Wechsel vom abendlichen Barbetrieb auf einen Tagesbetrieb, lautete damals die Begründung.

Während der Barbetreiber vor Ort und telefonisch offenbar nicht erreichbar ist, hat er sich am Samstagnachmittag, 10. April, über Facebook von seinen Stammkunden verabschiedet mit einem Foto und den Worten: «Liebe NumberOne Freunde, ich danke Euch vom Herzen, für die unvergessliche Momente in den letzten 15 Jahren.» Und weiter unten: «Schlechte Menschen überstehen alles, sie sind nicht kleinzukriegen.»

Innert kurzer Zeit haben fast 100 Leute diesen Facebook-Post gelikt und viele auch kommentiert. Dass in der Bar noch Mobiliar steht, der Zigarettenautomat und die Zapfhähne am Tresen leuchten, scheint niemand zu stören – ausser die GAB.