Brugg
Fehlende Sensibilität des Schulleiters? Geri Müllers Aussagen zum Nahostkonflikt stossen sauer auf

Die Brugger Einwohnerräte Miro Barp (SVP) und Peter Haudenschild (FDP) kritisieren Geri Müller, den Schulleiter des Schulhauses Bodenacker, für die Aussagen zum Nahostkonflikt. Die Sorgen seien unbegründet, sagt Müller.

Michael Hunziker
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«Wir behandeln alle Kinder gleich, unabhängig ihrer Religion, Ethnie oder anderen Merkmalen», betont Schulleiter Geri Müller.

«Wir behandeln alle Kinder gleich, unabhängig ihrer Religion, Ethnie oder anderen Merkmalen», betont Schulleiter Geri Müller.

Bild: efr/Archiv AZ

Lässt Geri Müller, Schulleiter im Brugger Schulhaus Bodenacker, das nötige Fingerspitzengefühl vermissen? Müssen sich Eltern und Kinder, die jüdische Wurzeln haben, Sorgen machen? Diese Fragen beschäftigen die Brugger Einwohnerräte Miro Barp (SVP) und Peter Haudenschild (FDP), die auch das damalige Co-Präsidium des Komitees «Schulleiterwahl überprüfen!» bildeten.

«Es befremdet, dass in dieser explosiven Lage ausgerechnet der Brugger Schulleiter Geri Müller Öl ins Feuer giesst», halten Barp und Haudenschild in einem Leserbrief fest. Und:

«Er verurteilt Israel als Kriegsverbrecher und lobt die Hamas als wichtige Vertragspartner der Schweiz.»

Was ist passiert? Der Nahostkonflikt ist eskaliert, fordert Tote und Verletzte bei Israelis wie Palästinensern. Die Schweiz hat zur Deeskalation aufgerufen. Alt Nationalrat Geri Müller (Grüne) hat bei einer Rede letzten Samstag in Zürich deutliche Worte gewählt und Israel der Kriegsverbrechen in Gaza bezichtigt.

Gegenüber dieser Zeitung sagte Müller diese Woche, die Schweiz müsse die Zusammenarbeit mit Israel im Rüstungsbereich sofort abbrechen. Als Präsident der «Gesellschaft Schweiz-Palästina» verurteile er zwar alle Angriffe auf Zivilpersonen, auch jene des militärischen Arms der Hamas. Der politische Flügel der Hamas aber habe nach seiner Wahl 2006 sehr gute Minister aufgestellt, fügte Müller an. Die Hamas sei für die Schweiz eine wichtige Verhandlungspartei mit Wirkung.

«Juden werden immer öfter zur Zielscheibe»

Dass der heutige Brugger Schulleiter Geri Müller Israel als Kriegsverbrecher verurteile und die Hamas als wichtige Vertragspartner der Schweiz lobe, stösst sauer auf bei Miro Barp und Peter Haudenschild. «An den Rändern propalästinensischer Demonstrationen werden Jüdinnen und Juden immer öfter zur Zielscheibe von Hassattacken», führen die beiden Einwohnerräte aus. «Etwas mehr Sensibilität wäre in seiner Position an­gebracht. Schülerinnen und Schüler mit jüdischen Wurzeln sollen sich auch an der Schule Brugg willkommen fühlen.»

Geri Müller ist Schulleiter im Schulhaus Bodenacker.

Geri Müller ist Schulleiter im Schulhaus Bodenacker.

Bild: Claudia Meier (3. Dezember 2019)

Ein Vater habe sich an sie gewandt, weil er seine Bedenken aus Rücksicht auf seine Kinder nicht direkt bei der Schule anzubringen wagte, ergänzen Barp und Haudenschild.

«Setzen uns für Menschen- und Völkerrechte ein»

Geri Müller betont auf Anfrage, dass sich der Vater keine Sorgen machen muss. «Frieden und Gerechtigkeit sowie die Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler, egal welcher Zugehörigkeit zu Religion, Ethnie und anderen Merkmalen, gehören zu den Grundprinzipien unserer Schule.»

Auf die Frage, warum er sich öffentlich zum Nahostkonflikt sowie zur Rolle der Schweiz geäussert hat, weist Geri Müller auf seine Funktion hin als Präsident der «Gesellschaft Schweiz-Palästina» seit 2018. «Wir sind eine offene Organisation, der auch Jüdinnen und Juden angehören», stellt er fest. «Wir setzen uns für die Menschen- und Völkerrechte ein. Damit stehen wir mit der Schweiz und der UNO in Einklang.» Seine Rolle als Schulleiter, sagt er, trenne er strikt von seiner Rolle als Präsident der «Gesellschaft Schweiz-Palästina».

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