Brugg
Gruseln macht richtig gute Laune: Filmfans kommen aus der ganzen Schweiz ans Brugggore

25 internationale Horrorfilme an vier Tagen: Das zweite Brugggore ist Geschichte. Die Organisatoren ziehen Fazit – und sagen, was in Zukunft vom Festival zu erwarten ist.

Michael Hunziker
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Über 1100 Tickets verkauft: Aus der ganzen Schweiz sind die Besucherinnen und Besucher angereist.

Über 1100 Tickets verkauft: Aus der ganzen Schweiz sind die Besucherinnen und Besucher angereist.

zvg/Mike Ehnichtmeyer

Eine geballte Ladung samt Premieren und Publikumspreis: Das zweite Brugger Horrorfilm-Festival Brugggore im Cinema Excelsior ist am Sonntag in der Früh zu Ende gegangen.

Die fünf Organisatorinnen und Organisatoren sind – verständlicherweise – erschöpft, aber durch und durch glücklich und zufrieden. Der Anlass sei auf der ganzen Linie ein schöner Erfolg gewesen, sagt Festivalleiter Michel Frutig. «Das klingt sicherlich nach einer Standardantwort», räumt er ein, «stimmt aber in diesem Fall wirklich.»

Schon am Mittwoch hätten sich viele Fans ins Kino begeben, die Stimmung sei von Anfang an ausgezeichnet gewesen. Besonders gefreut haben sich die Verantwortlichen darüber, dass sich das Publikum schnell durchmischt hat, die unterschiedlichsten Menschen angeregt miteinander über die Filme diskutierten.

Die Verantwortlichen ziehen ein durch und durch positives Fazit zum zweiten Brugggore.

Die Verantwortlichen ziehen ein durch und durch positives Fazit zum zweiten Brugggore.

zvg/Mike Ehnichtmeyer

Total gelöst wurden 1102 Einzeleintritte, am meisten waren es mit 423 am Samstag. Getrunken haben die Gäste rund 500 Flaschen des Brugggore-Festivalbiers. Erstaunlich war laut Frutig, dass – trotz wenig Werbebudget – die Besucherinnen und Besucher praktisch aus der ganzen Deutschschweiz kamen. Neben vielen aus der Region seien vor allem Gäste aus Bern, Zürich und Basel gut vertreten gewesen, aber auch solche aus der Ostschweiz, dem Bündnerland oder aus Luzern seien ihm begegnet. Den Altersdurchschnitt schätzt er auf knapp 40 Jahre. Kurz: Vom 18-jährigen Horrorfreak bis zum kinointeressierten älteren Paar sei alles dabei gewesen.

Der Award war einer der grossen Höhepunkte

Einer der grossen Höhepunkte war für Frutig die Verleihung des «Eye of the Beholder»-Award am Samstagabend. Fünf Filme waren von der Jury für die «Official Competition» ins Rennen geschickt worden, gewonnen hat die Trophäe und das Preisgeld von 5000 Franken schliesslich Regisseur Péter Bergendy mit seinem Film «Post Mortem». Das Publikum hat ihn mit 7,4 von 10 Punkten bewertet – «ein Wahnsinnsresultat», sagt Festivalleiter Frutig.

Trailer zum Film «Post Mortem».

Youtube

Eine besondere Überraschung, fügt er an, hätten ihnen die Schöpfer des Films «Dawn Breaks Behind The Eyes» beschert. Regisseur Kevin Kopacka sowie Produzentin und Autorin Lili Villanyi reisten auf eigene Kosten aus Berlin an und standen live für ein Gespräch zur Verfügung. «Das hat für echtes Filmfestivalflair gesorgt.»

Für viele Besucherinnen und Besucher, ergänzt Frutig, dürfte der taiwanesische Film «The Sadness» das Highlight gewesen sein:

«Wir konnten ihn als Deutschschweizer Premiere zeigen, nachdem er letztes Jahr exklusiv in Locarno zu sehen war.»

Im vergangenen Jahr konnte die Premiere des Horror Movie Festivals Brugggore aufgrund von Coronaeinschränkungen nur in stark reduzierter Form durchgeführt werden.

Es sei es eine Wohltat gewesen, diesmal ohne Maske im Kinosaal zu sitzen, sich während dem Film eine Pizza und ein Festivalbier gönnen zu dürfen, stellt der Festivalleiter fest. «Und natürlich hat das auch für einen viel intensiveren und freundschaftlicheren Austausch unter den Gästen gesorgt.» Es sei überwältigend gewesen, das Cinema Excelsior richtig voll zu sehen. Er hätte nicht gedacht, dass sich das junge Horrorfilm-Festival im zweiten Jahr bereits so weit herumgesprochen hat.

Brugg hat das Potenzial für eine Kinofestival-Stadt

In welchen Bereichen sehen die Organisatoren allenfalls Optimierungsbedarf? «Bei der Programmierung und der Preisverleihung besteht Raum nach oben», antwortet Frutig. 25 Filme in vier Tagen, teils nur mit kurzen Pausen dazwischen, seien einfach zu anstrengend. «Ich habe einige Stimmen gehört, die sich mehr Zeit zum Verweilen gewünscht hätten.»

Für die Zukunft wünscht er sich zudem, dass alle Regisseurinnen und Regisseure der «Official Competition» live vor Ort sein können. «Das sorgt für echtes Festivalfeeling und wird vom Publikum extrem geschätzt. Aber das setzt halt ein deutlich grösseres Budget voraus.»

Michel Frutig ist der Festivalleiter.

Michel Frutig ist der Festivalleiter.

mhu (10. Dezember 2021)

Apropos Zukunft: Erwarten darf man einiges, verspricht Frutig. Vom 26. bis 29. April 2023 wird die dritte Ausgabe des Brugggore stattfinden. «Bereits dann dürfen wir mit dem Kino Odeon einen zweiten Saal bespielen. Das wird für ein deutlich breiteres Programm sorgen.» Vor allem sollen im «Odeon» Kultklassiker von der Stummfilmzeit bis in die Siebzigerjahre gezeigt werden. «Mehr Abwechslung also und sicherlich auch Filme, die weit über das klassische Horrorgenre hinausgehen», fasst Frutig zusammen.

Persönlich erhofft er sich, das Festival noch bekannter, vielseitiger und grösser machen zu können:

«Es soll der Treffpunkt in der Deutschschweiz für Cineasten und Filmfans werden, die sich für besondere, beängstigende und fantastische Filme begeistern können.»

Brugg habe das Potenzial, zu einer Kinofestival-Stadt zu werden, ist Frutig überzeugt. «Zufrieden bin ich dann, wenn ich verteilt in der ganzen Stadt Menschen mit Festivalpässen um den Hals sehe!», hält er fest, ist sich gleichzeitig aber bewusst: «Dafür wird es sicher noch ein paar Jahre Durchhaltewillen brauchen.»

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