Wer die «Kiste» an der Schulthess-Allee während des Stadtfests besucht, darf Hunderte von farbenfrohen und verfärbten Fotografien bestaunen. Sie zeigen die Stadt Brugg aus der Sicht von Jugendlichen. Entstanden sind diese Bilder unter der Anleitung von Künstler Jonas Studer. Der 38-Jährige war ursprünglich vom Einwohnerrat Brugg angefragt worden, selbst ein Projekt in der «Kiste» auszustellen. Stattdessen schlug er vor, ein Kunstprojekt mit Schülerinnen und Schülern aus Brugg durchzuführen, das dann gezeigt wird.

Studer ist in Brugg aufgewachsen und fühlt sich hier sehr verwurzelt. Während des Herbstsemesters unterrichtet er an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch. Abgesehen davon führt Studer eine Art Nomadenleben, wie er selbst sagt. Sechs Jahre lang hat er in Basel gelebt, seine Partnerin stammt aus dem Berner Oberland. Dadurch bewege er sich an verschiedenen Orten. Vor kurzem ergab sich die Gelegenheit, sein Atelier nach Turgi zu zügeln: Das ist für ihn eine tolle Möglichkeit, wieder vermehrt im Aargau zu sein.

Der Künstler entwickelte also das Konzept für die Ausstellung in der «Kiste» und gewann zudem die Stäbli-Stiftung für die finanzielle Unterstützung der Workshops und der Ausstellung dazu. Vor den Sommerferien führte er mit den drei Oberstufenklassen Real 3b, Sek 3b und Bez 3l Workshops durch. Während dreier Nachmittage à ungefähr fünf Stunden arbeiteten die Jugendlichen am Kunstprojekt.

Die Stadt Brugg aus einer anderen Perspektive

Das Thema lautete «Experimentelle Analog-Fotografie», worunter man sich im ersten Augenblick nicht viel vorstellen kann. Die Idee ist aber einfach: Ausgerüstet mit einer Sofortbildkamera, machten sich die Schülerinnen und Schüler auf den Weg durch die Stadt. Die Aufgabe lautete, die eigene Sicht auf Brugg darzustellen. Sie fotografierten Orte, die sie interessieren, und versuchten, Stimmungen einzufangen. Das Experiment begann in jenem Moment, als der Auslöser gedrückt wurde. Dann nämlich wird das belichtete Bild herausgerollt und entwickelt sich innert fünf bis sieben Minuten. Genau in dieser Zeitspanne hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, mithilfe von Haushaltsflüssigkeiten sowie mechanisch in den Farbprozess einzugreifen. Dieser Eingriff wirkt wie ein Filter, der die Bilder entfremdet und die Farben verändert. So entstanden Hunderte von verfärbten Bildern, die zeigen, an welchen Orten sich die Jugendlichen aufhalten und wie sie die Stadt Brugg wahrnehmen. Der Schwarze Turm, die Hofstatt und die Altstadt, die Aare oder der Stadtpark kommen etwa als Sujets vor. «Ich bin sehr stolz darauf, was die Jugendlichen auf die Beine gestellt haben», sagt Studer, «es sind sehr tolle Bilder entstanden.»

Die Bilder sind in Endlosschleife zu sehen

Während des Stadtfests sind diese Fotografien in der «Kiste» an der Schulthess-Allee ausgestellt. Studer wählte einige der Bilder aus, die sich besonders für die Ausstellung in grösseren Leuchtkästen eignen. Alle anderen Arbeiten laufen in Endlosschleife über den Bildschirm von alten TV-Geräten. Die Festbesucherinnen und -besucher haben dadurch die Möglichkeit, die Arbeiten als eine Art Bilderflut auf sich wirken zu lassen.

Übermorgen Freitag um 19.15 Uhr findet die Vernissage im ersten Stock der «Kiste» statt. Studer hofft, dass viele der Schülerinnen und Schüler aus den drei Klassen anwesend sein werden. Noch nicht geklärt ist, was nach der Ausstellung mit den Fotografien in den Leuchtkästen geschieht. An den kleinen Sofortbildern dürfen sich die Schülerinnen und Schüler bedienen und so ihr Stück «Verfärbtes Brugg» nach Hause nehmen.