Brugg
Wie beim Legionskommandanten: Beim Vindonissa Museum entsteht eine Oase der Ruhe und der Sinnlichkeit

Beim Vindonissa Museum in Brugg ist eine Gartenanlage mit rund 40 Pflanzensorten sowie einem Säulengang geplant. In der neuen Audiotour wird es auch um den bekannten Jugendfest-Brauch des «Tüschle» gehen.

Michael Hunziker
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Der römische Garten nach antikem Vorbild wird realisiert auf der Museumswiese.

Der römische Garten nach antikem Vorbild wird realisiert auf der Museumswiese.

Bild: mhu (15. Februar 2021)

Eine Oase der Ruhe und der Sinnlichkeit wird geschaffen: Ein römischer Garten nach antikem Vorbild ist geplant beim Vindonissa Museum in Brugg. Mehrere Beete sowie Wasserbecken und Brunnen entstehen auf einer Fläche von rund 450 Quadratmetern, umrahmt von einem Säulengang. Rahel Göldi, Leiterin des Römerlager Vindonissa, erklärt:

«Ziel ist es, den Ziergarten im Haus des Legionskommandanten von Vindonissa nachzuempfinden. Dieser wohnte in einem riesigen Palast mit zwei grossen Innenhöfen.»

Die Anlage umfasst rund 40 Pflanzensorten, die für Vindonissa archäologisch bezeugt sind. Hierfür arbeitet das Römerlager mit der Archäobiologie – Archäobotanik und Archäozoologie – der Vindonissa-Professur der Universität Basel zusammen. Im Innern des Vindonissa Museum gezeigt werden zudem bisher noch nicht ausgestellte, 2000-jährige Pflanzenfunde. Es wird also eine Verbindung geschaffen zwischen lebenden Pflanzen im Aussen- sowie Originalfunden im Innenraum.

Im Unterschied zu einem Bauwerk aus festem Material, gibt Rahel Göldi zu bedenken, habe ein Garten mit Pflanzen keine oder kaum Spuren im Boden hinterlassen. Entsprechend handle es sich beim römischen Garten nicht um eine 1:1-Rekonstruktion, sondern um eine Nachempfindung. «Diesem Umstand gilt es, bei der Inszenierung und der Vermittlung gerecht zu werden.»

2000 Jahre Geschichte auf 1 Million Quadratmetern

Das Baugesuch für die Gartenanlage mit einem Säulengang auf der Museumswiese sowie einem Holzpavillon liegt bis 1. März auf. Realisiert wird das Projekt im Zusammenhang mit dem Jahresthema «Aufgeblüht – Natur und Gärten» des Museum Aargau. An allen Standorten werden Ausstellungen und Veranstaltungen konzipiert. Anders gesagt: Die Besucherinnen und Besucher erleben verschiedenartige Gartenanlagen aus 2000 Jahren Geschichte auf rund 1 Million Quadratmetern.

Rahel Göldi ist die Leiterin des Römerlager Vindonissa.

Rahel Göldi ist die Leiterin des Römerlager Vindonissa.

Bild: Sandra Ardizzone (18. März 2014)

Die Eröffnung des römischen Gartens ist am 29. April vorgesehen. Aktuell wird die Zuteilung der Pflanzen auf die verschiedenen Beete erarbeitet. Dieser Schritt erfolgt zusammen mit Sergio Cavigelli, Lehrperson Fachunterricht Gärtner, sowie seinen Lernenden am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg. Die eigentlichen Bau- und Pflanzarbeiten stehen im März und April an.

«Zudem arbeiten wir derzeit an einer neuen Audiotour, die unsere Gäste auf attraktive Weise durch Garten und Museum führt», erklärt Rahel Göldi. In dieser Audiotour, ergänzt sie, werde es auch um den in Brugg bekannten Jugendfest-Brauch des «Tüschle» gehen. Denn sowohl Eiche wie auch Granate seien in Vindonissa schon vor 2000 Jahren bekannt gewesen und entsprechend archäologisch belegt.

Naturliebhabende und Erholungssuchende sind angesprochen

Nebst der Audiotour für Erwachsene sind Vermittlungsangebote für Familien vorgesehen. Weiter werde der Garten Schauplatz für verschiedene Veranstaltungen sein, sagt Rahel Göldi. Bereits geplant seien zwei Weinabende in Zusammenarbeit mit den Vindonissa-Winzern. Rahel Göldi:

«Die Weinrebe als römische Kulturpflanze par excellence darf im Garten natürlich nicht fehlen.»

Jeder der Gärten im Museum Aargau hat seinen ganz eigenen Charakter, stellt Rahel Göldi abschliessend fest. Der römische Garten spreche Naturliebhabende und Erholungssuchende an und lade zum Verweilen ein. Zugänglich sein wird er jeweils von April bis Oktober. «Die Üppigkeit der Pflanzen, Wasserspiele und weiterer Zierelemente soll die Besucherinnen und Besucher in die Welt des höchsten Bewohners von Vindonissa, des Legionskommandanten, entführen.»

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