Mehr Geld?

Brugger Bibliothek hat die engsten Platzverhältnisse – und so steht sie im Vergleich da

Um Platz für Veranstaltungen zu schaffen, müssen in der Stadtbibliothek Brugg Büchergestelle verschoben werden.

Um Platz für Veranstaltungen zu schaffen, müssen in der Stadtbibliothek Brugg Büchergestelle verschoben werden.

Grosser Vergleich: Die Stadtbibliothek Brugg soll mehr Geld erhalten. Wir zeigen hier, wie viel Geld und Platz den Bibliotheken in anderen Aargauer Städten zur Verfügung stehen.

Dass bei der Brugger Stadtbibliothek dringender Handlungsbedarf besteht, ist ein altbekanntes Thema. Den Verein Stadtbibliothek Brugg als Betreiberin plagen einerseits Geldsorgen. Andererseits wirkt die bei der Bevölkerung beliebte Institution nicht mehr zeitgemäss und hat sich zumindest in baulicher Hinsicht in den letzten 30 Jahren kaum weiterentwickelt. Zudem stehen der Bibliothek im Zimmermannhaus der Stadt lediglich 150 Quadratmeter zur Verfügung. Diese Fläche ist zwar mietfrei, aber schon seit längerem ausgereizt.

Doch bis die Bildungsstadt Brugg über eine moderne Stadtbibliothek an einem zentraleren und grösseren Standort verfügen wird, braucht es weiterhin Zeit und Geduld. Als Übergangslösung zu verstehen ist in diesem Kontext der Antrag des Brugger Stadtrats an den Einwohnerrat, an der Sitzung nächsten Freitag, 25. Januar, den Beitrag an die Stadtbibliothek um 50'000 Franken, von aktuell 130'000 Franken auf 180'000 Franken, zu erhöhen. Zudem wurde entsprechend den Richtlinien für Gemeindebibliotheken für die neue Stadtbibliothek Brugg ein Platzbedarf von 600 Quadratmetern errechnet. Die Bibliothek am neuen Standort soll sich von einer reinen Ausleihstation zu einem Treffpunkt wandeln.

Lenzburg hat mehr Platz und Geld

Doch wie ergeht es den Bibliotheken anderer Aargauer Städte, wie viel Geld und Platz steht ihnen zur Verfügung? Die AZ hat in Baden, Lenzburg, Aarau, Zofingen und Rheinfelden nachgefragt:

In Rheinfelden, das zirka 2000 Einwohner mehr als Brugg (11'132 Einwohner) hat, ist die Stadtbibliothek ein Betrieb, also eine organisatorische Einheit der Stadt selbst. In der Rechnung 2017 betrug der Nettoaufwand (also der Aufwand nach Abzug der Einnahmen) 428'746 Franken. Der Stadtbibliothek steht im ehemaligen Restaurant Salmen an der Marktgasse, das die Stadt 2013 übernommen hat, eine öffentliche Grundfläche von 412 Quadratmetern zur Verfügung. Nicht eingerechnet sind die Flächen der Büros, der Rheinterrasse, des Bibliothekscafés oder der Archive.

Anders sieht es hingegen in Lenzburg aus. Dort wird die Stadtbibliothek von einem Verein nach schweizerischem Recht getragen, wie es auch in Brugg der Fall ist. Die Stadt Lenzburg zahlt in ihrem Fall einen jährlichen Beitrag von 165'000 Franken an die Stadtbibliothek. Die Liegenschaft, in der sich die Bibliothek befindet, gehört der Einwohnergemeinde Lenzburg. Die 590 Quadratmeter stellt die Stadt unentgeltlich zur Verfügung.

In Aarau wiederum ist die Stadtbibliothek eine Institution der Stadt. In der Rechnung 2017 wird für die Stadtbibliothek ein Nettoaufwand von rund 892'700 Franken ausgewiesen. In Aarau ist die Stadtbibliothek im geschichtsträchtigen Hübscher-Haus untergebracht. Bekannt ist das Haus, weil es im August 1968 um 54 Meter verschoben und auf halber Strecke um 36 Grad abgedreht wurde. Im Hübscher-Haus, das im Besitz der Stadt ist, stehen der Bibliothek auf vier Etagen 800 Quadratmeter Publikumsfläche zur Verfügung.

447 Quadratmeter in Zofingen

Auch in Zofingen ist die Stadtbibliothek in die Gemeinderechnung integriert. Die Nettokosten beliefen sich in der Rechnung 2017 auf 696'825 Franken. Die Liegenschaft, in der der Stadtbibliothek 447 Quadratmeter Publikumsfläche zur Verfügung stehen, ist im Besitz der Einwohnergemeinde, eine interne Miete wird nicht verrechnet, respektive ist in den genannten Kosten nicht enthalten.

Ebenso wird in Baden die Stadtbibliothek von der Stadt selbst geführt. Anders als bei einem Verein, sind bei diesem System die Mitarbeiter von der Stadt angestellt. Die Stadtbibliothek Baden ist somit eine städtische Institution. In der Rechnung 2017 sind Erträge von 182'076 Franken aufgeführt. Dieser Betrag setzt sich grossmehrheitlich aus den Beiträgen der Regionsgemeinden an das Angebot der Stadtbibliothek Baden zusammen. Demgegenüber betrug in der Rechnung 2017 die Finanzierung aus Steuermitteln 143 Mio. Franken. Die Publikumsfläche der Stadtbibliothek Baden, also ohne Service-, Backoffice- sowie Verkehrsflächen gerechnet, beträgt 800 Quadratmeter. Die Bibliothek befindet sich im Klösterli; die Liegenschaft steht im Besitz der Stadt Baden. In der Rechnung 2017 wurden Mietkosten von 250'268 Franken veranschlagt.

Diese Übersicht zeigt, dass der Stadtbibliothek Brugg klar am wenigsten Platz zur Verfügung steht. Der Vergleich der Finanzierung ist aufgrund der unterschiedlichen Systeme aber nicht lupenrein. Von den hier angesprochenen Stadtbibliotheken finanziert sich nur diejenige von Lenzburg gleich wie Brugg, nämlich über Beiträge der Stadt. Im Ist-Zustand schneidet die Stadtbibliothek Brugg aber auch hier am schlechtesten ab; Lenzburg, mit um die 10'200 Einwohnern, ist die Stadtbibliothek mehr wert. Immerhin hat die Stadt Brugg in ihren Leitsätzen 2019–2022 den Punkt «Entwicklungsziele der Stadtbibliothek umsetzen» als geplante Massnahme aufgenommen.

Autor

Larissa Hunziker

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