Strassentiere

Brugger Tierschutzstiftung besorgt: Streuner im Ausland hungern in der Krise

Dieser Hotelkater auf Malta lebt sonst von Essensresten, die ihm Touristen zukommen lassen.

Dieser Hotelkater auf Malta lebt sonst von Essensresten, die ihm Touristen zukommen lassen.

Das Leben vieler Strassenhunde und -Katzen im Ausland ist vom Tourismus abhängig. Eine Brugger Tierschutzstiftung will den Tieren helfen.

Brigitte Post, Präsidentin der Brugger Stiftung Tierbotschafter.ch, zeigt sich besorgt über die Auswirkungen der Coronakrise. Die Stiftung fördert weltweit Kastrations- und Impfprogramme. Projekte unter anderem in Spanien, Rumänien, der Türkei, Marokko, Thailand und auf Malta werden unterstützt. Die Pandemie habe grosse Auswirkungen auf die Arbeit der Tierschützer und die Tiere vor Ort, sagt Post. «Die Nahrungsgrundlage der Tiere ist weggebrochen.»

Das Leben vieler Streuner, Katzen und Hunden, ist direkt vom Tourismus abhängig. Sie sind auf Essensreste angewiesen. In der Krise bleiben Touristen aus, Restaurants und Hotels geschlossen. Auch Fabriken, deren Arbeiter die dort hausenden Hunde jeweils füttern, sind derzeit verwaist. Ausgangssperren verhindern zudem vielerorts, dass sich die Tierschützer um die Strassentiere kümmern können. Diese sind indes mit der Menge an neu zu versorgenden Tieren überfordert. Überhaupt an Futter zu kommen sei ein riesiges Problem. Schlachtabfälle gäbe es keine mehr und Tierfutter zu besorgen sei sehr schwierig und kostenintensiv. «Wir helfen dort, wo andere kämpfen», so das Motto der Stiftung. «Als kleine Stiftung können wir keine anderen Vereine oder Organisationen unterstützen.»

«Normalerweise sammeln wir keine Futterspenden»

Tierbotschafter.ch unterstützt vornehmlich Einzelkämpfer und Mikro-Organisationen mit nachhaltigen Tierschutzprojekten. «Normalerweise sammeln wir keine Futterspenden», sagt Post. «Aber in dieser besonderen Situation müssen wir helfen.» Tierbotschafter.ch bittet deshalb um Spenden, um die Partner in der aktuellen Krise auch bei der Organisation von Futtermitteln zu unterstützen.

Das Hauptanliegen der Stiftung, streunende Hunde und Katzen einzufangen, sie zu impfen und zu kastrieren, um sie danach als Platzhalter wieder freizulassen, kann derzeit vielerorts nicht ausgeführt werden, da Tierärzte nicht arbeiten dürfen oder ihre Preise massiv angehoben haben. Wo noch Kastrationen möglich sind, setzt man auf kreative Lösungen. So dürfen beispielsweise auf Malta Tierarztpraxen nicht mehr betreten werden. Die Tiere müssen durch das Fenster in die Praxis gereicht werden. In vielen anderen Ländern sind Kastrationen derzeit gar nicht möglich. Brigitte Post ist besorgt: «Wir befürchten eine Welpenschwemme.» Allerdings hofft sie, dass aufgrund des bereits langjährigen Engagements und konsequenter Kastrationsprogramme der Zuwachs bewältigbar sei.

Ein weiteres Problem für die Arbeit der Tierschützer sind die geschlossen Grenzen. Bei einem Kastrationsprojekt in der Karibik reisen jeweils Tierärzte aus Deutschland ein. Dies ist derzeit nicht möglich. Auch die Vermittlung von Tieren ins Ausland sei erschwert, sagt Post. «Ich hoffe, dass sich die Situation bald entspannt und wir uns wieder unserem Kernanliegen, den Kastrationen, widmen können.» (pbr)

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