Sie setzt sich ein für Gleichstellung, für Ökologie und Nachhaltigkeit. Sie fordert, dass diese Themen in allen politischen Bereichen mitgedacht, mitdiskutiert und in Lösungen eingebettet werden. Darum kandidiert die Grünen-Politikerin Connie Fauver, 48, aus dem Villiger Ortsteil Stilli diesen Herbst für den Nationalrat. Sie findet, dass es erstens mehr Frauen und zweitens mehr Grüne in der Politik braucht.

Um Ersteres zu erreichen, engagiert sie sich beim Projekt «Helvetia ruft» von Alliance F, dem grössten Schweizerischen Frauendachverband. Dies im Rahmen des Vereins frauenaargau, wo Fauver Co-Präsidentin ist. Das Projekt «Helvetia ruft» hat zum Ziel, dass es nach den Wahlen im Herbst mehr Frauen im National- und Ständerat gibt. In einem ersten Schritt müssen sich Frauen auf eine Liste setzen lassen. In einem zweiten Schritt sind die Wählerinnen und Wähler gefordert, diese Frauen auch zu wählen. So soll ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis erreicht werden, erklärt Connie Fauver. «Sogar eine Studie der Credit Suisse kam zum Schluss, dass gemischte Teams am effizientesten und besten arbeiten», führt sie aus.

Zur Forderung, dass es mehr Grüne im Nationalrat braucht, sagt Connie Fauver: «Der Klimawandel ist mittlerweile eine unbestrittene, wissenschaftlich belegte Tatsache, wir sind unter Zeitdruck, etwas zu ändern.» Man müsse sich dieser Thematik stellen und die Politik müsse die entsprechenden Rahmenbedingungen ausarbeiten. «Die Grünen befassen sich schon seit den Anfängen ihrer Bewegung mit diesem Thema und sind, wenn es um ökologische Themen geht, kompetent und glaubwürdig wie sonst keine Partei», findet Fauver.

Körnlipickende Grüne als Eltern

Politisiert wurde Connie Fauver schon in jungen Jahren. Aufgewachsen ist sie in einer politisch interessierten und debattierfreudigen Familie. «Der Opa war für die LdU im Einwohnerrat und Grossen Rat, die Eltern waren körnlipickende Grüne», sagt Connie Fauver. «Das führte zu vielen Diskussionen.» Bereits ihre Mutter habe damals eine Frauenquote gefordert. «Mit 18 Jahren fand ich, dass das gar nicht geht. Ich wollte doch keine Quotenfrau sein», so Fauver. Ihre Meinung hat sie inzwischen geändert. «Offenbar geht es nicht freiwillig, also müssen Quoten her, bis das Ziel von 50:50 erreicht ist.»

Politisch aktiv wurde Connie Fauver im Jahr 1993, als sie in Lausanne Sport, Anglistik und Spanisch studierte. An der Uni Zürich studierte sie später noch Publizistik- und Medienwissenschaften sowie Geschichte der Neuzeit. Von Lausanne aus verfolgte sie die Ereignisse rund um SP-Frau Christiane Brunner. «Ich war schockiert ob der Schlammschlacht, der sie ausgesetzt war und hatte kein Verständnis für ihre Nichtwahl», sagt Fauver. In der Folge trat sie den Grünen Waadt bei. Es folgten Auslandsaufenthalte im Rahmen von Reisen oder der Arbeit.

Zehn Jahre nach dem Drama um Brunner folgte die Abwahl von Bundesrätin Ruth Metzler (CVP). Wieder grosses Unverständnis bei Connie Fauver für die Ereignisse. In der Folge tritt sie den Grünen Aargau bei. Sie habe festgestellt, dass es in der Politik mehr darum gehe, wer mit wem vernetzt ist und nicht um die Fähigkeiten. «Frauen in der Politik sind nicht gleichberechtigt, sie werden auf Äusserlichkeiten reduziert oder verheizt», sagt Connie Fauver. «Darum musste ich aktiv werden, um einen Beitrag zu leisten, damit sich das ändert.» Als Nationalrätin würde sie sich denn auch für Nachhaltigkeit und Gleichstellung einsetzen.

Sie schiesst manchmal Eigentore

Auf die Frage, warum die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sie wählen sollen, sagt Connie Fauver: «Weil sie wissen, dass es mir immer nur um die Sache geht.» Sei es als Co-Präsidentin von frauenaargau oder als Erziehungsrätin: Partikularinteressen, weder fremde noch eigene, hätten für sie in der Politik keinen Platz. «Ich bin in der Sache klar und direkt, aber differenziert und diskutiere respektvoll», so die selbstständige Kommunikationsberaterin. Sie setze sich mit den Dossiers auseinander, denn sie wolle fundiert und nicht oberflächlich diskutieren.

Ein weiterer Grund: «Ich rede nicht nur, sondern mache auch», sagt die Grünen-Politikerin. «Das ist manchmal ein Eigentor», ergänzt sie und meint damit ein jüngeres Beispiel: Ihr war das schweizerische Manifest des Frauenstreiks vom 14. Juni einerseits zu chaotisch und andererseits politisch zu einseitig. «Da wurde ich prompt vom Komitee dazu aufgefordert, mit zwei Mitstreiterinnen ein Aargauer Manifest zu verfassen.» In der Folge haben auch der Aargauer Landfrauenverband und der Aargauische Katholische Frauenbund begonnen, sich für den Streik zu engagieren. Das kann Connie Fauver als persönlichen Erfolg verbuchen.

Bezüglich Wahlchancen sagt Fauver, dass diese für sie irrelevant seien. «Politik ist für mich ein Teamsport», sagt sie. «Am Ende schiesst unsere Stürmerin das Tor, aber das ganze Team hat dazu beigetragen», sagt Fauver. «Und wer weiss, vielleicht gibt es für den letzten Pass, den sogenannten Assist, genug Punkte, dass es für einen zweiten Sitz in Bern reicht.»

Connie Fauver ist verheiratet und hat zwei Töchter (21 und 16 Jahre alt). Mit ihrem Mann teilt sie sich die Erwerbs- und Familienarbeit. Aktuell ist sie Erziehungsrätin des Kantons Aargau. Zu ihren Hobbies zählt sie Kultur, Sport und lesen.