Coronakrise
Fast 1 Prozent stieg die regionale Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr – so reagiert das RAV Brugg

In diesem März suchten rund 4700 Aargauerinnen und Aargauer mehr eine Stelle als zeitgleich in 2020. Dies bringt verschiedene Herausforderung für die Vermittlungszentren, wie Isabelle Wyss, Leiterin der Arbeitsmarktlichen Integration (AMI), sagt.

Maja Reznicek
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Zehn Personen mehr arbeiten seit Beginn der Pandemie im RAV Brugg.

Zehn Personen mehr arbeiten seit Beginn der Pandemie im RAV Brugg.

Bild: Severin Bigler (Symbolbild)

1060 Personen sind aktuell im Bezirk Brugg arbeitslos gemeldet. Dies entspricht laut dem Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent (Stand: März 2021). Im letzten Jahr um die gleiche Zeit waren es noch 2,8 Prozent gewesen. Die erhöhte Anzahl an Stellensuchenden zu betreuen, sei nur mit speziellen Massnahmen möglich, erklärt die Sektionsleiterin Arbeitsmarktliche Integration (AMI) Isabelle Wyss.

Im Falle des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) Brugg bedeutete das eine Aufstockung des Teams. Im Sommer 2020 wurden gemäss Wyss vier Personalberatende als auch zwei Mitarbeitende in der Administration eingestellt. Auf das neue Jahr folgten vier weitere zusätzliche Personalberatende. Wyss sagt:

«Die Stellen wurden bereits im letzten Frühling sehr zeitnah bewilligt, sodass schon bald mit der Rekrutierung begonnen werden konnte.»

Diese sei wegen der vielfältigen Anforderungen an die potenziellen Kandidaten nämlich nicht ganz einfach.

Isabelle Wyss, Sektionsleiterin Arbeitsmarktliche Integration (AMI).

Isabelle Wyss, Sektionsleiterin Arbeitsmarktliche Integration (AMI).

Bild: Zvg

Für stellensuchende Person gibt es weniger Beratungstermine

Nebst den fachlichen Anforderungen müssen die RAV-Mitarbeitenden nämlich laut der AMI-Sektionsleiterin über ein hohes Mass an Sozialkompetenz in der Beratung verfügen. Wyss führt aus:

«Viele Klientinnen und Klienten sind sehr verunsichert in ihrer Situation und von Zukunftsängsten geplagt.»

Auf der anderen Seite gelte es, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen und auch allfälligen Missbrauch zu erkennen und zu verhindern.

Neben personellen Veränderungen passten die RAV im Kanton Aargau – und so auch das in Brugg – als Reaktion auf die gestiegenen Arbeitslosenzahlen ihre Arbeitsweise an. «Die Häufigkeit der Termine pro Stellensuchender sind weniger als vor der Pandemie, die Beratungskadenz musste gesenkt werden. Dabei versuchen wir aber trotzdem, diejenigen mit einem erhöhten Beratungsbedarf enger zu begleiten.» Dies werde sich wieder ändern, sobald alle neu eingestellten Mitarbeitenden ausgebildet und voll einsatzfähig seien.

Informationen zu persönlichen Krisensituationen können fehlen

Auch das RAV ist laut Isabelle Wyss verpflichtet, wo immer möglich, Homeoffice umzusetzen. Deshalb habe man die Prozesse im letzten Frühling in sehr kurzer Zeit den neuen Umständen anpassen und teils grundlegend verändern müssen. Aktuell finden etwa die Beratungsgespräche mit Stellensuchenden nur telefonisch statt.

Die Homeoffice-Pflicht verlangte beim RAV Brugg eine Anpassung der Prozesse.

Die Homeoffice-Pflicht verlangte beim RAV Brugg eine Anpassung der Prozesse.

Bild: Sandra Ardizzone (Symbolbild)

Dies bringe besondere Herausforderungen mit sich. Wyss sagt:

«Es fehlt uns zum Beispiel die Möglichkeit, ein Formular sinnvoll zu zeigen, etwas grafisch zu erklären oder darzustellen, gerade bei Personen, die nicht so gut Deutsch sprechen.»

Wichtig sei, dass keine Missverständnisse entstehen und beim Erstgespräch Rechte und Pflichten geklärt werden können. Stellensuchenden mit mangelhaften Deutschkenntnissen empfiehlt das RAV, eine Person als Übersetzungshilfe zuzuschalten. «Mit den heutigen Kommunikationsmitteln geht das sehr gut», fügt Wyss an.

Als zusätzliche Herausforderung sieht sie, dass bei einem telefonischen Erstkontakt weniger Persönliches in Erfahrung gebracht werden könne. «Die Menschen öffnen sich bei einem persönlichen Kontakt eher als am Telefon.» Diese Zusatzinformationen würden unter Umständen fehlen, um sich ein ganzheitliches Bild einer «persönlichen Krisensituation» machen zu können.

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