Unterwegs auf der Römerstrasse (5)
Dank den Römern: Bruggs Partnerstadt Rottweil ist die älteste Stadt Baden-Württembergs

Bruggs Partnerstadt Rottweil erhielt Ende des 2. Jahrhunderts das römische Stadtrecht und ist daher älteste Stadt von Baden-Württemberg. Ein neu angelegter Rundgang soll Einheimischen und Touristen nun die römische Geschichte der Stadt näher bringen.

Janine Müller
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Ausstellung im Dominikanermuseum
22 Bilder
Ausstellung im Dominikanermuseum
Ausstellung im Dominikanermuseum
Ausstellung im Dominikanermuseum
Ausstellung im Dominikanermuseum
Das bekannte Orpheus-Mosaik von oben.
Das Orpheus-Mosaik wurde in einer römischen Villa gefunden.
Das Orpheus-Mosaik wurde in einer römischen Villa gefunden.
Die Herkules-Statue
Dieser Ziegelstein ist mit dem Stempel der 11. Legion versehen.
Im Dominikanermuseum schwang sich die Redaktorin in römischer Rüstung aufs Pferd.
Ausstellung im Dominikanermuseum
Ausstellung im Dominikanermuseum
Ausstellung im Dominikanermuseum
Vom Militärbad ist noch eine Ruine übrig.
Die St. Pelagius Kirche ist Ausgangspunkt für den neuen Römer-Rundgang in Rottweil.
Unter der Kirche sieht man noch die Hypokaustanlage des ehemaligen Bads.
Das römische Rottweil
Eindrücke vom Römerpfad.
Eindrücke vom Römerpfad.
Eindrücke vom Römerpfad. So könnte es vor 2000 Jahren ausgesehen haben.
Im Ristorante Da Bruno kann man auf Voranmeldung Römisch essen.

Ausstellung im Dominikanermuseum

Janine Müller

Die Stadt Rottweil rühmt sich gerne als älteste Stadt im Bundesland Baden-Würtemberg. Dabei beruft sich die Stadt auf das römische Stadtrecht – Municipium Arae Flaviae wurde der Ort vor 2000 Jahren genannt. Verraten hat das den Archäologen ein unscheinbares hölzernes Schreibtäfelchen, das gefunden wurde. Darauf steht: «Römerstadt Rottweil, Municipium Arae Flaviae, 4. August 186 n. Chr.». Das römische Stadtrecht dürfte der Stadt nach Abzug der Truppen verleiht worden sein.

Das Dominikanermuseum widmet einen Teil seiner Ausstellung der römischen Geschichte Rottweils. Die Ausstellungsstücke lassen den Prunk der Stadt erahnen. Die Besucherin wird von der Darstellung eines Forums mit Säulen, das raumhoch auf einer Art Leinwand aufgedruckt ist, empfangen. Obwohl riesig, entspricht die Darstellung nicht der wahren Grösse. Mit einem iPod ist es möglich, die Ausstellung spielerisch zu erkunden.

Das Mosaik zeigt den Reichtum

Christiane Frank, Geschäftsführerin Römerstrasse Neckar-Alb-Aare, und Thomas Hassler, selbstständiger Stadtführer von SIDE-seeing Rottweiler Stadtführungen, geleiten die Journalistin zu den Schätzen der Ausstellung. Im Mittelpunkt steht das Orpheus-Mosaik. Es wurde 1834 bei einem Hofgut ausserhalb der heutigen Stadt als Fußboden eines 8 auf 8 Meter grossen Raums gefunden.

Das Mosaik datiert an das Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. und war Teil einer römischen Villa. «Obwohl Arae Flaviae eher eine kleine Landstadt war, zeigt dieses Mosaik den Reichtum, der bei wenigen Familien geherrscht hat», sagt Frank. Und Hassler ergänzt: «Es dürfte eine kleine Gruppe hochgebildeter, reicher Menschen gegeben haben in Rottweil.»

Ein besonderes Ausstellungsstück ist eine gut 1 Meter grosse Herkules-Skulptur, die 2014 aus dem antiken Garten einer römischen Villa, der Sol-Villa, geborgen wurde. Ein regnerischer, ungemütlicher Tag sei es gewesen. Kurz vor Arbeitsschluss sei man auf die ersten Teile der Statue gestossen, sagt Frank.

Eine Stadt mit Villen, Tempeln und einem Theater

Arae Flaviae (übersetzt: flavische Altäre) sei um 73/74 n. Chr. aufgrund militärischer Ereignisse gegründet worden, sagt Hassler. Ziel sei es gewesen, die Stadt Argentoratum (Strasbourg) mit einer Strasse an die Donau anzubinden. Zudem sei die Umgebung praktisch menschenleer und daher war von den wenigen Menschen vor Ort keine Gegenwehr zu erwarten gewesen. Und so kam es, dass sich in Arae flaviae die wichtigen Strassenverbindungen zwischen Süden und Norden sowie Westen und Osten kreuzten.

Auf dem Gebiet, das heute Rottweil-Altstadt heisst und sich östlich des Neckars in der Nähe der St. Pelagius Kirche befindet, wurden mehrere Kastelle gebaut. Darum herum entstand eine Zivilsiedlung, wo Angehörige der Legionäre, aber auch Händler und Handwerker lebten. Zwischen den Flüsschen Neckar und Prim entstand so eine römische Stadt mit Villen, einem Forum, Tempeln und einem Theater. Mitten hindurch verlief die Römerstrasse Neckar-Alb-Aare, die bis nach Vindonissa (Windisch) führte.

Heute ist das Gebiet mit schmucken Einfamilienhäusern überbaut. Unter der St. Pelagius Kirche befinden sich heute noch die Ruinen des römischen Bads. Hier wurde auch ein Wasserbecken (Labrum) gefunden. Es ist heute im Dominikanermuseum ausgestellt. Eine grosse Wiese ist Schutzzone. Hier darf weder gebaut noch archäologisch gegraben werden. Um dem Gebiet touristisch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wurde diese Woche der Römerpfad eröffnet.

Er führt die Besucherinnen von der einen historischen Stätte zur andere und vermittelt die Ausmasse und die Struktur von Arae Flaviae. Der Rundweg ist barrierefrei und ganzjährig zugänglich. Startpunkt ist bei der Kirche St. Pelagius. Besonders freut sich Christiane Frank, dass mit dem Ristorante Da Bruno gegenüber der Kirche eine Zusammenarbeit zustande kam. Hier kann ein römisches Menü gegessen werden, allerdings nur auf Vorbestellung.

Die Stadt Rottweil wanderte auf den Hügel

Noch vor dem Entstehen der römischen Stadt wurde westlich des Neckars ein Legionslager, in dem auch die Legio XI Claudia Pia Fidelis untergebracht wurde, erstellt. Die Legion wurde von Vindonissa an die Donau verlegt. Davon zeugt ein Tonziegel mit Legionsstempel, der gefunden wurde.

Vom Legionslager ist heute – wie an vielen anderen Orten – die Ruine des Militärbads noch sichtbar. Dieser Ortsteil wird heute Mittelstadt genannt. Der mittelalterliche Stadtkern, der heute das Ortsbild von Rottweil ausmacht, entstand später auf dem Hügel. «Das zeugt davon, dass der Verteidigungsdruck stieg», erklärt Hassler.

Park in Donaueschingen.
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Blick auf das Schloss in Donaueschingen.
Der Donautempel.
Stadtkirche St. Johann in Donaueschingen.
Die Donauquelle von oben.
Die Donauquelle von oben.
Die Donauquelle
Die AZ-Redaktorin bei der Donauquelle.
Die Römerstrasse führt gerade über Felder.
Immer wieder findet man Hinweise auf die Römerstrasse.
Fussballromantik auf dem Land.
Tierische Begegnungen am Strassenrand.
Tierische Begegnungen am Strassenrand.
Das Schwenninger Moos überzeugt landschaftlich.
Hier sind viele Wasservögel anzutreffen.
Das Schwenninger Moos überzeugt landschaftlich.
Hier sind viele Wasservögel anzutreffen.
Der Neckar entspringt im Schwenninger Moos.
Innenstadt von Schwenningen.
Kirche in Schwenningen.
Weiter geht es ausserhalb von Schwenningen auf der Römerstrasse.
Immer wieder findet man Hinweise auf die Römerstrasse.
Fachwerkhaus mit Heuschober.
Das Haus verfügt über ein Mühlenrad.
Fachwerkhaus
Schöne Häuser entlang der Wanderroute.
Schöner Wanderweg entlang des Flusses Eschach.
Der alte Bahnhof von Rottweil.
Eingang zur Stadt Rottweil. Im Hintergrund der Testturm von Thyssen Krupp.
AZ-Redaktorin Janine Müller am Ziel der Reise in Rottweil.
Bekannt ist Rottweil für diese buntbemalten Erker.
Häuserzeile in Rottweil.
Das Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil.
Rottweil.
Häuserzeile in Rottweil.
Das Schwarze Tor in Rottweil.
Dieses Metallplättchen ist im Schwarzen Tor eingelassen und bezeugt die Freundschaft mit Brugg.
Blick auf die Hauptgasse in Rottweil.
Blick auf die Hauptgasse in Rottweil.
Rottweil.
Die Predigerkirche in Rottweil

Park in Donaueschingen.

Janine Müller

Militärisch verlor Arae Flaviae zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Bedeutung, als die Grenze an den heute bekannten obergermanisch-rätischen Limes verschoben wurde. Die Zivilstadt blieb aber bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bestehen. Der Handel florierte, Arae Flaviae entwickelte sich zu einer blühenden Zivilstadt.

Donau- und Neckarquelle an einem Tag

Rottweil, seit über 100 Jahren Bruggs Partnerstadt, war die fünfte und letzte Station auf meiner Wanderung auf der Römerstrasse. Von Hüfingen ging es via Schwenningen in zwei Etappen in die älteste Stadt Baden-Württembergs. Es waren die landschaftlich reizvollsten Wandertage. Von der Donauquelle in Donaueschingen sind es wenige Kilometer bis zum Ursprung des Neckars im Schwenninger Moos, das unzählige Wasservögel anlockt. Schöne Waldwege laden dort zum Spazieren ein. Von Schwenningen nach Rottweil lässt es sich entlang des Neckars wandern. Rottweil wiederum lädt zum Flanieren in der schönen mittelalterlichen Stadt ein. Zum Übernachten gut gelegen ist die Jugendherberge, sie befindet sich unweit vom Dominikanermuseum, das jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist. Der Römerpfad ausserhalb der Stadt kann jederzeit besucht werden. Start ist bei der St. Pelagius Kirche. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde. Alle Infos zur gesamten Römerstrasse finden Sie hier.(jam)