Energieversorgung

Dank Italienern beginnt beim Kabelwerk Brugg eine neue Ära – der Rückblick auf eine wechselvolle Geschichte

Gottlieb Suhner gründete 1896 in Brugg eine Kabelfabrik mit 16 Mitarbeitern. Das Unternehmen hat die Infrastruktur ständig ausgebaut und sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber entwickelt. Nach der Übernahme durch die italienische Terna soll die Geschichte erfolgreich weitergeführt werden.

Die Brugg Kabel AG ist in neuen Händen. Der Energieversorger Terna aus Italien hat die Mehrheit der Gesellschaftsanteile übernommen. Kurz vor Weihnachten konnte der Vertrag unterzeichnet werden.

Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident der Gruppe Brugg, sprach von einem strategischen Wunschpartner. Dieser werde die Zukunft des Unternehmens langfristig und erfolgreich mitgestalten und sichern. Agostino Scornajenchi, Finanzchef von Terna, versicherte, dass die Identität, die Marke und die Kultur der Brugg Kabel AG unverändert bestehen bleiben. Die über 120-jährige Geschichte werde weitergeführt.

Gelegt wurde der Firmengrundstein von Gottlieb Suhner, dem Urgrossvater des heutigen Verwaltungsratspräsidenten. Er eröffnete 1896 in Brugg mit 16 Mitarbeitern eine Kabelfabrik. 1908 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Zwischen den Weltkriegen stieg der Bedarf an Kabeln

Im Buch «Brugg – Tradition – Vision», das zum 100-Jahr-Jubiläum erschien, ist die Geschichte dokumentiert mit Text und zahlreichen Bildern. Einige sind hier abgebildet. Das Unternehmen hat sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber in der Region entwickelt.

1910 konnte – als erstes Werk in der Schweiz – die Produktion von Bergbahnseilen aufgenommen werden. Während Kupfer und Blei im Ersten Weltkrieg Mangelware waren, begann ab 1919 eine Phase der raschen Entwicklung und Ausdehnung. «Insbesondere in der Hochspannungskabel-Technik wurden entscheidende Fortschritte erreicht», heisst es im Buch.

Der Ausbau des Schienennetzes der Schweizerischen Bundesbahnen habe grosse Mengen an Kabeln verlangt für die Nachrichtenübermittlung und Energieverteilung, die anstelle von Freileitungen verwendet wurden. Die PTT starteten 1921 mit dem Projekt eines neuen unterirdischen Telefonkabel-Fernnetzes.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatten die Verantwortlichen zwar wiederum mit der Rohstoffversorgung zu kämpfen. Weil die Nachfrage nach landeseigener Energieversorgung und den dafür benötigten Kabeln aber stark anstieg, konnte trotz Kriegswirren ein erfreulicher Bestellungseingang verzeichnet werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ständig vergrössert

In der Nachkriegszeit setzte gar eine sprunghafte Entwicklung ein, ist der Chronik zu entnehmen. Die Firmeninfrastruktur wurde ständig vergrössert. Es entstanden neue Maschinenhallen, eine neue Heizanlage mit Kesselhaus und Hochkamin sowie – 1956 – ein neues Verwaltungsgebäude: das erste Hochhaus in Brugg.

Erstellt wurden weiter ein Zentralmagazin, eine grosse Speditionshalle sowie ein Prüfstand. 1969 konnte das angrenzende Areal der Stahlbaufirma Wartmann übernommen und – unterirdisch – das grösste vollautomatische Kabellager Europas mit einem Fassungsvermögen von über 2800 Rollen realisiert werden.

Mit der Einweihung des Rechenzentrums stellten die Kabelwerke 1970 auf die elektronische Datenverarbeitung um. Otto H. Suhner übernahm 1981 die Verantwortung als Verwaltungsratspräsident.

Es bestehen keine Pläne, Arbeitsplätze abzubauen

Die Unternehmung geniesst am Markt und bei den Konkurrenten einen erstklassigen Ruf – nicht nur in der Schweiz, sagte Verwaltungsrat Markus Fiechter nach der Vertragsunterzeichnung mit der italienischen Terna.

Er bezeichnete die Partnerschaft als Glücksfall. Weil die Italiener grosse Mengen an Kabeln benötigen, habe dies zur Folge, dass der Standort gestärkt werde. Pläne seitens Terna, Arbeitsplätze in Brugg abzubauen, bestehen nicht, so Fiechter. Die bestehenden Gebäulichkeiten werden übernommen von der Brugg Immobilien AG.

Terna könne profitieren von einem Unternehmen, das in seiner langen Geschichte ausgezeichnete industrielle Fähigkeiten im Kabelsektor entwickelt habe, hielt Finanzchef Agostino Scornajenchi fest. Unterirdische Kabel, fügte er an, stellen keine Ausnahme mehr dar, sondern eine immer häufigere Art der elektrischen Verbindung.

Scornajenchi wies auf die Energiewende hin sowie die Beschleunigung der Investitionen in das Übertragungsnetz. Otto H. Suhner schloss mit den Worten: «Viva l’Italia, viva la Svizerra, viva Brugg Cables.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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