Birrhard
Das Birrharder Publikum liess sich von James Gruntz’ Sound weggtragen

James Gruntz eröffnete die 4. Konzertsaison von «Cubus live» mit einem berührenden Soloauftritt. Diese kann er mittlerweile sogar geniessen. Das ist auch besser so. Er wird als einer der vielversprechendsten Künstler der Gegenwart gehandelt.

Ursula Burgherr
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James Gruntz kommt mit leichtem, fliegenden Sound daher und lieferte einen berührenden Soloauftritt im «Cubus live» ab.

James Gruntz kommt mit leichtem, fliegenden Sound daher und lieferte einen berührenden Soloauftritt im «Cubus live» ab.

Ursula Burgherr

James Gruntz sitzt, eingemummelt in einen dicken, schwarzen Schal, an seinem E-Piano und macht Vokalübungen. Er hat Halsweh. «Aber das wird schon», meint er leise. Das Lampenfieber, das ihn früher gerade vor Solo-Auftritten in einem intimen Rahmen wie im «Cubus» besonders plagte, ist weniger geworden. Inzwischen geniesst er solche Auftritte sogar. Das ist auch besser so. Der zweifache Swiss-Music-Award-Gewinner wird als einer der vielversprechendsten Künstler der Gegenwart gehandelt. Seine Konzertagenda ist platschvoll. Im Februar bespielt er das Hallenstadion bei «Art on Ice».

Er züchtet im Garten Gemüse

Sympathisch, bescheiden und etwas zurückhaltend wirkt der zartgliedrige 28-Jährige, der in seinem Garten zu Hause in Olten Gemüse züchtet. Als er dann aber im «Cubus» zu singen beginnt, füllt er den Raum mit der Kraft seiner Musik. Nicht bombastisch kommt sein Sound daher, sondern leicht und fliegend. Sein Stil zwischen Pop, Funk, Soul und Jazz ist eingängig und doch nie platt. Auch die tanzbaren, mainstreamigen Nummern haben feine und subtile Nuancen. Mittels Effektgeräten wird aus der One-Man-Show eine ganze Band. Gruntz beweist vokale Virtuosität als Scat-Sänger und schraubt sich trotz seiner Angeschlagenheit mühelos in Falsett-Lagen hoch. Aus seinem aktuellen Album «Belvedere» gibt er unter anderem die groovige Singleauskoppelung «Heart Keeps Dancing» zum Besten oder das mystische «Dark Side of The Moon», das ihm irgendwann nach einem Konzert in Brugg beim Warten auf den Zug in den Sinn kam. «To the Sea» entstand, als er mit einem Kollegen per im Internet ersteigertem Töff zwei Monate durch Italien reiste. «Ich verarbeite keine persönlichen Erfahrungen in meinen Songs. Die Ideen fallen mir oft in Momenten der Entspannung oder der Langeweile ein. Wenn Gedanken ziellos kreisen können, entsteht plötzlich etwas Neues», erklärt der Künstler beim Interview vor dem Auftritt.

Gewisses Misstrauen gegenüber der Musikindustrie

Das erste seiner vier Alben nahm er 2005 noch zu Hause im Schlafzimmer auf. Mittlerweile geht es natürlich ins Aufnahmestudio. Aber James Gruntz produziert immer noch alles selber. Der Musikindustrie begegnet er mit einem gewissen Misstrauen und hält die Fäden gerne persönlich in der Hand. Das Publikum im «Cubus» Birrhard liess sich von den treibenden Dance-Tunes und den melancholischen Balladen von James Gruntz hinwegtragen. Lukas Anliker von der veranstaltenden Weinkeller Riegger AG ist überzeugt, dass aus dem gebürtigen Berner, der in Basel und Biel aufwuchs, ein internationaler Star wird. «Wir hatten Glück, ihn noch in einem so intimen Rahmen geniessen zu können», meinte er nach dem Konzert.

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