Villigen

Das Gault-Millau-Restaurant «Hirschen» spürt das Corona-Virus: «Die Leute haben Angst»

Nadja Schuler und Stephane Wirth haben den Landgasthof zum Hirschen in Villigen im Februar 2013 übernommen.

Nadja Schuler und Stephane Wirth haben den Landgasthof zum Hirschen in Villigen im Februar 2013 übernommen.

Das Gault-Millau-Restaurant Hirschen in Villigen leidet unter der Corona-Epidemie. Für sechs Mitarbeitende wird Kurzarbeit beantragt. Die Gastgeber Nadja Schuler und Stephane Wirth hoffen, dass die Gäste ihnen weiterhin die Treue halten.

Die Corona-Krise trifft die Gastronomie mit voller Wucht. Mit leeren Tischen und leeren Hotelbetten zu kämpfen haben auch die besten und be­kann­testen Adressen – wie der «Hirschen» in Villigen. Das Restaurant ist mit hervorragenden 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet und wird geführt von Nadja Schuler und Stephane Wirth.

Eine so dramatische Situation habe sie noch nie erlebt in den letzten sieben Jahren, stellt Nadja Schuler fest. Begonnen habe die Verschlechterung schleichend, vergangene Woche seien eine paar ruhige Tage zu verzeichnen gewesen, die sie mit einem Lachen weggesteckt habe. Der Betrieb laufe ja noch, einfach nicht ganz so gut wie sonst, habe sie gedacht.

Diese Woche habe sich die Lage dann aber rapide markant verschärft. «Die Leute haben Angst», sagt die 33-Jährige. «Es ist schlimm.» Im Restaurant hätten viele Gäste ihre Reservationen storniert, das Nachtessen mit der Familie wurde genauso abgesagt wie die Geburtstagsfeier oder der Vereinsanlass. Statt wie sonst 60 Personen an einem Abend, macht Nadja Schuler ein Beispiel, könnten nur noch knapp 20 begrüsst werden.

Besucher aus dem Ausland fehlen im Hotel

Im Hotel seien gewisse Zimmer zwar noch besetzt, fügt die Gastgeberin an. Aber: «Neue Buchungen treffen kaum ein.» Durch die Nähe zum Paul-Scherrer-Institut (PSI) beherbergt der «Hirschen» regelmässig Besucher aus dem Ausland. «Momentan kommt allerdings niemand mehr hierher.»

Nadja Schuler sah sich «in dieser Ausnahmesituation» gezwungen, im Restaurant die Speisekarte leicht anzupassen, das Angebot etwas zu minimieren – einerseits, um die Frische nach wie vor zu gewährleisten und andererseits, um weniger für den Müll zu produzieren.

Als weitere Massnahme werde sie für die sechs Mitarbeitenden – ausgenommen ist das Gast­geber-Paar selber – Kurzarbeit beantragen. Die entsprechenden Formulare habe sie am Freitag eingereicht, sagt sie. Denn die Entwicklung lasse sich nicht abschätzen, ein Ende sei nicht abzusehen, die Planung sei enorm schwierig.

Alle Richtlinien werden strikte eingehalten

Nadja Schuler hofft, dass sich die Situation in der Gastronomie nicht weiter verschlimmert. «Es geht uns allen gleich.» Ein Besuch im Restaurant sei nach wie vor bedenkenlos möglich, trotz «Corona-Panik», betont sie.

In der «Hirschen»-Küche, fährt die Gastgeberin fort, gelten höchste Anforderungen an Qualität und Hygiene, im ganzen Betrieb würden die Vorgaben von Bund und Kanton eingehalten. Zwischen den einzelnen Tischen in der Gaststube werde ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten, die Gäste könnten versetzt Platz nehmen, zudem wurden neben den Standorten in der Küche und auf dem WC zusätzliche Behälter mit Desinfektionsmittel platziert bei der Kasse und beim Buffet.

Kurz: «Wir arbeiten nach allen vorgeschriebenen Richtlinien und Schutzmassnahmen», fasst Nadja Schuler zusammen. «Es würde uns sehr freuen, wenn uns die Gäste weiterhin die Treue schenken.»

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