Brugg

Das Geschäft der Brugger Markthändler leidet – vor allem Nischenprodukte funktionieren

Andy Becker aus Brugg verkauft antike Bücher und kann auf Stammkunden zählen.

Andy Becker aus Brugg verkauft antike Bücher und kann auf Stammkunden zählen.

Eine Umfrage am Martinimarkt zeigt, dass der Onlinehandel den Markthändlern Sorge bereitet. Aber es gibt in Brugg auch Lichtblicke.

Der Martinimarkt gestern Dienstag in Brugg hat trotz nasskaltem Wetter den einen oder anderen Besucher zum Eisi und in die Altstadt gelockt. Aber so wie früher ist es halt doch nicht mehr. Jedenfalls, wenn man den langjährigen Markthändlern Glauben schenkt. Das Problem: Der Onlinehandel sorgt auch bei ihnen für Umsatzeinbussen. «Das Internet ist die grosse Konkurrenz», bringt es Hans Wyder, ehemaliger Sektionspräsident des Schweizerischen Marktverbands, auf den Punkt. Und: «Die Stammkunden kommen nach wie vor nach Brugg an den Markt, aber das jüngere Publikum fehlt», ergänzt Wyder.

Eines ist der Markt allerdings: ein Kulturgut, eine Tradition. «Es ist das zweitälteste Gewerbe», meint Wyder augenzwinkernd. Zudem sei die Durchmischung der Stände in Brugg gut und auch die Örtlichkeit – rund ums Eisi und in der Altstadt – stimme. Wetterkapriolen bekommen die Markthändler heute stärker zu spüren als noch früher, so Wyder. «Damals sind die Leute auch bei schlechtem Wetter in Scharen gekommen.»

Mehr Werbung im Internet

Wyder findet es auch gut, dass die Brugger Märkte jeweils unter der Woche stattfinden. «Es würde für die Umsatzzahlen nichts bringen, wenn man den Markt an einem Samstag durchführen würde», ist er überzeugt. Wichtig sei vor allem eines: Dass im Vorfeld kräftig Werbung dafür gemacht wird.

Dieser Meinung ist auch Carola Loertscher-Walz, Markthändlerin aus Wohlen. Sie verkauft selbst gemachte Plüschtiere. «Es wäre schön, wenn vermehrt auch im Internet und in den Sozialen Medien auf den Markt in Brugg hingewiesen würde», findet sie. Sie plädiert dafür, dass die Märkte nicht vergrössert werden. «Lieber eine gute Qualität als Quantität», sagt sie. Die Bedingung sei, dass die Spiesse für alle Händler gleich lang seien. Damit meint sie, dass alle angemeldet sein müssen und Steuern bezahlen. Sie fordert zudem, dass leere Standplätze nicht einfach mit südamerikanischen Händlern gefüllt werden.

Nischenprodukte funktionieren

Loertscher-Walz blickt nicht gerade hoffnungsvoll in die Zukunft. «Es wird generell schwierig, dass solche Märkte Zukunft haben», meint sie. Das digitale Zeitalter mache den Markthändlern zu schaffen. Sie hofft, dass alles daran gesetzt wird, dass die Märkte erhalten bleiben. «Jeder Markt, der eingeht, ist eine verlorene Arbeitsmöglichkeit», verdeutlicht Loertscher-Walz die Situation.

Zufrieden mit der Marktsituation zeigt sich der Brugger Andy Becker mit seinen antiken Bücher. Er profitiert von einer gewissen Stammkundschaft. «Ich kann mich nicht beklagen, das Geschäft am Brugger Markt läuft grundsätzlich gut.» In einer Ecke präsentiert er jeweils lokalspezifische Bücher – egal, an welchem Markt er gerade ist. Das kommt gut an bei der Kundschaft. Zufrieden ist Becker auch mit der Marktorganisation in Brugg. «Ort und Wochentag passen perfekt», findet er. «Es ist wichtig, dass diese Tradition beibehalten wird.» Aber auch er hat sich mit dem Internethandel ein zweites Standbein aufgebaut. «Mittlerweile verkaufe ich online mehr als am Markt.»

Ein Markthändler, der sich auf Edelweisshemden spezialisiert hat, kann sich ebenfalls nicht über Umsatzzahlen beklagen. «Wer ein Nischenprodukt anbietet, so wie wir das tun, der kann weiterhin gut überleben», sagt er und gibt gleichzeitig zu bedenken: «Vielerorts werden die Märkte kaputtgemacht, weil die Organisatoren das Gefühl haben, vergrössern zu müssen.»

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