Tägliche Kontrollen

Das sagt der Chef der Regionalpolizei zur Lage am Bahnhof Brugg

Andreas Lüscher ist Chef der Regionalpolizei Brugg.

Andreas Lüscher ist Chef der Regionalpolizei Brugg.

Jeden Abend tauchen sie auf, um Zigaretten zu rauchen und Bier zu trinken. Im Sommer bei grosser Hitze, im Winter bei bitterer Kälte: Menschen am rande der Gesellschaft.

«Meist fühlen sich Passanten verunsichert», sagt Andreas Lüscher, Chef der Regionalpolizei (Repol) Brugg. Laut ihm kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Beschwerden von Pendlern, die sich von den Randständigen am Bahnhof Brugg gestört fühlten.

Vom Verkaufspersonal in den Läden an der Bahnhofsstation gab es ebenfalls Meldungen, vor allem im Zusammenhang mit Ladendiebstählen. In den vergangenen Monaten verzeichnete die Regionalpolizei allerdings wenige Klagen. Grund dafür ist unter anderem die aktuelle Jahreszeit. Im Winter tummeln sich weniger Menschen um den Bahnhof, was ein kleineres Konfliktpotenzial birgt.

Kommunikation statt Konfrontation

Falls es doch zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt, ist oft der Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln ein zentraler Auslöser. Aber trotz immer wiederkehrenden Verhaftungen sagt Lüscher über die Situation am Bahnhof: «Ein Gewaltproblem haben wir sicher nicht.» Um Gesetzesverstösse zu verhindern, kontrolliert die Repol täglich zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten das Areal.

Anstatt lediglich auf Vergehen zu reagieren, versucht die Polizei, präventiv zu wirken. Nebst regelmässigen Kontrollen sucht die Polizei aktiv das Gespräch mit auffälligen Personen. Lüscher dazu: «Die Menschen denken jeweils, wir wissen nichts. Aber wir wissen genau, wer sich am Bahnhof aufhält.»

Gesellschaftliche Entwicklungen machen vor Bahnhof nicht Halt

Nach Aussage von Lüscher benötigen diese Menschen Hilfe. Deswegen bezweifelt er, dass eine Baracke für Randständige etwas nützte. Ein neuer Zufluchtsort würde das gesellschaftliche Problem örtlich verlagern, aber nicht lösen. Zudem seien es nicht nur Menschen am Rande der Gesellschaft, die am Bahnhof für Unruhe sorgen.

Durchreisende oder andere Bahnhofsbesucher kommen ebenfalls ab und an mit dem Gesetz in Konflikt. «Man kann nicht einfach den Randständigen die Schuld an allem in die Schuhe schieben», betont Lüscher.

Die SBB wollten zu den Randständigen am Bahnhof Brugg keine konkrete Auskunft geben. Der Mediensprecher meinte kurz und knapp: «Gesellschaftliche Entwicklungen machen nicht Halt vor Bahnhöfen und Zügen.»

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