Brugg

Den Römern verfallen: In die Rolle des Legionär schlüpfen und sich einen Traum erfüllen

Kilian Baumann steht als Legionär in Wachposition im Amphitheater Windisch.

Kilian Baumann steht als Legionär in Wachposition im Amphitheater Windisch.

Der 29-jährige Kilian Baumann aus Veltheim lebt in der Freizeit als römischer Legionär seinen Kindheitstraum aus.

Es ist 30 Grad heiss. Legionär Quintus Vespasianus Celer steht in Kettenpanzer und Eisenhelm selbstbewusst in Wachposition an der prallen Sonne. Der Schnelle, lautet die Übersetzung des Namens, den sich Kilian Baumann aus Veltheim als römischer Legionär gegeben hat.

Vor drei Jahren ist er der Römerzeit verfallen und Mitglied im Verein für römische Militärgeschichte Vex Leg XI CPF (Vexillum Legio XI Claudia Pia Fidelis) mit Sitz in Windisch geworden. Die Truppe von rund 30 Personen aus der ganzen Schweiz lebt die Römerzeit und verkörpert die 11. Legion des Römischen Kaiserreiches, die von 69 bis 101 n. Chr. im Legionslager Vindonissa stationiert war.

Die Geschichte der Römer kennen viele aus Comics und Filmen. «Oft werde ich auf Asterix und Obelix angesprochen», sagt Baumann. Zwar sei auch er ein Fan, merkt aber an, dass der Comic in einer Zeit rund 100 Jahre früher spielt. Generell seien Serien und Filme kein guter Ratgeber, wenn es um die Geschichte der Römer geht. So sei zum Beispiel «Gladiator» zwar ein genialer Film, habe aber mit der Realität jener Zeit wenig zu tun.

Mit «Julius Caesar» kam er auf den Geschmack

Von Kindesbeinen an ist der 29-jährige Baumann von Geschichte fasziniert. An der Kantonsschule nannten ihn seine Mitschüler «das wandelnde Geschichtslexikon.» Früher interessierte er sich für die Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, danach für die Schifffahrt des 17. Jahrhunderts. Bis er letztlich bei den Römern landete. 2007 schlüpfte er im Freilicht-Spektakel «Julius Caesar» im Amphitheater erstmalig in die Rolle eines römischen Legionärs.

«Ich bin ein absoluter Vereinsmensch», sagt Baumann. Neben der Tätigkeit als Legionär spielt er Fussball, turnt im Verein und spielte bis vor kurzem in der Guggenmusik. Mit Maskerade habe sein Römertum allerdings nichts zu tun. Baumann legt Wert darauf, dass er nicht «verkleidet», sondern «angezogen» ist, wenn er Panzer und Helm trägt.

Sein Umfeld reagiert unterschiedlich auf sein spezielles Hobby. «Einige Freunde sind sehr neugierig und stellen viele Fragen. Andere belächeln mich, aber niemand reagierte bis jetzt negativ darauf.» Seine Freundin steht hinter seiner zeitintensiven Freizeitbeschäftigung.

Erst nach zwei Jahren wird man zum Legionär

Im Verein herrscht eine strenge Rangordnung. Der Centurio hat das Sagen. Das Aufnahmeprozedere dauert rund zwei Jahre. Während dieser Zeit hat der angehende Legionär als Tiro (Anwärter) diverse Probelager zu absolvieren und an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, bevor an der Generalversammlung darüber entschieden wird, ob der Tiro aufgenommen wird. Gefordert wird ebenso, dass benötigte Ausrüstungsgenstände innerhalb dieser zwei Jahre zu beschaffen oder selbst herzustellen sind, um danach als Legionär komplett ausgerüstet zu sein. In einer feierlichen Zeremonie wird ihm dann sein «Cingulum» überreicht. Der Militärgürtel unterscheidet den Legionär von einem Zivilisten.

Der Verein legt bei der Ausrüstung grossen Wert auf Authentizität. Um das Wissen über das Leben der Römer weiterzugeben, hat der Verein ein Buchprojekt lanciert. Baumann spielt darin die Hauptfigur des römischen Legionärs Honestus. Auf Dauer in die Rolle eines Legionärs zu schlüpfen, kann sich Baumann trotz aller Passion nicht vorstellen: «Auf die Vorzüge des 21. Jahrhunderts möchte ich nicht verzichten, aber es ist schön, ab und zu in eine andere Welt einzutauchen.»

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