Brugg-Windisch
Der Campusbrand bei der FHNW hat ein juristisches Nachspiel

25 Millionen Franken kosten die Folgen des Feuers im Neubau des Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Gebäudeversicherung will nicht alles bezahlen. Jetzt müssen die Richter entscheiden.

Manuel Bühlmann
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Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.
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Das Gebäude stand kurz vor der Fertigstellung.
Die alarmierte Feuerwehr war rasch vor Ort.
Sie stiess im mehrstöckigen Verbindungstrakt zwischen den beiden Hauptgebäuden auf den Brandherd.
Etliche Scheiben gingen in der Gluthitze zu Bruch.
Personen wurden nicht verletzt. Ein Feuerwehrmann war aber wegen Erschöpfung zusammengebrochen.
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch.
Kopie von Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch (10. April 17)

Am 10. April 2013 brannte es im Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Regina Grob

Um 22.08 geht die Meldung ein: Im Neubau des Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist am 10. April 2013 ein Brand ausgebrochen. 178 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Der Schaden ist riesig: 25 Millionen Franken. Der grösste Brandschaden in der Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV.

Ursprünglich ging auch die Gebäudeversicherung davon aus, den Schaden selbst übernehmen zu müssen. Jetzt zeigt sich aber: Der Fall ist bis heute nicht abgeschlossen und beschäftigt nun die Justiz. Im Sommer kommt es vor dem Spezialverwaltungsgericht zur Verhandlung im Rechtsstreit zwischen der Gebäudeversicherung und dem Bauunternehmen HRS Real Estate.

Das Gericht muss beurteilen, ob die von der AGV vorgenommene Kürzung der Versicherungsleistung rechtens ist. «Wir haben bisher nicht den vollen Betrag bezahlt», bestätigt Peter Schiller. Zahlen will der AGV-Abteilungsleiter mit Verweis auf das laufende Verfahren keine nennen. Fest steht: Von den 25 Millionen Franken muss die Gebäudeversicherung nur einen Teil übernehmen. Zwei Drittel der Schadenssumme übernimmt der Interkantonale Rückversicherungsverband.

Neubau kostete 15 Millionen weniger als geplant

Trotz des grossen Brandschadens konnten die Studierenden den Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch im September 2013 beziehen. Nun zeigt sich: Die Kosten für den Neubau sind deutlich tiefer als ursprünglich gedacht. Der Kredit von 195,54 Millionen Franken (inklusive Teuerung) wurde um 15 Millionen unterschritten. Dies geht aus dem Jahresbericht der Finanzkontrolle 2016 hervor. Zurückzuführen sei die Unterschreitung hauptsächlich auf Vergabeerfolge. Auf Nachfrage erklärt Claudia Penta, Sprecherin des Finanzdepartements: «Die einzelnen Arbeitsgattungen konnten durch die HRS Real Estate AG als Investor günstiger beauftragt werden als im Kostenvoranschlag kalkuliert.» Zudem habe ein tieferer Zinsaufwand für den Baukredit dazu beigetragen. Die Einsparungen haben sich bereits in früheren Jahren im Kantonshaushalt sowie in der Rechnung der FHNW niedergeschlagen. Die Fachhochschule profitierte insofern, als sie dem Kanton durch den eingesparten Betrag tiefere Mietzinsen bezahlen musste.

Gekürzte Versicherungsleistung

«Wir müssen grundsätzlich immer prüfen, inwiefern die Eigentümer eine Mitverantwortung am Schaden tragen. Das sind wir den Versicherten schuldig, davon profitieren letztlich alle», sagt Peter Schiller. 2014 schrieb Jürg Walti, Leiter im Rechtsdienst der Gebäudeversicherung, in einer Beilage des Geschäftsberichts: «Nur wenn eine vernünftige Aussicht auf Erfolg besteht, prozessiert die AGV gegen den Verantwortlichen für einen Brand.» In rund 30 von 1000 Schuldfällen werde eine Klage eingereicht.

Aufgrund einer externen Rechtsabklärung entschloss sich die Gebäudeversicherung, im Fall des Campus-Brands die Versicherungsleistungen zu kürzen. Gegen diesen Entscheid wehrte sich die HRS Real Estate mit Beschwerde beim Spezialverwaltungsgericht. Das Bauunternehmen will angesichts des laufenden Verfahrens keine Stellung nehmen.

Ungeklärte Brandursache

Trotz zweier Gutachten wurde die Brandursache nie zweifelsfrei geklärt. Ausgeschlossen werden konnte lediglich eine technische Ursache. Wahrscheinlichstes Szenario: Selbstentzündung. Demnach haben ölgetränkte Lappen, die für Parkettarbeiten verwendet wurden, den Brand ausgelöst, indem sie sich selbst entzündeten. Im November 2013 sistierte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie Sprecherin Elisabeth Strebel auf Anfrage bestätigt. Eine Verletzung der Sorgfaltspflicht konnte trotz zahlreicher Einvernahmen niemandem nachgewiesen werden. Sollte es neue Erkenntnisse geben, kann die Untersuchung jederzeit wieder aufgenommen werden. Verjährt ist der Fall erst nach spätestens 15 Jahren; definitiv eingestellt wird das Verfahren somit 2028.

Für den Kanton Aargau hatte der Brand des Campus bislang keine finanziellen Folgen. Und dies dürfte nach Einschätzung des kantonalen Finanzdepartements auch so bleiben – unabhängig vom Ausgang des anstehenden Gerichtsverfahrens. Das Risiko, dass ein Teil des Schadens an den Kanton weiterverrechnet werde, erachte Immobilien Aargau als gering, sagt Claudia Penta, Sprecherin des Finanzdepartements. Der Grund: Die Liegenschaft war zum Zeitpunkt des Brandes im Eigentum der HRS Real Estate. «Vorbehältlich des Gerichtsentscheids ist das Finanzdepartement klar der Meinung, dass keine Kosten auf den Kanton zukommen.»