Bezirk Brugg

Der Frauen-Anteil bei den Feuerwehren variiert stark – doch sie sind auf dem Vormarsch

Die Feuerwehr Windisch-Habsburg-Hausen hat einen Frauenanteil von 24,2%.

Die Feuerwehr Windisch-Habsburg-Hausen hat einen Frauenanteil von 24,2%.

Im Bezirk Brugg leisten zwischen fünf und 25 Prozent der Frauen Feuerwehrdienst. Die Mannschaft im Eigenamt will sich nun für die Rekrutierung an Frauenvereine wenden.

Immer mehr Frauen treten den Feuerwehren bei: Seit 2007 hat sich der Frauenanteil schweizweit von 5% auf 9,9% fast verdoppelt, wie die aktuelle Feuerwehrstatistik der Feuerwehrkoordination Schweiz (FKS) zeigt. 2018 waren es insgesamt 8334 Frauen und 75645 Männer.

Der Aargau liegt mit einem weiblichen Personalbestand von 17,4% weit über dem Schweizer Durchschnitt. Nur der Kanton Schaffhausen wies 2018 einen höheren Prozentsatz auf. Per 25. November zählt der Aargau 11733 Angehörige der Feuerwehr (AdF).

Davon sind 2036 weiblich, so Christina Troglia, Generalsekretärin der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). «Der Bezirk Brugg liegt mit einem Frauenanteil von 13,6% leicht unter dem Kantonsschnitt.»

Ein Blick auf die Feuerwehrorganisationen im Bezirk zeigt, dass der Frauenanteil stark variiert: Er reicht von weniger als 5% zu fast 25%. Die Feuerwehr Windisch-Habsburg-Hausen ist Spitzenreiterin. Sie kommt mit 29 Frauen von 120 AdF auf 24,2%, fast einen Viertel.

Die Frauen sind auf alle Chargen verteilt, sechs von ihnen sind im Kader. «Bei uns sind seit 20 Jahren viele Frauen dabei», sagt Kommandant Stefan Hiltpold. Mit 120 Personen hat die Feuerwehr ihr Maximum erreicht und führt zurzeit eine Warteliste.

Bei der Feuerwehr Geissberg gehören vier Frauen zum Kader

In der Feuerwehr Geissberg sind 20 von 95 AdF weiblich, was mehr als einem Fünftel entspricht (21,1%). Die weiblichen Feuerwehrleute nehmen Funktionen in allen Bereichen wahr, die meisten sind in der Sanität eingeteilt. Vier Frauen gehören zum Kader. Kommandant Fabian Giger findet die Verteilung in der Feuerwehr Geissberg gut.

Er mache sich keine Gedanken darüber, ob mehr Männer oder Frauen in der Feuerwehr sein sollten. «Das Team muss funktionieren, egal ob es aus Frauen oder Männern besteht.» Wenn die Leistung nicht stimme, müsse das mit jeder Person besprochen werden. Auch in Mönthal sind die 8 weiblichen AdF auf verschiedene Abteilungen verteilt, eine Frau ist im Kader.

«Wir machen mit Frauen in der Feuerwehr nur positive Erfahrungen», betont Kommandant René Wyssmann. «Es gibt Männer, die nicht die gleiche Leistung erbringen wie Frauen. Für mich ist wichtig, dass der Job erfüllt werden kann, egal ob Frau oder Mann.» Mönthal hat mit einem Total von 44 Personen einen Frauenanteil von 18,2%.

Der Feuerwehr Oberes Fricktal gehören 14 Frauen an. «Nur im Atemschutz haben wir aktuell keine Frau», so Kommandant Marco Bürgi. Er hat den Eindruck, dass Frauen einen positiven Einfluss aufs Team haben. Die Männer würden sich teilweise sogar mehr ins Zeug legen.

Der Anteil liegt mit gesamthaft 90 Personen bei 15,6%. Einen Frauenanteil von 13,9% erreicht die Feuerwehr Schenkenbergertal mit 14 Frauen von 101 AdF. Sie sind als Maschinistinnen, im Atemschutz, in der Sanität sowie im Verkehr eingeteilt und nehmen teilweise Kaderfunktionen wahr. Auch hier sind die meisten Frauen in der Sanität engagiert, wie Kommandant Michael Maeder festhält.

«Auf einen Familienzuwachs folgt meist der Austritt»

Fast ebenso hoch wie im Schenkenbergertal ist der Anteil in der Feuerwehr Brugg. 18 Frauen von 132 AdF gehören der Feuerwehr an (13,7%). In Brugg zählen Frauen seit über 25 Jahren zum Personalbestand, sagt Philipp Strähl von der Feuerwehr.

Zurzeit sei zwar keine als Maschinistin eingeteilt, ansonsten befänden sich Frauen in ziemlich allen Abteilungen, auch im Kader. Bei der Rekrutierung 2019 konnten wiederum fünf Frauen gewonnen werden. Strähl hält die Aufnahme von Frauen für eine Bereicherung. «Allerdings machen wir leider die Erfahrung, dass auf einen Familienzuwachs meist der Austritt folgt.»

Der Kommandant der Feuerwehr Eigenamt Christoph Hirt betont, dass die Frauen einen super Job leisten und dass sie froh um alle Feuerwehrleute sind. Die Feuerwehr verzeichnet bei 88 Personen 9 Frauen, 10,2% also. «Vor 20 Jahren war es vielleicht teilweise verpönt, dass Frauen der Feuerwehr beitreten. Bei uns sind diese Zeiten lange vorbei», sagt er, «wir fördern Frauen.»

Es ist geplant, zukünftig eine Frau als Atemschutz-Chefin einzusetzen. Hirt hält fest, dass sich die ganze Rekrutierung zunehmend schwieriger gestalte. «Es gibt Überlegungen, bei Vereinen vorstellig zu werden, und da kann ich mir gut vorstellen, dass wir gerade bei Frauenvereinen gute Chancen haben, neue Mitglieder zu finden.»Mandach kommt auf 9,5% mit 5 Frauen von 53 Personen.

Es gelten für Frauen und Männer die gleichen Regeln, betont Administrator Marcel Langensand. Bedenken zur körperlichen Leistungsfähigkeit stellt er nicht fest. Allerdings würden Schichtarbeitszeiten manchmal zu Zweifeln führen, ob die Teilnahme in der Feuerwehr überhaupt möglich sei. «Denn viele Frauen, die sich für die Feuerwehr interessieren, arbeiten im Gesundheitswesen», sagt Langensand.

Es falle ihm zudem auf, dass sich Frauen zum Beispiel am Rekrutierungsanlass weniger wohl fühlen.
Die Feuerwehr Villnachern zählt ein Total von 55 AdF, davon sind 4 Frauen (7,3%). «Im Atemschutz können sie vielleicht nicht so schwer heben wie ihre Kollegen», sagt Kommandant Martin Spillmann.

«Aber das kann auch bei jungen Männern der Fall sein. Wenn gut vorausgeplant wird, ist das kein Problem.» Alle Personen würden ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt. Aktuell ist eine Frau im Atemschutz, drei sind in der Sanität. Eine der Frauen hat eine Kaderfunktion inne.

Am wenigsten Frauen sind in der Feuerwehr Thalheim und Bözberg

Thalheim erreicht mit 2 Frauen von insgesamt 48 AdF einen Anteil von 4,2%. Laut Kommandant Christoph Meier fokussiert man sich beim Feuerwehraufgebot auf Männer, Bedenken zur Leistungsfähigkeit von Frauen bestünden allerdings keine. Der Grund liege eher bei der geringen Grösse der Feuerwehr und bei der Finanzkraft der Gemeinde.

Den kleinsten weiblichen Feuerwehrbestand von 3,6% weist zurzeit die Feuerwehr Bözberg auf mit 2 Frauen von 55 AdF. Die beiden Frauen üben Kaderfunktionen in der Sanität aus. «Nächstes Jahr werden drei weibliche Personen dazukommen», sagt Kommandant Hanspeter Senn. «Die Verfügbarkeit spielt natürlich eine wichtige Rolle. Wir haben aber in den letzten 20 Jahren gute Erfahrungen gemacht.»

Frauen konnten vor 1997 freiwillig zur Feuerwehr. «Seit 1997 ist im Feuerwehrgesetz festgehalten, dass sowohl Männer wie auch Frauen im Alter von 20-44 Jahren feuerwehrpflichtig sind», sagt Troglia vom AGV. Während die Personalbestände im Schweizer Feuerwehrwesen tendenziell sinken, steigt der Anteil Frauen kontinuierlich an.

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