Brugg

Der Kanton zahlt Geri Müller die Schulleiter-Ausbildung – Schulpflege spricht von Stimmungsmache

Am 1. August tritt Geri Müller seine neue Stelle in Brugg an. (Archivbild, 10.12.2015)

Am 1. August tritt Geri Müller seine neue Stelle in Brugg an. (Archivbild, 10.12.2015)

Trotz Gegenwind: Die Schulpflege Brugg steht weiterhin hinter der Anstellung von Geri Müller, der seine Stelle als Schulleiter Bodenacker am 1. August antreten wird.

Für das Komitee «Schulleiterwahl überprüfen!» steht fest: Geri Müller soll als Schulleiter des Primarschulhauses Bodenacker in Brugg zurücktreten, weil es ihm an Erfahrung und Vorbildfunktion mangle. Seit Ende Juni sind für eine entsprechende Petition insgesamt über 650 Unterschriften gesammelt worden.

In ihrer jüngsten Stellungnahme spricht die Schulpflege Brugg von Stimmungsmache gegen die Anstellung von Geri ­Müller. Das Co-Präsidium des Gegner-Komitees haben die Brugger Einwohnerräte Miro Barp (SVP) und Peter Haudenschild (FDP) inne. Weitere Mitglieder sind der frühere Einwohnerratspräsident Stefan Baumann und Einwohnerrat Thomas Salm (beide SVP).

Geri Müller wird seine Stelle als Schulleiter Bodenacker am 1. August antreten. Der ehemalige Grüne-Nationalrat und nicht wiedergewählte Badener Stadtammann arbeitet, wie seine Vorgängerin, in einem 43%-Pensum. Gemäss der kantonalen Lohntabelle für Lehrpersonal dürfte er damit rund 60'000 Franken brutto pro Jahr verdienen. Eine Bedingung für die Anstellung im Brugger Westquartier war, dass der 59-Jährige die Schulleiterausbildung absolviert.

Diese dauert zweieinhalb Jahre und beinhaltet 27 Präsenztage. Gemäss Schulpflegepräsident Martin Gobeli (FDP) findet ein Teil von Müllers Ausbildung während, ein anderer Teil ausserhalb der Arbeitszeit statt. Die Kosten von 11'400 Franken für den Studiengang an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) werden im Aargau zu 100 Prozent vom Kanton getragen.

Anstellung in Führungsfunktion ist Voraussetzung für Studiengang

Die Schulleiter-Ausbildung an der FHNW beginnt einmal pro Jahr. Der Kurs startet jeweils im November, anmelden kann man sich ein Jahr vorher ab Oktober. «Als die Wahl auf Geri Müller fiel, war der Kurs mit Start November 2020 bereits ausgebucht», sagt Martin Gobeli. Müller habe sich aber in die Warteliste eintragen lassen und letzte Woche die Zusage für den Kursstart im November 2020 erhalten. «Es war von Anfang an klar, dass Bewerber ohne Schulleiterausbildung diese erst nach Stellenantritt absolvieren können, weil eine Bedingung für die Zulassung zur Ausbildung an der FHNW ist, dass eine Anstellung in einer Führungsfunktion an einer Schule vorhanden sein muss», sagt der Schulpflegepräsident.

Mit anderen Worten: Geri Müller wird seine Schulleiterausbildung im Alter von 62½ Jahren abschliessen. Lohnt sich dieser Studiengang, wenn er voraussichtlich höchstens bis 65 arbeiten wird? Dazu sagt Martin Gobeli: «Eine berufsbegleitende Ausbildung generiert bereits während der Ausbildungsphase einen Mehrwert, sowohl für den Arbeitnehmer wie auch für den Arbeitgeber. Und eine Ausbildung lohnt sich immer, egal wie alt man ist.» Übrigens konnte keiner der Bewerber und keine Bewerberin für die Schulleiterstelle ­Bodenacker eine absolvierte oder laufende Schulleiterausbildung vorweisen.

Er hat Schulpflege, Schulleitungen und Lehrpersonen überzeugt

Die Schulpflege Brugg betont, dass sie für die Chancengerechtigkeit aller Schülerinnen und Schüler einsteht. Für diese Umsetzung brauche es kompetente Lehrpersonen. Diese wiederum bräuchten kompetente Schulleitungen. «Durch unsere Funktion als Schulpflegende kommen wir fast täglich direkt in Kontakt mit den Bedürfnissen und Herausforderungen der Schule Brugg», schreibt die Behörde. «Dadurch wissen wir, was für eine grossartige Arbeit die Menschen, die im Schulbetrieb arbeiten, leisten und sehen auch sehr gut, welch fachliche und menschliche Qualifikationen gefragt sind, um eine Schule leiten zu können.»

Geri Müller sei hoch motiviert für diese herausfordernde Aufgabe. «Er hat die Schulpflege, Vertreter der Schulleitungskonferenz sowie ein Gremium von Lehrpersonen des Bodenackers von seinen Kompetenzen und Erfahrungen überzeugt.» Die Schulpflege ist überzeugt, dass Geri Müller seinen Job zur besten Zufriedenheit der Kinder, Lehrpersonen und Eltern machen wird.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1