Bauer Unser
Der Oberflachser Bächlihof ist ein Wellness-Resort für Kühe

Der Bächlihof setzt weiterhin auf die Milchwirtschaft, hat sich aber auch andere Standbeine aufgebaut

Daniel Vizentini
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Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
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Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
Der Bächlihof in Oberflachs
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine; Brigitte und Stefan Käser beim Bächlihof in Oberflachs
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine; Brigitte und Stefan Käser beim Bächlihof in Oberflachs
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine; Herrlich ist die Aussicht auf die Rebberge
Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine

Bächlihof in Oberflachs Serie Bauer unser; Der Bächlihof in Oberflachs hat die Milchwirtschaft weiter betrieben, setzt aber auch auf andere Standbeine

Daniel Vizentini

In dieser Serie «Bauer Unser» wurden bisher zwei Betriebe vorgestellt, welche die Milchwirtschaft aufgegeben haben. Auf dem Bächlihof in Oberflachs hingegen haben die Betreiber die Flucht nach vorne gewagt: Sie haben investiert, den Betrieb vergrössert und mit der Tierzucht und dem Weinbau weitere Standbeine aufgebaut.

Als Stefan Käser mit seiner Ehefrau Brigitte den Betrieb vor 17 Jahren von seinen Eltern übernommen hatte, gab es dort nur einen Drittel der Tiere wie heute. 65 Kälber und 65 Kühe der Rasse Holstein leben derzeit auf ihrem Hof. 500'000 Kilogramm Milch produzieren sie im Jahr, 2002 waren es noch 150'000 gewesen. «Wir haben die Entwicklung mitgemacht und sind effizienter geworden», sagt Stefan Käser. Irgendwann sähe er aber auch eine Grenze. 10'000 Kilogramm Milch im Jahr produzieren seine Kühe derzeit im Schnitt. «Irgendwann können sie nicht noch mehr fressen und noch mehr Milch geben.»

Damit die Kühe so viel Milch hergeben, müssen sie sich wohlfühlen. Bei einem Rundgang zeigt Stefan Käser den Boxenlaufstall mit der grossen, runden Bürste, an der sich die Kühe kratzen können, sowie die eingestreuten Liegeplätze draussen. «Das ist quasi ihr Wellness-Bereich», sagt er. Die Kühe können sich innerhalb der Zone stets frei bewegen. Als wir vorbeikommen, ist gerade Fütterungszeit. Den «Müsli-Mix» von Gras, Mais und Getreide stellen sie im Betrieb selber zusammen. «Alles wächst in der Nähe, das Mittelland ist dafür ideal.» Nicht alle Kühe erhalten die gleiche Nahrung. Hie und da werde noch etwas importierte, ausgepresste Soja dazugegeben, gemäss Stefan Käser höchstens zwei Prozent des Futters.

Der Bauer muss die Tiere kennen

Jede seiner Kühe erkennt Stefan Käser an den Flecken und sogar beim Namen: Leila, Fantasia, Rakete, Linda, Wilma oder Francesca heissen sie etwa. Im Stall aufgehängt ist die Liste mit deren Namen sowie Geburtsdatum und dem Namen der Eltern. «Wenn man wirklich Milch produzieren will, muss man seine Tiere gut kennen und versuchen, sie zu verstehen», sagt er. «Sonst bekommt man Probleme.» Ein gesundes Tier produziert mehr und bessere Milch. Deshalb achtet er, dass sie auch gesund bleiben und er möglichst wenig Medikamente einsetzen muss. Seit er einen Kurs in homöopathischer Tierbehandlung absolviert hatte vor zehn Jahren, macht er jeden Abend vor dem Einschlafen einen Stallrundgang. Auffällige Verhaltensweisen sähe man da rasch. «Am wichtigsten ist es, das Tier gut zu beobachten. Wenn man Probleme früh erkennt und eingreift, ist Homöopathie erfolgreich.»

Die Gesundheit der Tiere zu verbessern, sei für die Zucht zentral gewesen. Darin habe er auch eine Leidenschaft entdeckt. Jedes Jahr könne die Familie 15 bis 20 Tiere an andere Landwirte verkaufen – widerstandsfähige Kühe für eine wirtschaftliche Milchproduktion. «Heute gibt es in der Schweiz einen Markt für solche gesunde, leistungsfähige Tiere.» Für die Wertschöpfung des Betriebs ist dies nicht unerheblich.

Bei einem Milchpreis von aktuell knapp 59 Rappen pro Liter sind mehrere Standbeine nötig. «Wir haben das Risiko aufgenommen und viel Geld in den Betrieb investiert.» Der Milchpreis sei nun stabil, ist Stefan Käser überzeugt. Man sollte aber darüber nachdenken, für qualitativ hochwertige Milch mehr Geld zu verlangen. «Wir verkaufen uns zu schlecht», sagt er. Die besonders freundliche Tierhaltung, der Gewässerschutz und allgemein die strengeren Gesetze hierzulande sollten sich in höhere Preise umschlagen. «Schweizer Milch hat, wenn man die Keime und Zellen betrachtet, eine um 50 Prozent bessere Qualität als Milch aus dem Ausland. Darin sehen wir eine Chance.»

Zu Hause kann die Familie täglich auf diese gute, frische Milch zählen. Das sei auch das Schöne am Bauernleben. Wenn mal ein Tier geschlachtet werden muss, dann gibt es frisches Fleisch. Fürs Gemüse pflegen die Käsers hinter dem Haus einen Garten. Und dann ist da noch diese tolle Aussicht vom Hof auf das Schenkenbergertal.

Wirtschaftlich wichtig für Region

1976 zügelten die Eltern den Betrieb vom Dorfkern in den Bächlihof, 2000 übernahmen Stefan und Brigitte den Hof. Damals begannen sie auch mit der Weindirektvermarktung. Der Verkauf mit Degustation findet jeden Freitag und Samstag auf dem Hof statt. Am 25./26. November veranstalten sie zudem ein Winterzauber-Wochenende. «Wir wollen Konsumenten ansprechen, die sich fürs Regionale interessieren», sagt Stefan Käser. Die Wertschöpfung in der Region zu behalten, sei ihm wichtig. «Man sollte die wirtschaftliche Bedeutung eines Landwirtschaftsbetriebs für die Region und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht unterschätzen.» Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft seien zwar nicht einfach. «Doch aus jeder Krise kommt die Branche wieder gestärkt hervor», sagt er. Dank dem Zusammenhalt in der Familie kämen sie gut über die Runden.

Sorgen bereiten ihm derzeit nur die kürzlich gemachten Aussagen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann bezüglich Senkung der Grenzschutzzölle. «Wenn dies eintritt, wird es kaum mehr möglich sein, in der Schweiz Nahrungsmittel zu produzieren».

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