Soziale Medien

Deshalb hat er den virtuellen Brugger Stammtisch initiiert

Daniel Itten erzählt am Holztisch, warum er vor über fünf Jahren die Gruppe «Du bisch vo Brugg, wenn...» ins Leben gerufen hat.

Daniel Itten erzählt am Holztisch, warum er vor über fünf Jahren die Gruppe «Du bisch vo Brugg, wenn...» ins Leben gerufen hat.

Administrator Daniel Itten will, dass in der Facebook-Gruppe «Du bisch von Brugg, wenn...» alle ihre Meinung frei äussern können.

Die geschlossene Facebook-Gruppe «Du bisch vo Brugg, wenn . . .», die aktuell 3203 Mitglieder zählt, hat in den letzten Tagen im ganzen Kanton für Schlagzeilen gesorgt. Grund dafür ist, dass SVP-Einwohnerratspräsident Stefan Baumann gegen zwei Mitglieder Strafanzeige eingereicht hat, weil sie seinen Facebook-Eintrag über offene Läden an Ostern kritisiert hatten 

Administriert wird die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Brugg, wenn . . .» von Daniel Itten. Der gebürtige Frauenfelder lebt mit seiner Familie seit 34 Jahren im Brugger Stadtteil Lauffohr. Als Heimweh-Ostschweizer trat er im Februar 2014 der neu gegründeten Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld, wenn . . .» bei.

Die Gruppe hat mittlerweile 8237 Mitglieder. Sie dient unter anderem ehemaligen und aktuellen Frauenfeldern dazu, Erinnerungen über Frauenfeld zu teilen und aufleben zu lassen. Weil das Daniel Itten gefiel, initiierte er wenige Tage später die Brugger Facebook-Gruppe.

Er weiss aus Politik und Vereinen, wie Brugg tickt

«Alles, was dazu beiträgt, dass in Brugg etwas läuft, bewegt und interessiert die Leute», sagt Daniel Itten beim Gespräch mit dieser Zeitung im Café Stadtklatsch. Der 60-Jährige weiss, wovon er spricht. Der Geschäftsführer eines KMU in Wettingen sass während neun Jahren in Brugg für die SVP im Einwohnerrat und präsidierte die Ortspartei.

Inzwischen ist Itten aus der SVP ausgetreten, weil er nicht mehr hinter dem Handeln der Parteispitze stehen konnte. Zusammen mit Jürg Baur, Rita Boeck, Annemarie Brack, Bruno Baumann und Bruno Schuler war Daniel Itten zudem Gründungsmitglied des Vereins «Umsetzer Brugg-Lauffohr», der unter anderem mit Verpflegungsständen an Grossanlässen Geld für gemeinnützige Projekte wie einen Grill auf dem Hexenplatz oder das Sonnensegel beim Mülimatt-Spielplatz generierte. Der Verein wurde mangels Nachfolge vor wenigen Jahren aufgelöst.

Die Stammtisch-Gespräche haben sich ins Internet verschoben. Hier kann man Freud und Leid rund um die Uhr teilen. Den Beitritt in die Brugger Facebook-Gruppe muss man mit einem Mausklick beantragen. Itten nimmt grundsätzlich alle auf. Damit hat er keine schlechte Erfahrung gemacht.

Bisher etwa vier Nutzer aus der Gruppe ausgeschlossen

Als Administrator mischt sich Itten ganz selten in Diskussionen in der Facebook-Gruppe ein, beobachtet diese aber laufend. «Ich kontrolliere etwa achtmal pro Tag die Debatte in der Facebook-Gruppe», sagt Itten. Regelmässig wird er von Mitgliedern angeschrieben, die ihn bitten, andere User auszuschliessen.

Damit hält sich der Administrator allerdings zurück. «Nur, weil jemand motzt, ist das kein Ausschlussgrund. In den letzten fünfeinhalb Jahren habe ich nur etwa vier Nutzer ausgeschlossen», so Itten.

Ihm ist es wichtig, dass die Leute, die mit Brugg verbunden sind, ein Gefäss für einen unkomplizierten Austausch haben. Daniel Itten wundert sich allerdings schon, wie tief die Hemmschwelle, einander auf Facebook zu beleidigen, teilweise gesunken ist. Deshalb schreibt er einzelne Mitglieder manchmal auch direkt an oder löscht heikle Beiträge nach einigen Stunden, wenn die Diskussion erschöpft ist oder sich nur noch im Kreis dreht.

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