Mitten in der Stadt Brugg entsteht eine neue Stadt. Überall wird Holz angeliefert, es wird geschraubt, gehämmert, manchmal geflucht, manchmal gelacht. Mit jeder Schraube steigt die Vorfreude auf das Stadtfest, das dieses und nächstes Wochenende stattfindet. Die Stimmung ist gut. Unzählige Stunden an freiwilliger Arbeit, unzählige Holzlatten und unzählige Schrauben werden investiert, um das Stadtfest Brugg zu einem gelungenen Event zu machen. Viele Helfer haben extra Ferien genommen, um für den Aufbau, für das Fest selber und für den Abbau anwesend sein zu können.

Beim Erdbeeribrunnen entsteht «Monsieur Prisma», eine Beiz, die – wie es der Name sagt – prismenförmig ist und farbig beleuchtet wird. Über Ostern entstand die Holzkonstruktion, nun sind Sergio Quirici und Tobi Zanin an den Schlussarbeiten. Dekoriert wird später. Ein paar Meter weiter die Altstadt hoch steht die «Kiste», der dreistöckige Holzbau, der parteiübergreifend von Brugger Einwohnerrätinnen und Einwohnerräten geführt wird. Hier hat der Sturm in der Nacht auf Montag etwas Schaden angerichtet: Im oberen Geschoss ist SVP-Einwohnerrat Miro Barp dabei, mit einem Nasssauger Wasser vom Boden zu entfernen. Das Unwetter hat eine kleinere Überschwemmung angerichtet. Die Bretter haben sich mit Wasser vollgesogen, immer wieder tropft es hinunter. «Es ist uns lieber, dass es vor dem Fest noch reingeregnet hat und wir wissen, wie wir reagieren können, als wenn es dann während des Fests passiert», sagt Miro Barp.

Im Innern der «Kiste» stehen viele Kistli – angeschrieben mit den Namen der Einwohnerräte. Jeder Politiker hat seine persönliche Sitzkiste. An der Wand prangt die Silhouette der Altstadt von Brugg, angefertigt aus Metall. «Diese wird dann noch von hinten beleuchtet», sagt CVP-Einwohnerrätin Barbara Iten.

Warum engagieren Sie sich am Stadtfest Brugg? Was die Beizenbetreiber motiviert und wie viel Aufwand sie in ihre Projekte investieren sehen Sie im Video:

«Der Aufwand ist sehr gross»: Aufbauarbeiten für das Stadtfest Brugg

Gegenüber vom «Roten Haus» turnen die Mitglieder von Jungwacht und Blauring Windisch auf ihrem Holzbau, der am Stadtfest «farbfabrik» heisst, herum. Mit dem Klettergstältli an Seilen befestigt, schrauben sie das Kunststoffdach fest. Wer hier arbeitet, muss schwindelfrei sein. Mit dem Aufbau längst fertig ist die «In-Fusion», ein Projekt von drei Bruggern und einem Windischer. Peter Knecht und Michel Indrizzi präsentieren stolz die grosszügige Bar mit Blick über das Eisi bis hinunter in die Altstadt. Die Bar ist im Industrie-Stil gehalten, Werkbänke dienen beispielsweise als Tische. Das Stadtfest-Thema «Verfärbt» wird umgesetzt, indem der weisse Stoff rund um den Gerüstbau farbig angeleuchtet wird.

Nicht in allen Beizli wird das Stadtfest-Motto derart getreu umgesetzt wie beim «Rubik’s Cube» von Handball Brugg vor der NAB. So setzt der Jiu-Jitsu & Judo Club Brugg in der Bar auf farbige Shots – angelehnt an die Farben der Judo-Gürtel. Ansonsten ist die Beiz «Mount Fuji» fernöstlich angehaucht, inklusive imposantem Eingangstor und Bambus.

Weniger auf Mottotreue, sondern vielmehr auf Entertainment-Qualität Wert gelegt hat der Unihockeyclub Powermäuse Brugg. Ihre Beiz «Lasso» kommt authentisch im Western-Look daher. Noch authentischer ist dann der Inhalt: Täglich gibt es Livemusik. Etliche auftretende Künstlerinnen und Künstler stammen aus der amerikanischen Music-City Nashville. Entsprechend erklingen im «Lasso» Countryklänge.

Mit Hochdruck wird an den Festbeizen gearbeitet. Hier das Lasso.

Mit Hochdruck wird an den Festbeizen gearbeitet. Hier das Lasso.

Kaum aus dem Staunen heraus kommt ein älterer Herr, der die imposanten Bauten begutachtet. Er habe eines der ersten Stadtfeste erlebt, einfach und klein sei es gewesen – und genauso schön. Er ist beeindruckt vom Engagement der Leute. Dem Stadtfest selber wird er auch einen Besuch abstatten. Aber nur tagsüber, wenn es etwas ruhiger zu- und hergeht.