Analyse

Die CVP hat verantwortungslos gehandelt – nun sollte sie Zeynep Karavus aus der Partei ausschliessen

Die Situation an der Schule Windisch ist unübersichtlich, auch weil die CVP verantwortungslos gehandelt hat. (Im Bild: Die Schulanlage Dohlenzelg)

Die Situation an der Schule Windisch ist unübersichtlich, auch weil die CVP verantwortungslos gehandelt hat. (Im Bild: Die Schulanlage Dohlenzelg)

Die Situation rund um die Schule Windisch ist unübersichtlich, vieles liegt im Argen. Die Analyse dazu von Claudia Meier.

Krankgeschriebene Schulleiterinnen; Lehrpersonen, Schulsozialarbeiterin und Gesamtschulleiter, die ihre Stelle kündigen und zum Teil wenige Jahre vor der Pension eine neue Herausforderung annehmen, sowie Mitglieder der Schulpflege, die ein Jahr nach den Gesamterneuerungswahlen kurzfristig ihren Rücktritt einreichten. Kurz: An der Schule Windisch liegt vieles im Argen.

«Es ist unglaublich, wie hier ein ganzes System lahmgelegt wurde», sagt eine frühere Lehrperson, die während mehr als zehn Jahren in Windisch unterrichtet hat. Das hat zu einem grossen Teil mit der Schulpflegerin Zeynep Karavus (CVP) zu tun, die im Oktober 2009 in stiller Wahl in die Schulbehörde gewählt wurde.

«Dank dem Interesse von Frau Zeynep Karavus, in der Schulpflege mitzuwirken, kann die CVP auch eine motivierte Mutter für diese wichtige Aufgabe vorschlagen», schrieb die Ortspartei, deren Präsidium aktuell verwaist ist, im August 2009 in einer Mitteilung.

Karavus wohnte damals seit sieben Jahren in Windisch und betätigte sich beruflich als Kulturvermittlerin und Dolmetscherin. Er habe an der Schule Windisch noch nie etwas Positives über Karavus gehört, erzählt die zuvor erwähnte Lehrperson.

Im Gegenteil: Drei vertrauliche und voneinander unabhängige Quellen bestätigen, dass sich Gesamtschulleiter Martin De Boni im Sommer 2016 vor allem wegen Zeynep Karavus mit 62 Jahren entschied, die Gemeinde Windisch zu verlassen. Der engagierte De Boni war bei der Lehrerschaft sehr beliebt und hielt die Schule als Team während elf Jahren zusammen.

Sein Nachfolger wurde Philipp Grolimund. «In Windisch geht es jetzt auch um die Schulraumplanung, ein Bau steht bevor», sagte er vor seinem Stellenantritt. Projekte zu entwickeln und zu sehen, dass etwas funktioniere, das faszinierte den damals 56-Jährigen.

Doch in Windisch funktionierte es eben nicht. Grolimund kündigte seine Stelle als Gesamtschulleiter nach zweieinhalb Jahren. Als Grund wurden Differenzen betreffend der Kompetenzen und der Aufgabenteilung zwischen strategischer und operativer Leitung – also zwischen Schulleitung und Schulpflege – genannt. Um die internen Probleme anzugehen, hatte Schulpflegepräsidentin Judith Zürcher (SP) die Schulaufsichtsbehörde kontaktiert.

Da sich keine Lösung abzeichnete, warfen Zürcher (SP) und Schulpflegerin Mirjam Oertli (FDP) per Ende Januar 2019 das Handtuch. In einer koordinierten Briefaktion forderten über 90 Lehrpersonen den sofortigen Rücktritt des amtsältesten Schulpflegemitglieds Zeynep Karavus. Die Rede war von Machtgehabe und gehässiger Kommunikationslage.

Der Vorstand der CVP Windisch behauptete damals, so massive Vorwürfe der Lehrerschaft gegen Karavus seien ihm bis dahin nicht zu Ohren gekommen. Aus heutiger Sicht ist das kaum zu glauben. Die Partei habe zwar sofort das Gespräch mit ihrer Schulpflegerin gesucht, «sie aber nicht konkret zum Rücktritt aufgefordert».

Denn das stehe der Partei auch nicht zu, weil sie nicht Aufsichtsbehörde der Schulpflege sei. Wer dann, wenn nicht die CVP, die ihr die Wahl in die Schulpflege Windisch überhaupt erst ermöglicht hat, hätte von Karavus konkrete Taten oder – noch besser – den Rücktritt fordern müssen?

Der christlichen Partei war nämlich schon lange bekannt, dass Karavus eher machtgierig ist und sich nicht ernsthaft um die Weiterentwicklung der Schule kümmert. Ihr mangelt es offenbar an Sozialkompetenz und Deutschkenntnissen. Mit ihr eine normale Konversation zu führen, scheint unmöglich.

Das hat die AZ schon mehrfach erlebt. Natürlich kann man immer auch argumentieren, dass die Rücktrittsforderung vielleicht nicht von allen über 90 Lehrpersonen freiwillig unterschrieben wurde. Selbst wenn dies nur die Hälfte der Lehrpersonen getan hätte, wäre es aber ein starkes Zeichen gewesen.

Bekanntlich ging das Hickhack in der Schulpflege weiter. Die Gesamtschulleiterstelle wurde nach Grolimunds Kündigung zwar ausgeschrieben, aber nicht besetzt, weil man sich in Zusammenarbeit mit einem externen Berater für ein anderes Modell – die Schulleitungskonferenz – entschieden hatte.

Aus drei Kandidaturen wählte das Stimmvolk im letzten Mai Isabelle Bechtel und Thomas Haller (beide parteilos, von der SP portiert) neu in die Schulpflege als Ersatz für Judith Zürcher und Mirjam Oertli.
Somit konnten die Aufgaben theoretisch wieder auf fünf Schulpfleger verteilt werden.

Dass die neue Präsidentin Isabelle Bechtel voller Tatendrang ist, kommt bei den Parteien und dem Gemeinderat gut an. Bechtel übernahm das Amt von Interimspräsident Suad Maliqi (parteilos, 2017 von der SP portiert). Nach weiteren Unstimmigkeiten und der missratenen Anstellung eines Schulsozialarbeiters haben sich die drei Schulpflegemitglieder Bechtel, Haller und Amir Nuredini(FDP) vor rund einem Monat entschieden, Karavus und Maliqi die Ressorts zu entziehen.

Diesmal forderten 88 Lehrpersonen in einer gemeinsamen Briefaktion nicht mehr nur den sofortigen Rücktritt von Karavus, sondern auch von Maliqi. Dagegen wehrten sich die beiden Schulpfleger allerdings mit einer Beschwerde beim Kanton. Dieses Verfahren ist noch hängig.

Nach den jüngsten Vorkommnissen erachten nun die Ortsparteien CVP und SP den Rücktritt von Karavus und Maliqi als die beste Lösung. Es zeugt von einem grossen Selbstvertrauen und ziemlich viel Selbstüberschätzung, dass die breite Kritik von – fast – allen Seiten an Karavus und Maliqi abzuprallen scheint. Was hält sie noch in ihrem Amt?

Natürlich sind alle Schulpfleger bis zum Ende der Amtsperiode im Dezember 2021 gewählt. Da die Schulbehörde der Öffentlichkeit aber keine Rechenschaft schuldig ist, konnten die Wähler bei den Gesamterneuerungswahlen nicht wissen, dass Karavus für so viel Unruhe an der Schule Windisch sorgt.

Ihre Partei hatte zwar Kenntnis davon, liess sie aber wieder kandidieren. Der CVP ist deshalb dringend zu empfehlen, Zeynep Karavus aus der Partei auszuschliessen. Und die SP sollte sich von Suad Maliqi distanzieren. Das sind die Parteien der Wählerschaft sowie den Lehrpersonen und Kindern, die zunehmend unter der schlechten Stimmung an der Schule leiden, schuldig.

Die drei anderen Schulpfleger, die sich die Arbeit teilen, verdienen Respekt. Sie haben es trotz allem geschafft, drei Vorlagen für die Einwohnerratssitzung vom 22. Januar auszuarbeiten. Deshalb sollten nun die Lokalpolitiker in der Beratung der Schule Windisch keine neuen Steine in den Weg legen.

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