Im «Roten Haus» kommt es doch noch zu einem Besitzerwechsel. Nach über einem Jahr ist nun klar: Die Stiftung Rotes Haus wird das Hotel und das Restaurant übernehmen. Details dazu wollen die Verantwortlichen noch nicht bekannt geben.

Doch in der Gastro-Szene der Altstadt läuft es nicht nur gut: Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass das «Fridolin» per sofort aus wirtschaftlichen Gründen schliesst. Seit einigen Tagen gibt es Hinweise darauf, dass es auch das Restaurant Pfauen nicht mehr lange gibt. Auf dem Schild vor der Tür heisst es: «Flohmarkt im Rest. Pfauen infolge Geschäftsauflösung». Der Pächterin Gisela Iten wurde nebst den Räumlichkeiten auch die Wohnung gekündigt.

Das Restaurant wird irgendwann im Januar definitiv schliessen. Fast elf Jahre hat Iten im «Pfauen» gewirtet. Sie sagt, dass die immer pingeligeren Gesetze wie das Rauchverbot der Gastronomie den Garaus machen. Am Ende sei sie sogar froh, dass sie nicht mehr in der Altstadt wirten müsse. «Die Altstadt ist tot, für viele ist das schlimm», meint sie. Sie verweist auch auf die Fasnacht, die früher in den Beizen stattfand. «Jetzt ist sie im Salzhaus und nur Vereine profitieren davon. Das ist ärgerlich.» Iten ist auf jeden Fall die Lust aufs Wirten vergangen. Ihr drohe gar der Gang aufs Sozialamt, und eine Wohnung habe sie bisher auch noch nicht gefunden. Das mache ihr Angst, sagt sie und wischt mit einem Lappen auf der Trese ein paar Tropfen weg, die von der Decke tropfen. «Hier kracht alles langsam aber sicher zusammen», sagt sie.

Der Geschäftsführer ist wichtig

Dass es das Altstadtgewerbe nicht einfach hat und dass es in der Gastrobranche in den letzten Jahren zu grossen Veränderungen gekommen ist, ist bekannt. Auch andere Altstädte haben zu kämpfen. Benno Meier, Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg, meint, dass ein Gastrobetrieb vor allem vom Geschäftsführer und dem Personal abhängig ist. «In Brugg gibt es mehrere Beispiele, wo Betriebe jahrelang schlecht besucht waren und nach dem Wechsel des Geschäftsführers und des Personals zu einem beliebten Treffpunkt wurden», sagt Meier. Er findet aber auch: «Wichtig ist, dass die Bevölkerung die Brugger Gastbetriebe weiterhin und noch verstärkter berücksichtigt.»

Moser nimmt Brugger in die Pflicht

Ähnlich sieht es Stadtammann Daniel Moser. Er nimmt die Bevölkerung in die Pflicht, sagt, dass die Brugger die Altstadt besser nutzen sollten, ermuntert sie, diese zu besuchen. «Es ist ähnlich, wie mit dem Einkaufstourismus. Da will man das Schweizer Gewerbe ja auch unterstützen.» Etwas mehr Lokalpatriotismus wäre angebracht. Er findet aber auch, dass ein Wirt ein «In-Produkt» anbieten müsse, um zu überleben. Etwas Spezielles, das anziehe.

Konrad Zehnder, Präsident des Quartiervereins Altstadt, bringt ein weiteres Problem der Wirte und Geschäftsführer auf den Tisch: die unverhältnismässig hohen Mieten. «Es gibt Hausbesitzer, die ihre Lokalitäten als Geldmaschine missbrauchen.» Aber glücklicherweise auch solche, die mit massvollen Mieten das Überleben der Gewerbebetriebe sichern. Es wären angepasste, geeignete Bau- und Nutzungsordnungen erwünscht, so Zehnder.

Moser weist Vorwürfe zurück

Vorwürfe gibt es auch von verschiedenen Seiten an die Stadt, die «nichts mache». Das weist Moser zurück. «Viele haben eine falsche Vorstellung davon, was die Stadt alles machen kann. Wir können ja nicht einfach Mieten bezahlen.» Die Stadt versuche, die Rahmenbedingungen möglichst angenehm zu gestalten. Beispielsweise, dass die Gartenwirtschaft möglich ist. «Es ist immer eine Gratwanderung zwischen den Bedürfnissen der Altstadtbewohnern, die sich Ruhe wünschen und jenen der Wirte. Diese prallen natürlich aufeinander.» In Zusammenarbeit mit der Standortförderung und den anderen Altstädten des Kantons versucht man nun aber, die Altstädte besser zu vermarkten.