Windisch
Die Gemeinde Windisch bereitet sich auf das Asyl-Notfallszenario vor

Die Zivilschutzanlage im Dägerli ist eine der drei Anlagen, die in einer Notsituation 100 Asylsuchenden eine Unterkunft bieten soll. Birmenstorf, Windisch und Lenzburg werden priorisiert. An der Infoveranstaltungen gab es einige Fragen dazu.

Janine Müller
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Die Bürgerinnen und Bürger durften am Ende Fragen stellen...

Die Bürgerinnen und Bürger durften am Ende Fragen stellen...

Janine Müller

Schon wieder wir, mag sich vielleicht mancher Windischer gedacht haben, als er gehört hat, dass die Zivilschutzanlage im Dägerli in einer Notsituation als Asylunterkunft dienen soll. Und auch Heidi Ammon, Gemeindeammann Windisch (SVP), meinte an der Infoveranstaltung vom Montagabend: «Es ist einmal mehr die Gemeinde Windisch, die eine Aufgabe für die Region übernimmt.» Aber: Der Gemeinderat anerkenne die Vorbereitung auf eine Notlage. Eine Asyl-Notlage trifft dann ein, wenn sämtliche Unterkünfte, die vom Kanton und den Gemeinden betrieben werden, besetzt sind.

Befristet auf 6 Monate

Dann werden die Asylsuchenden auf die Unterkünfte, die für den Notfall vorgesehen sind, nach Prioritätsstufe verteilt. Birmenstorf, Windisch und Lenzburg mit je 100 Plätzen haben erste Priorität (in dieser Reihenfolge), anschliessend folgen weitere Gemeinden. Insgesamt könnten so 3000 Asylsuchende mehr untergebracht werden. Befristet ist die Laufzeit auf sechs Monate. Hält die Notsituation länger an, muss neu über den Betrieb geurteilt werden. In nächster Zeit werde nicht mit einer Notlage gerechnet, sagte Andreas Flückiger, Abteilungsleiter der Sektion Militär und Bevölkerungsschutz. Doch man erwarte wie 2015 erneut etwa 40 000 neue Asylsuchende im Aargau.

Und die Windischer sind also gewillt, ihre Zivilschutzanlage für eine solche Situation zur Verfügung stellen. Heidi Ammon dazu: «Wir sind bereit und schaffen das.» Der Gemeinderat hat aber Forderungen. So soll die Nutzungsvereinbarung die Nachrüstung, den Rückbau und die Entschädigung der Anlage-Nutzung regeln. Zudem muss der Kantonale Sozialdienst (KSD) dem Gemeinderat vor Inbetriebnahme ein Betreuungskonzept unterbreiten. Weiter soll der KSD ein Sicherheitskonzept für den Betrieb und die Kantons- und Regionalpolizei eines für den internen Betrieb und den Ausenbereich bei Notfällen erstellen. Und vor allem: «Der Gemeinderat erwartet, dass die anfallenden Kosten im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung vom Kanton getragen werden.»

Warum nicht Riniken?

Anders als in Birmenstorf, wo ein Flugblatt anonymer Urheberschaft kursierte, in dem unter anderem kritisiert wurde, die Bevölkerung sei bisher nicht genügend informiert worden, gab es in Windisch bisher kein Widerstand, auch nicht am Informationsabend, wo durchaus auch kritische Fragen gestellt wurden. Rund 40 Interessierte waren anwesend und stellten am Ende der Präsentation Fragen. So wollte jemand wissen, warum denn nicht Riniken Windisch vorgezogen wurde. Die Antwort von Guido Beljean, Sektionsleiter Militär und Bevölkerungsschutz beim Kanton, fiel nachvollziehbar aus: «Die Zivilschutzanlage in Riniken liegt auf dem Gebiet der Schulanlage. Zudem hat sie weniger Platz als jene in Windisch.» Bei der Auswahl der Anlagen wurden mehrere Kriterien berücksichtig, wie beispielsweise die Anzahl Liegestellen, der Zustand der Sanitär- und Lüftungsanlage und die Telematikeinrichtungen.

Gewappnet für Notsituation

Ein weiterer Bürger wollte wissen, warum es denn 400 Tage dauere, bis der Asylentscheid für eine Person da ist. Jemand anderes machte den Vorschlag, den Asylsuchenden die Beschäftigung in lokalen Betrieben zu ermöglichen. Und eine junge Frau wollte wissen, wo sie sich melden könne, um zu helfen. Die Anregungen wurden vom anwesenden Krisenstab angenommen und auch von Heidi Ammon gelobt. «Niemand ist sicher, nicht auch einmal in eine Notlage zu geraten», sagte Heidi Ammon am Ende und schloss die Infoveranstaltung mit dem Satz: «Begrüssen wir deshalb die Asylsuchenden mit Anstand und Respekt.» In der nächsten Zeit soll nun das Betriebs- und Nutzungskonzept erstellt werden und die Anlage aufgerüstet werden, damit man gewappnet ist, wenn denn eine Notsituation eintritt.