Brugg
«Die Impulse müssen vom Wohnen kommen»

Studenten der ZHAW Winterthur stellen ihre Masterarbeiten zur Entwicklung der Altstadt vor. Anhand von Liegenschaften haben sie konkrete Nutzungs- und Sanierungsprojekte entwickelt.

Louis Probst
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«Man könnte viel machen», sagt eine engagierte Altstadtbewohnerin. «Aber es ist spannend.» «Das sind nur Ideen», meint ein Herr. Eine Dame entgegnet: «Aber es ist gut, wenn man Ideen hat.» Und jemand, der es wissen muss, meint anerkennend: «Die gehen ziemlich unverfroren mit der Substanz um.» Die – das sind Manuel Fien, Daniel Bernthaler, Piero Bühler und Nedjeljko Djokic. Die vier Studierenden an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur haben sich die Entwicklungsmöglichkeiten der Brugger Altstadt zum Thema ihrer Masterarbeiten genommen.

Unverstellte Sicht von aussen

Anhand von Liegenschaften haben sie konkrete Nutzungs- und Sanierungsprojekte entwickelt. Und spätestens der Vorschlag, das Salzhaus weiterzuentwickeln und dessen Erdgeschoss für «gehobene Gastronomie» zu nutzen, zeigt, dass die vier Studierenden unvoreingenommen – oder eben unverfroren – ans Werk herangegangen sind. Jetzt präsentieren sie im Salzhaus ihre Arbeiten und eine Synthese der vier Szenarien, die sie entwickelt haben.

Unter dem Namen «Westend» zeigt Nedjeljko Djokic Möglichkeiten für gehobenes Wohnen in der Altstadt auf. Manuel Fien stellt mit seinem Szenario «Kleinstadt-Kiez» eine Alternative und gleichzeitig ein Stück weit eine Ergänzung zum gehobenen Wohnen vor. Daniel Bernthaler zeigt mit dem «Biotop der Kreativwirtschaft» zukunftsträchtige kleingewerbliche Nutzungen auf. Und Piero Bühler stellt mit seiner Arbeit «Campus» höchst aktuelle Möglichkeiten für studentisches und auch für «dozentisches» Wohnen vor.

«Ausgangspunkt für die Arbeiten war die These des Netzwerks Altstadt, wonach es eine neue Strategie braucht, um die Krise in den Zentren der Altstädte zu überwinden», sagt Max Bosshard vom Zentrum Urban Landscape der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, der zusammen mit Jürg Dietiker, Dozent an der ZHAW und Bewohner der Brugger Altstadt, sozusagen als «Mastervater» hinter den Arbeiten der Studierenden steht. «Die Frage ist, was es braucht, damit diese Entwicklung einsetzen kann», sagt Max Bosshard.

«Nach Ansicht des Netzwerks Altstadt muss auf Wohnnutzungen gesetzt werden.» Er gibt aber auch zu bedenken: «Man wird sich vom alten Bild lösen müssen. Die ersten Impulse müssen über das Wohnen kommen. Dann wird sich in der Altstadt vielleicht auch das Gewerbe wieder einstellen. Über eine primäre Ausrichtung auf das Gewerbe kommen wir nicht weiter. Die Einkaufszentren bringen wir nicht weg.»

Von diesem alten Bild, das sich vor allem an der gewerblichen Nutzung in den Altstädten orientiert – die sich im Falle von Brugg, abgesehen von Ausnahmen, in andere Stadtteile verlagert hat – haben sich die Studenten gelöst. In ihren Arbeiten stehen moderne Wohnnutzungen im Vordergrund, die auch das Umfeld der Stadt – den Fachhochschul-Campus – berücksichtigen.

Beim Stadtrat stossen die Arbeiten auf Interesse. «Auch der Stadtrat profitiert von den Erkenntnissen der Studenten», stellt Bauvorstand Christoph Brun jedenfalls fest. Er gibt aber auch zu bedenken: «Die Altstadt ist nur ein Teil der Stadt Brugg – allerdings ein wichtiger.» Er verweist dabei auf die Gesamtrevision der Zonenplanung. «Bei dieser Revision werden auch die Zonenvorschriften für die Altstadt überprüft», versichert Christoph Brun.

Inzwischen darf, wie Jürg Waldmeier vom Verein Altstadt für alli sagt, an der Entwicklung der Altstadt zumindest weitergeträumt werden.

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