Schinznach-Dorf
Die Mittlere Mühle in Schinznach-Dorf feiert einen 700. Geburtstag

Am 31. Mai 1317 wurde die Mittlere Mühle in Schinznach-Dorf erstmals in einem Kaufvertrag erwähnt. Sie dürfte allerdings noch etwas älter sein.

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Die Mittlere Mühle ist ein geschichtliches Ereignis in der Region. zvg

Die Mittlere Mühle ist ein geschichtliches Ereignis in der Region. zvg

Die Mittlere Mühle in Schinznach-Dorf feiert Geburtstag. Sie wurde am 31. März 1317 in einem Kaufvertrag erstmals erwähnt. In Tat und Wahrheit dürfte sie also noch älter als 700-jährig sein. Um diesen Umstand ins rechte Bild zu rücken: Das war die Zeit, als die Eidgenossenschaft gegründet und König Albrecht von Habsburg in Windisch ermordet wurde. 200 Jahre vor der Reformation, 300 Jahre vor dem Dreissigjährigen Krieg, 500 Jahre vor Napoleons letzter Schlacht bei Waterloo, 600 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Die Mittlere Mühle hat sie alle erlebt und überlebt: König Albrecht, Martin Luther, Wallenstein, Napoleon Bonaparte und Kaiser Wilhelm. Und sie mahlt noch immer. Es ist wahrlich ein geschichtliches Ereignis.

Auf Anbauschlacht reagiert

Schön ist auch diese Geschichte zur Mittleren Mühle: Als kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die Kundenmüller aufgefordert wurden, ihre Mühlen leistungsfähiger einzurichten, um bei der zu erwartenden Ernährungsnotlage maschinell genügend Kapazität zu haben, reagierte auch Adolf Hartmann, der Besitzer der Mittleren Mühle in Schinznach-Dorf. Er bestellte einen Mahlautomaten, eine Walzenmühle. Es herrschte daraufhin Hochbetrieb in der Mittleren Mühle, auch noch lange nach der Anbauschlacht der Vierzigerjahre.

Als 1989 die Mahlpflicht für die Bauern aufgehoben wurde, stellten viele Kundenmühlen den Betrieb ein. Auch bei Hartmanns – einst auf der Mühle Villnachern und seit 1881 Besitzer der Mittleren Mühle Schinznach-Dorf – wurde es ruhig um die 1940 in Betrieb genommene Walzenmühle. «Ausbauen? Zum Alteisen geben? Kommt nicht infrage!», sagten sich die drei Männer und machten sich an die Arbeit. In rund 500 Arbeitsstunden brachten der Eigentümer der Mittleren Mühle, Ueli Hartmann sowie Jürgen Hoffmann und Urs Obrist die 70 Jahre alte Walzenmühle wieder auf Vordermann; in technischen Belangen fachlich beraten von Mühlendoktor Kurt Fasnacht (Küttigen). Dank den drei Männern und deren Einsatz konnte der Meyer’sche Mahlautomat, Jahrgang 1940, als wertvolles Kulturgut in der Mittleren Mühle in Schinznach-Dorf erhalten bleiben.

Erleben, spielen, geniessen

Nun wird in Schinznach-Dorf wieder gefeiert. Der Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal richtet am Samstag, 27. Mai ein Geburtstagsfest aus, zu dem die Bevölkerung eingeladen ist. Das Programm umfasst drei Bereiche: erleben, spielen und geniessen.

Zum Erleben gehören die Mühle-Besichtigung, ein Film und die Ausstellung zum Thema «Vom Korn zum Brot» sowie eine Ausstellung alter bäuerlicher und handwerklicher Arbeitsgeräte. Der Bereich des Spielens wird damit abgedeckt, dass die Besucherinnen und Besucher Korn wie die Römer und Pfahlbauer mahlen können. Zudem gibt es ein Mühlespiel und einen Ballonwettbewerb. Weiter können Römerwürste vom Grill genossen werden. Dazu gibt es Puls, ein römisches, vegetarisches Eintopfgericht. (saw)

700 Jahre Mittlere Mühle Schinznach-Dorf, Samstag, 27. Mai, 10–17 Uhr, Mühle und Heimatmuseum.

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