Zur Frage, wie sich die Brugger Altstadt weiterentwickeln soll, haben in den den letzten zehn Jahren verschiedenste Workshops und Vorträge stattgefunden. Viel passiert ist daraufhin nicht. Ein klares Bekenntnis der Stadt zu ihrer Altstadt war praktisch nicht spürbar.

Vor zwei Jahren kritisierten zahlreiche Bewohner und Gewerbetreibende den Stadtrat heftig. Denn die Behörde schickte zwar das neue Altstadtreglement in die öffentliche Mitwirkung, unterliess es hingegen, den im Räumlichen Entwicklungsleitbild Brugg Windisch formulierten behördenverbindlichen Auftrag – «. . . für die Altstadt ist unter Einbezug der Arbeitsgruppe Raum Altstadt ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten . . .» – umzusetzen.

Seither ist nicht nur viel Wasser durch die Aareschlucht geflossen, sondern auch der Stadtrat und die Verwaltung sind anders aufgestellt. Und seit wenigen Tagen liegt es nun vor: das Altstadt-Entwicklungsleitbild 2019 der Stadt Brugg. Dieses beinhaltet eine Vision und ein Zielbild für das Leben und Arbeiten in der Altstadt. Ausserdem zeigt das 20-seitige Dokument den Ablauf des weiteren Altstadt-Entwicklungsprozesses sowie erste Umsetzungsmassnahmen auf.

Alt Regierungsrat Peter C. Beyeler als Starthelfer

Weil noch einige andere Städte im Aargau mit ähnlichen Problemen wie Brugg zu kämpfen haben, ist vor vier Jahren die IG Aargauer Altstädte ins Leben gerufen worden. Präsidiert wird sie von alt Regierungsrat Peter C. Beyeler. Er war es auch, der den Bruggern im Januar 2018 an einer von der Bevölkerung organisierten Veranstaltung im Rathaussaal, an der drei von fünf Stadträten teilnahmen, Mut machte, im Umgang mit den Veränderungen eine Strategie zu erarbeiten.

Der Stadtrat beschloss daraufhin im Herbst 2018, gemeinsam mit den Altstadtvertretern ein erstes Altstadt-Entwicklungsleitbild zu erarbeiten. Als Pilotstadt hat Brugg nun die erste Phase des von der IG Aargauer Altstädte entwickelten Musterprozesses zur Altstadtentwicklung durchgeführt. Das Entwicklungsleitbild wurde erarbeitet auf Basis von drei zwischen Dezember 2018 und März 2019 mit rund 20 Altstadtvertreterinnen und -vertretern durchgeführten Veranstaltungen.

Eine Begleitgruppe, bestehend aus Altstadt- und Verwaltungsvertretern, hat das Entwicklungsleitbild illustriert und basierend auf den für die Altstadt als wichtig aufgeführten Potenzialen und Defiziten das vorliegende Zielbild ausgearbeitet. Die Prozessbeteiligten haben das Entwicklungsleitbild an der Schlussveranstaltung vom 5. Juni verabschiedet.

Frau Stadtammann leitet den runden Tisch

Im Dokument ist festgehalten, die Brugger Altstadt als belebte Wohnaltstadt weiterzuentwickeln. Als wichtigen Bestandteil der rollenden Altstadt-Entwicklung gilt es, den regelmässigen Austausch zwischen Altstadtvertretern und der Stadt zu institutionalisieren. Dazu wird der «Runde Tisch Altstadt» eingeführt.

Dieser wird zwei Mal jährlich unter der Leitung von Stadtammann Barbara Horlacher und der Teilnahme des Ressortvorstehers Planung und Bau, Reto Wettstein, sowie Vertretern aus der Stadtverwaltung stattfinden.

Als eine der ersten Umsetzungsmassnahmen wird mit der Überprüfung des Abfallentsorgungskonzepts das heute unbefriedigende Entsorgungs- und Bewirtschaftungssystem für die Altstadt verbessert.

Die Stadt wird zudem Massnahmen zur Einhaltung des bestehenden Verkehrs- und Parkierungsregimes in der Altstadt ergreifen. Weiter sollen die Auffindbarkeit der Altstadt und die Beschilderungen an den Zugängen zur Altstadt optimiert werden. Ausserdem wird die Stadt die Grundeigentümer und Gewerbetreibenden bei der Begrünung und Aneignung des öffentlichen Raums beraten und unterstützen.

In der ersten Prozessphase genannte Ideen und Fragestellungen, die im Moment nicht weiter bearbeitet werden, sind in einem Themenspeicher erfasst und können in einer weiteren Prozessphase behandelt werden. Ende 2020 ist die Durchführung der zweiten Prozessphase geplant. Die dann zu vertiefenden Themen sind mit den Altstadtvertretern am runden Tisch zu definieren.

Geprüft wird derzeit auch, beim Salzhaus eine Treppe mit Sitzstufen zu bauen und damit die Hofstatt für die Öffentlichkeit aufzuwerten. Diese Massnahme wird aufgrund der Investitionssumme im Budgetprozess 2020 behandelt.