Windisch

Die Schule hat einige Baustellen – jetzt nehmen die Schulpflegepräsidentin und der Kanton Stellung

Das Schulhaus Dorf ist eines der fünf Schulhäuser in Windisch.

Das Schulhaus Dorf ist eines der fünf Schulhäuser in Windisch.

Knatsch in der Schulpflege, Beschwerden beim Kanton und ein neues Schulleitungskonzept: Auf 17 Fragen der AZ zur Schule Windisch gibt es jetzt Antworten.

In den letzten Wochen sorgte die Schulpflege Windisch wiederholt für Schlagzeilen in dieser Zeitung. Vor Weihnachten hat die Schulpflege dem Mitglied Zeynep Karavus (CVP) und dem Vizepräsidenten Suad Maliqi (parteilos, von der SP portiert) die Ressorts entzogen.

Einem neuen Schulsozialarbeiter wurde vor Stellenantritt gekündigt. In einem Brief haben 88 Lehrpersonen und alle Schulleiterinnen den sofortigen Rücktritt der beiden erwähnten Schulpflegemitglieder gefordert. Den Rücktritt der beiden Schulpfleger erachten auch die beiden Parteien CVP und SP als die beste Lösung.

Verwirrung rund um Schule Windisch besteht schon seit längerer Zeit. Vor gut einem Jahr schlugen die Kündigung von Gesamtschulleiter Philipp Grolimund und die beiden Schulpflegerücktritte von Präsidentin Judith Zürcher (SP) und Mirjam Oertli (FDP) hohe Wellen.

Um die komplexe Situation besser zu verstehen, hat die AZ die wichtigsten Fragen zusammengetragen. Die im Mai 2019 gewählte Schulpflegerin Isabelle Bechtel (parteilos, von der SP portiert), die dem Gremium seit August vorsteht, sowie der Kanton geben Antwort.

Wurde für Gesamtschulleiter  Grolimund ein Ersatz gesucht?

«Ja, es wurde zuerst ein Ersatz gesucht und eine entsprechende Stellenausschreibung gemacht», so Bechtel.

Warum wurde von den Bewerbern niemand angestellt?

Das hat laut der Schulpflegepräsidentin damit zu tun, dass das bestehende Leitungsmodell überarbeitet wurde und man sich für ein Modell ohne Gesamtschulleiter entschied.

Warum entschied man sich in der Folge für die Schulleitungskonferenz anstelle eines Gesamtschulleiters? Was ist an diesem Modell besser?

Es gibt zwei Schulleitungsmodelle, einerseits dasjenige mit einem Gesamtschulleiter, andererseits das jetzt gewählte mit einer Schulleitungskonferenz. «Prinzipiell ist nicht ein Modell besser als das andere», hält Isabelle Bechtel fest.

Für die Schule Windisch, mit ihrem Umfang und der örtlichen Verteilung der fünf Schulhäuser und sechs Kindergärten über die gesamte Gemeinde, sei das Modell der Schulleitungskonferenz aber naheliegender. Die Leitungsressourcen sind dabei insgesamt näher am Schulbetrieb.

Wer hat diese Entscheidung für die Gemeinde Windisch getroffen?

«Die Umstellung auf eine Schulleitungskonferenz wurde von den Schulleiterinnen und der Schulpflege in Zusammenarbeit mit dem externen Berater angedacht», sagt Isabelle Bechtel. Nach der Erarbeitung des Projekts und eines entsprechenden Antrags ist dann die Reorganisation durch die Schulpflege genehmigt worden.

Wie sind denn seither die Gesamtschulleiteraufgaben verteilt? Wer erledigt diese?

Die Gesamtschulleiterfunktionen wurden laut der Schulpflegepräsidentin auf die Schulleiterinnen und Schulleiter verteilt. Ausserdem wurden Ressorts für grosse übergreifende Projekte geschaffen. So gibt es etwa das Ressort Schulentwicklung und Qualitätsmanagement, in welchem beispielsweise das aktuelle Projekt «Neuressourcierung der Volksschule» Platz findet.

Wurden die Pensen dafür angepasst?

«Das frei gewordene Pensum des Gesamtschulleiters wurde auf die verschiedenen Schulleitungen je nach zusätzlichen Funktionen und Aufgaben verteilt», sagt Bechtel. Lediglich 10% des 100%-Pensums des Gesamtschulleiters seien in die Schulverwaltung gegeben worden, damit auch diese sich besser aufstellen kann.

Geben alle Schulleiterinnen und Schulleiter auch noch Unterricht?

«Nur eine Schulleiterin ist neben ihrer Funktion als Schulleiterin auch noch Klassenlehrperson», erklärt Bechtel.

Bleibt die Schulleitungskonferenz bestehen oder ist angedacht, in Windisch künftig wieder eine Gesamtschulleitung anzustellen?

Von der Schulleitungskonferenz wieder auf einen Gesamtschulleiter umzustellen, ist nicht vorgesehen. Wenn im Frühjahr das Volk entscheiden sollte, die Schulpflegen abzuschaffen, würde die Schule per Anfang 2022 direkt dem Gemeinderat unterstellt.

Dann liegt die Entscheidung laut Isabelle Bechtel bei der Gemeinde, die Schulleitung allenfalls umzugestalten. Grundsätzlich ist auch eine Weiterentwicklung zu einem Führungsmodell denkbar, das den neuen Aargauer Lehrplan mit seinen drei Zyklen Unterstufe-Mittelstufe-Oberstufe abbildet.

Wie oft trifft sich die Schulleitungskonferenz? Wer ist da jeweils dabei?

Die Schulleitungskonferenz trifft sich vierzehntäglich zu Organisationsthemen und vierzehntäglich zu Entwicklungsthemen. Mit dabei sind alle Schulleiterinnen und Schulleiter. Falls der Windischer Einwohnerrat an seiner Sitzung am 22. Januar den gemeinderätlichen Antrag zur Reorganisation der Schulverwaltung gutheisst, wird in Zukunft die Leitung der Schulverwaltung ebenfalls an der Schulleitungskonferenz dabei sein.

Wie wird der Kontakt zwischen Schulleitungskonferenz und der Schulpflege sichergestellt?

Ein Austauschgefäss im Sinne einer regelmässigen Sitzung mit der Schulpflege muss gemäss Isabelle Bechtel nächstens noch geschaffen werden. «Neben den noch dringenderen Geschäften konnte dies bis anhin nicht angegangen werden», erklärt sie. Der Austausch findet deshalb derzeit bilateral zwischen Schulleitenden und Ressortverantwortlichen und/oder Präsidium der Schulpflege statt und funktioniere gut.

Wann und warum wurde ein externer Berater beigezogen?

Der externe Berater wurde im Februar 2019 auf Wunsch der Schulpflege im Einvernehmen mit dem Gemeinderat beigezogen. Letztere engagierte den Berater dann auch. Im Herbst 2019 hat der Einwohnerrat weitere 32'000 Franken für die Begleitung für das Jahr 2020 gesprochen.

Der Berater war an der Schulpflege-Retraite Anfang August dabei und moderierte die Neukonstituierung des Gremiums. Damals übernahm Isabelle Bechtel das Präsidium von Suad Maliqi, der dieses Amt nach dem Rücktritt von Judith Zürcher interimistisch innehatte.

Wann zeichnete sich ab, dass Suad Maliqi und Zeynep Karavus die Ressorts entzogen werden sollen und warum wurde das getan?

Im Dezember 2019 wurden Suad Maliqi und Zeynep Karavus die Ressorts entzogen. Über die Gründe schweigt Präsidentin Isabelle Bechtel. Auch darüber, wann es konkret geworden ist, dass die Ressortentzüge fällig werden. Gemäss Rechtsdienst der Gemeindeabteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI) des Kantons handelt es sich «bei derartigen Vorgängen – also bei der Umverteilung oder dem Entzug von Funktionen und von Ressorts – um Beschlüsse in der internen Organisation einer Behörde».

Solche Beschlüsse, welche die Eigenorganisation einer Schulpflege betreffen, seien zulässig, wenn sie sachlich zureichend begründet sind. Karavus und Maliqi betreuen jetzt zwar keine Ressorts mehr, haben aber an der Schulpflegesitzung immer noch ihr Stimmrecht und dürfen auch Anträge stellen.

Wie haben die betroffenen Schulpfleger auf den Ressortentzug reagiert?

Gemäss Rechtsdienst des Kantons haben Suad Maliqi und Zeynep Karavus beim kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) eine Beschwerde eingereicht. Diese wird nun vom Rechtsdienst Gemeindeabteilung des DVI behandelt. Die Beschwerden datieren vom 15. Dezember 2019. Das BKS hat die Gemeindeabteilung am 17. Dezember 2019 über den Eingang der Beschwerden informiert.

Wann wird sich die Schulpflege nach den Ressortentzügen neu konstituieren?

Gemäss Präsidentin Isabelle Bechtel wird das schnellstmöglich geschehen, «voraussichtlich an der nächsten Schulpflegesitzung im Januar».

Wie sieht es bezüglich personeller Ressourcen aus an der Schule Windisch?

«Es gibt keine längerfristig unbesetzten Stellen», sagt Isabelle Bechtel. «Bis anhin konnten frei werdende Stellen immer in nützlicher Frist neu besetzt werden, sodass es zu keinen längeren Vakanzen gekommen ist.» Allerdings sind derzeit zwei Schulleiterinnen krankgeschrieben. Die Arbeit wird von den Stellvertretungen übernommen.

Wer war bis anhin für die Anstellung von Lehrpersonen und Schulsozialarbeitern zuständig und wer hat den Vertrag mit dem bereits wieder entlassenen Schulsozialarbeiter unterschrieben?

Auf diese Frage dürfe sie keine Antworten geben, sagt Bechtel. Sie kann lediglich Auskunft geben zum heutigen Stand der Dinge: Demgemäss sind für den Rekrutierungsprozess von Lehrpersonen nach wie vor die Schulleitungen zuständig. Die Rekrutierung für die Stelle in der Schulsozialarbeit ist zudem abgeschlossen. «Über die Festanstellungen entscheidet gemäss Schulgesetz die gesamte Schulpflege», sagt Isabelle Bechtel.

Wie sieht die Entlöhnung der Mitglieder der Schulpflege in Windisch aus?

50'000 Franken stehen der Schulpflege pro Jahr zu. Über die Aufteilung innerhalb des Gremiums muss sich dieses selber einigen. 2019 erhielten alle Schulpflegemitglieder gleich viel. Die Aufteilung für das Jahr 2020 wurde noch nicht besprochen.

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