«Ich musste 1964 in den Wiederholungskurs nach St. Maurice einrücken», sagt Besucher Hansueli Anderegg aus Birr. «Das bot mir und meinen WK-Kollegen Gelegenheit, die Expo in Lausanne zu besuchen. Dort habe ich das Modell Gartenstadt Birrfeld gesehen», erinnert sich der 75-jährige Bauer. Doch an diese Visionen und deren Umsetzung hätten er und die Bewohner von Birr nie wirklich geglaubt.

Durchaus vorstellbar war es hingegen für das Büro Marti Partner, das für die Planung der notwendigen Prozedere organisierte und koordinierte. «Mich hat das Modell an der Expo in Lausanne fasziniert», sagt Claude Ruedin, der dann später, von 1968 bis 2012, als Planer und Partner beim Büro Marti Partner tätig war. Ziel dieser Gartenstadt war, ein gesundes soziales Leben inklusive Industrialisierung zu ermöglichen.

«Dies hätte mit einer sorgfältigen Umgestaltung der beiden Dörfer Birr und Lupfig passieren sollen», sagt Claude Ruedin. Ausschlaggebend für diese visionären Gedanken war der Entscheid der BBC, 1955 im Birrfeld ein neues Werk zu errichten. In der Folge wurde in der Region die Industrialisierung im grossen Stil eingeleitet. Für die Planer waren diese Veränderungen eine grosse Herausforderung.

Dichte allein sei nicht falsch

Miterlebt hat diese Vision einer Gartenstadt auch Rolf Gipser. Er zeichnete über viele Jahre als Planer von diversen Ortsplanungen im Birrfeld verantwortlich. «Nach dem Krieg herrschte Aufbruchstimmung», erinnert er sich. Vor allem im Ausland hätten prekäre Wohnverhältnisse ohne Licht und Luft die Idee von Gartenstädten reifen lassen. Aus dieser Vision heraus sei etwa die Retortenstadt Brasilia mitten im Urwald entstanden.

Auch das deutsche Wolfsburg sei auf einer grünen Wiese neu entstanden. Nicht realisiert wurde hingegen etwa die Stadt «Arolfingen» – eine Neuschaffung aus Aarau, Olten und Zofingen mit Platz für 35 000 Einwohner oder die Gartenstadt Birrfeld. Plötzlich wurden kritische Stimmen wegen des Landverschleisses laut, die Anliegen des Natur- und Heimatschutzes traten in den Vordergrund. Gefolgt von den Ölkrisen 1973 und 1979, die die Besinnung auf einen achtsamen Umgang mit Ressourcen auslösten.

«In den letzten 40–50 Jahren ist die Region gewachsen, wie nie zuvor», sagt Reto Candinas, Kreisplaner des Departements Bau, Verkehr und Umwelt und zuständig für die Gemeinden des Birrfelds. Der Trend gehe eindeutig weg von Einfamilienhäusern hin zu Wohnzentren. Dichte allein sei nicht falsch. Wichtig sei, wie man sie umsetze. Denn je dichter, umso wichtiger die Qualität. «Was wurde aus Ihrer Idee einer Gartenstadt» richtete der Lupfiger Gemeindeammann Richard Plüss die Schlussfrage an Claude Ruedin. Die Grundidee als solches sei durchaus umgesetzt worden – verdichtet und mit Ordnung und Struktur im Dorf, schloss Ruedin.