Strassensanierung

Die Vorstadt neigt zur Verslumung – nun wollen zwei Brugger das Quartier aufwerten

Die Vorstadt nördlich der alten Aarebrücke ist ein unverzichtbarer Teil des historischen Erbes der Brugger Altstadt.

Die Vorstadt nördlich der alten Aarebrücke ist ein unverzichtbarer Teil des historischen Erbes der Brugger Altstadt.

Die Brugger Vorstadt neigt zur Verslumung: Jürg Dietiker und Peter Schmidlin haben deshalb Ideen gesammelt, um das Quartier aufzuwerten. Weil die Strasse in der Vorstadt sowieso saniert werden muss, wollen sie dieses Zeitfenster nutzen.

Seit die Brugger Altstadt für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt wurde, quälen sich jedes Jahr mehr Lastwagen, Autos, Traktoren und Motorräder durch die enge Vorstadt. Diese Entwicklung hat in den letzten Jahrzehnten zu «einem massiven Niedergang» im Stadtteil nördlich der alten Aarebrücke geführt. Das schreiben die beiden Brugger Jürg Dietiker und Peter Schmidlin in ihrer jüngsten Dokumentation «Entdeckungsreise in eine unbekannte Welt der Vorstadt», die dem Stadtrat übergeben wird.

Das Duo hat Ende August eine ausgewählte Gästeschar zu einem Gedankenaustausch über die Revitalisierung der Brugger Vorstadt eingeladen. Denn im Moment sind ein paar Projekte am Laufen: Die Strasse muss saniert werden und bei verschiedenen Liegenschaften stehen Veränderungen an. «Damit öffnet sich nach den letzten grossen Eingriffen vor 50 Jahren ein einmaliges Zeitfenster, die Zukunft der Vorstadt neu zu gestalten», heisst es im Vorwort der Organisatoren. Ziel ist unter anderem, die Vorstadt wieder als organischer Teil der Altstadt ins Bewusstsein der Leute zu rücken.

Auch die Nutzung der Gebäude leisten Beitrag zur Attraktivität

Der Einladung zum Rundgang sind an einem Samstagmorgen total 26 Politiker, Kantonsangestellte, Anwohner und weitere Interessierte gefolgt. «Selbstverständlich war ich daran interessiert, die Anliegen und Vorstellungen der Teilnehmenden sowie die Vorstadt besser kennen zu lernen», sagt Kreisingenieur Giuliano Sabato, der die Einladung nach Rücksprache mit FDP-Stadtrat Reto Wettstein annahm. Durch Gespräche mit Denkmalpfleger Heiko Dobler habe er die Geschichte der Vorstadt besser und durch den gemeinsamen Austausch auch weitere «Perlen» der Vorstadt kennen gelernt.

«Es ist auch im Interesse des Kantons, die Vorstadt aufzuwerten», so Sabato weiter. Einen Beitrag dazu leiste das geplante Strassenprojekt Vorstadt, das nicht nur aus Massnahmen besteht, welche die Verkehrssicherheit verbessern, sondern auch aus zahlreichen Elementen, die das Ortsbild stärken sollen. Im Rahmen der Begehung habe sich zudem gezeigt, dass nicht nur die Strasse und der Verkehr, sondern auch die Nutzung der Gebäude in der Vorstadt einen wesentlichen Beitrag für die Attraktivität leisten müssten.

Einwenderverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen

Gegen das Projekt wurden bis im Februar dieses Jahres 29 Einwendungen eingereicht, die sich vorwiegend gegen das geltende Verkehrsregime richten. Die Einwenderverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Laut dem Kreisingenieur ist die Baslerstrasse als Kantonsstrasse mit regionaler Bedeutung eine verkehrsorientierte Strasse. «Verkehrsorientierte Strassen sollen den Verkehr von den Gemeinde- und Sammelstrassen übernehmen, überregional weiterleiten und so Wohngebiete entlasten», hält Sabato fest.

Deshalb vertrete der Kanton die Haltung, dass die gesetzlichen Höchstgeschwindigkeiten von 50 innerorts und 80 ausserorts möglichst flächendeckend eingehalten werden sollen. Zweckmässig seien Tempo-30-Zonen auf Quartier- und Gemeindestrassen. Dietiker und Schmidlin sehen im Strassensanierungsprojekt eine Chance zur Revitalisierung der Vorstadt, wenn das Verkehrsprojekt in ein städtebauliches Konzept integriert wird.

Visionen für Gastroangebot an der Aare und Umnutzungen entwickelt

Die Teilnehmenden haben auf ihrer Entdeckungsreise durch die Vorstadt – vom alten Zeughaus an der Ländistrasse bis zum Baslerstich – unerwartet viele Schätze gefunden und beim anschliessenden Austausch Visionen entwickelt, etwa zu einem Gastroangebot an der Aare oder zur Umnutzung des Zimmermannhauses, falls die Stadtbibliothek dort eines Tages auszieht.

Durch den Abbruch des gesamten, gewachsenen Gebäudekomplexes entlang der Aare vor Jahren hat die Vorstadt laut den Organisatoren ihre Identität verloren. Gefragt seien nun kreative und mutige Ansätze. «Eine Aufgabe, die Vorbild sein kann für viele Situationen, in denen keine Umfahrungsstrasse gebaut werden kann», schreiben Dietiker und Schmidlin.

FDP-Stadtrat ist dankbar für den Gedankenaustausch

Dies könne gelingen, wenn die verschiedenen Akteure sich zusammenfinden und ihre Vorhaben auf das Ziel einer wieder lebenswerten Vorstadt koordinieren, lautet eine der Erkenntnisse. Als Grundlage für den Revitalisierungsprozess braucht es Vorstellungen darüber, wie man sich die zukünftige Lebenswelt in der Vorstadt wünschen würde.

FDP-Stadtrat Reto Wettstein, der beim Rundgang auch dabei war, ist den Organisatoren dankbar für die Lancierung des Gedankenaustauschs.

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