Windisch

Dieser CVP-Grossratskandidat sieht im C keinen Mehrwert

Heinz Wipfli setzt sich für Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik ein.

Heinz Wipfli setzt sich für Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik ein.

CVP-Grossratskandidat Heinz Wipfli hat sich in Windisch erfolgreich für den Atomstromausstieg eingesetzt.

Am kommenden Montag ist es so weit: Die Anlagen des 15,4 Kilometer langen Ceneri-Basistunnels gehen an die SBB über. Auf diesen Tag freut sich SBB-Projektleiter Heinz Wipfli schon lange. Danach beginnen die Probefahrten, und mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember geht diese zweite Etappe der Gotthard-Ceneri-Basislinie offiziell in Betrieb.

Der ETH-Maschineningenieur aus Windisch liebt es, Grossanlagen zu bauen, komplexe Projekte zu leiten und gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Der Ceneri-Basistunnel dürfte den 62-Jährigen nach der Eröffnung noch während zweier Jahre für Abschlussarbeiten beschäftigen.

«Das Ziel ist ein zusätzlicher Sitz »: Heinz Wipfli aus  Windisch kandidiert für die CVP für den Grossen Rat

«Das Ziel ist ein zusätzlicher Sitz »: Heinz Wipfli im Video-Interview.

Um Verkehrsthemen will sich Wipfli auch kümmern, wenn ihn die Bevölkerung aus dem Bezirk Brugg am 18. Oktober in den Grossen Rat wählen würde. Der CVP-Politiker kandidiert zum vierten Mal (2016 pausierte er) für das Kantonsparlament. Der Partei ist er vor 20 Jahren beigetreten, nachdem er von einem vierjährigen beruflichen Abstecher im deutschen Mannheim nach Windisch zurückkehrte.

Für die CVP entschied er sich, weil es für ihn die einzige Partei ist, die vorwärtsgeht und nicht nur Maximalforderungen stellt, sondern stets mit anderen nach tragfähigen Lösungen sucht. Auf das C im Parteinamen könnte Wipfli hingegen verzichten, weil es der Gesellschaft keinen Mehrwert in Bezug auf die politische Ausrichtung und das soziale Zusammenleben aufzeige. Wichtiger findet er, beispielsweise den Themen Familie und ehrenamtliche Arbeit die nötige Beachtung zu schenken. Im neuen Parteinamen müsste laut dem Vater zweier erwachsener Söhne vor allem das Wort «Mitte» vorkommen.

Er wollte das gemeindeeigene Elektrizitätswerk verkaufen

Wipflis aktuelle Kandidatur auf dem Listenplatz 3 ist eine Art Rückkehr in die Politik. In Windisch gehörte er ab 2006 während knapp zehn Jahren dem Gemeinderat an. In der Funktion als Vizeammann, die er von 2010 bis 2013 innehatte, musste er sich durch den krankheitsbedingten Ausfall des damaligen Gemeindeammanns fast ein Jahr lang um die Gemeindebelange kümmern. Diese Zusatzbelastung neben Beruf und Privatleben brachte ihn an den Anschlag. Er gab seine damalige Stelle auf. Bei den Gesamterneuerungswahlen kandidierte er im letzten Moment noch als Ammann, unterlag aber gegen Heidi Ammon (SVP) und trat im Oktober 2015 als Gemeinderat zurück.

In seine Amtszeit fiel die Sanierung der Gemeindefinanzen und als Teil davon der erfolglose Versuch, das gemeindeeigene Elektrizitätswerk (EW) für 24,7 Mio. Franken an EnAlpin zu verkaufen und so die hohen Schulden der Gemeinde Windisch abzubauen. Aus heutiger Sicht sei die Ablehnung des EW-Verkaufs für Windisch nicht nachteilig gewesen, sagt Heinz Wipfli. In dieser Zeit musste die Gemeinde dann auf Druck des Kantons den Steuerfuss erhöhen (aktuell liegt er bei 115%).

Der CVP-Politiker findet es nicht korrekt, dass das damalige Versprechen, den Steuerfuss später wieder auf 110% zu senken, bisher nicht eingelöst wurde. Denn Windisch habe sich mit der Vision Mitte (Campus-Neubau) erfreulich entwickelt. Als Grossrat würde sich Heinz Wipfli auch für den Bau einer neuen Kantonsschule neben dem Bachthale-Kreisel einsetzen: «Wir haben in Windisch ein Baufeld, eine ideale Verkehrsanbindung und die Fachhochschule auf der anderen Strassenseite. Jetzt müssen wir nur noch die Kantonsschule bauen. Besser könnten die Voraussetzungen nicht sein.»

Beim Thema Oase gibt es für ihn derzeit nur eine Option

Passend zum Energiestadt-Label der Gemeinde Windisch setzte sich Wipfli dafür ein, dass alle privaten Strombezüger ab 2014 als Basisprodukt den Wasserstrom Schweiz erhalten. Wer zum gleichen Preis Atomstrom will, muss sich melden. Beim Thema Tiefenlager ist es Wipfli ein Anliegen, dass die Schweiz die Verantwortung übernimmt für den eigenen Atommüll und sich für den besten der möglichen Standorte entscheidet und nicht für den politisch machbaren. Sollte der Entscheid am Schluss auf den Bözberg fallen, würde der CVPler diese Lösung mittragen.

Hingegen möglichst nicht herumtragen möchte Wipfli PET-Flaschen mit Mineralwasser, weil er das für einen ökologischen Unsinn hält. «Wir haben so gutes Hahnenwasser, das man auf Wunsch selber mit Sprudel versetzen kann», sagt er. «Das PET-Recycling ist intransparent und belastet zusammen mit dem Transport die Umwelt.» Im Gemeinderat erreichte er, dass Hahnenwasser getrunken wird. Der Einwohnerrat erfüllte Wipflis Wunsch nur einmal – als Abschiedsgeschenk. Würde er sich für Hahnenwasser im Grossen Rat einsetzen? «Es wäre den Versuch bestimmt wert», sagt Wipfli.

Verbesserungspotenzial sieht der Grossratskandidat zudem bei der regionalen Zusammenarbeit. So ist seine Vision, dass es in zehn Jahren eine Gemeinde Brugg-Windisch-Hausen möglicherweise mit Mülligen und Habsburg gibt. Der Maschineningenieur ist überzeugt, dass sich dadurch auch einfacher tragfähige Lösungen finden liessen. Kritisch beurteilt er das Vorgehen beim Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase): Dass der Gemeinderat Windisch dem Kanton Hand bietet zur Festsetzung des Brugger Asts im Richtplan, ohne dass der Badener Ast festgesetzt wird, erachtet Heinz Wipfli als gefährlich. Für ihn gibt es derzeit nur eine Option: «Abwarten.»

Als SBB-Projektleiter arbeitet der 62-Jährige an etwa zwei Tagen pro Woche von zu Hause aus. Zudem ist er oft in Luzern und Bellinzona anzutreffen. Die Zugfahrt durch den Gotthard-Basistunnel ist für ihn dabei stets speziell. Er kandidiere auch deshalb für den Grossen Rat, weil er beruflich an relevanten Themen mitarbeitet und überzeugt ist, dass er für die gesellschaftliche Weiterentwicklung einen wertvollen Beitrag leisten kann. Das Ziel der CVP sei es, bei den Wahlen im Bezirk Brugg einen zweiten Sitz zu holen.

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