Derzeit läuft die Ortsplanung «Raum Brugg Windisch». Und diese hat Urs Hochstrasser aus Windisch aufgeschreckt. Er spricht von einer schleichenden Enteignung und einer Grossinvestor-freundlichen Raumentwicklung.

Qualitative Raumentwicklung und angemessene Verdichtung, sagt Hochstrasser, seien als eine gute Sache bezeichnet worden an der öffentlichen Informationsveranstaltung Ende Oktober. So weit, so gut. Nur: Schwierig werde es, wenn ein Liegenschaftsbesitzer in Zukunft dazu gezwungen werde, sein Einfamilienhaus wegen der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) «für ein Butterbrot» einem Grossinvestor zu überlassen.

Überraschende Erkenntnis

Der Reihe nach: Die drei Instrumente der Ortsplanung werden momentan in Brugg und Windisch zur öffentlichen Mitwirkung vorgelegt. Dies sind die Nutzungsplanung, der Kommunale Gesamtplan Verkehr sowie das Natur- und Landschaftsentwicklungskonzept (die az berichtete). Für die Bevölkerung besteht bis am 4. Januar Gelegenheit, sich einzubringen. Hochstrasser hat sich die Mühe genommen und die umfangreichen Unterlagen studiert.

Der Windischer kam zu einer überraschenden Erkenntnis: In naher Zukunft würden viele Einfamilienhausbesitzer eine Diskriminierung erfahren, stellt er fest und erklärt die nötigen drei Schritte. Zuerst sei gemäss Bauzonen- und Kulturlandplan eine Aufzonung von verschiedenen Liegenschaftsparzellen von der Wohnzone W2 in die Wohnzone W3 vorgesehen. Zweitens, fährt Hochstrasser fort, werde in der neuen BNO ein Paragraf eingeführt, in dem steht, dass Gebäude mit Einfamilienhauscharakter in den Wohnzonen W3 und W4 nicht zulässig sind – mit Ausnahme von Reiheneinfamilienhäusern. Hochstrasser verweist auf die Paragrafen 18 und 20, Absatz 2, der Bau- und Nutzungsordnung. Muss oder will nun, in einem dritten Schritt, ein Liegenschaftsbesitzer sein altes Einfamilienhaus auf einer W3-Parzelle verkaufen, werde er vermutlich keinen Käufer mehr finden ausser einem Grossinvestor, erklärt Hochstrasser. Der Grund: «Das alte Einfamilienhaus darf nicht ersetzt werden, und für ein Mehrfamilienhaus ist die Parzelle sicher zu klein.» Anders gesagt: Der Grossinvestor brauche nur abzuwarten und könne dann den Preis der Parzelle bestimmen.

Komitee ins Leben gerufen

Betroffene Anwohner im Reutenenquartier wollen sich wehren gegen die neue BNO und den Einfluss der Grossinvestoren wie etwa Pensionskassen. «Im Moment wären nach der neuen Bau- und Nutzungsordnung die W3-Wohnzonen betroffen. In ein paar Jahren werden mit grosser Wahrscheinlichkeit die neuen W2-Nachverdichtungswohnzonen folgen», sind sie überzeugt.

Zusammen mit weiteren Mitstreitern hat Hochstrasser ein Komitee gegen schleichende Enteignung (KGSE) ins Leben gerufen und eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Interessierte können sich melden auf kgse.bw@gmail.com. Das Komitee ruft die Einfamilienhausbesitzer dazu auf, sich im Detail über die Ortsplanungsrevision «Raum Brugg Windisch» unter www.raumbruggwindisch.ch zu informieren.