Aufgewachsen als musikbegeisterte Lena Minder in Windisch, hat die Künstlerin unter dem Namen Liv Summer ihre Spuren hinterlassen in der Schweiz. Schon während des Studiums an der Jazzschule Luzern und an der Zürcher Hochschule der Künste hat sie Songs geschrieben und auf Bühnen gestanden.

Vor zwei Jahren gab sie alles auf in ihrer Heimat und zog nach Berlin. Sie wollte ausbrechen aus dem gewohnten Umfeld, vom Musikmachen leben. Es war ein Experiment, ein Wagnis, die Neugierde trieb sie an.

Ihre Musik soll berühren

In Berlin ist sie angekommen, arbeitet an ihrer Musik, tritt auf und spielt regelmässig auch auf den Strassen – keine besonders einfache Bühne, wie sie weiss: «Da warten keine Zuhörer auf dich oder kommen extra, um dich zu hören.» Wer es aber schaffe, die Vorbeigehenden in diesem einen Moment so zu berühren, dass sie stehen bleiben und zuhören, der könne auch auf einer Bühne bestehen, ist sie überzeugt.

Liv Summer lernte den Produzenten Antonio Pulli kennen, der ihre Idee umsetzen wollte: Die Songs im Studio genau so aufzunehmen, wie sie klingen, wenn sie auf der Strasse gespielt werden. «Ungeschminkt, natürlich», sagt die 34-Jährige, «keine Hochglanz-Produktion, sondern ehrliche, handgemachte Musik, die berührt, weil man spürt, dass sie von Menschen gemacht ist und nicht von Maschinen.»

Bewusst wurde bei den Aufnahmen verzichtet auf viele technische Hilfsmittel, alle Songs wurden als «One Takes» eingespielt – «was heutzutage ja kaum mehr gemacht wird», stellt Liv Summer fest. Will heissen: Stimme und Gitarre wurden gleichzeitig an einem Stück aufgenommen. Das sei teilweise zwar eine Herausforderung gewesen, aber: «Der Fokus dieses Albums lag nicht auf der Perfektion oder der Radiotauglichkeit.» Vielmehr sei es ihr darum gegangen, die Stimmung einzufangen, die Authentizität ihrer Musik und den Live-Charakter zu erhalten.

Die neue EP sei roher und ungeschliffener als ihr Erstlingswerk, das sie noch mit ihrer damaligen Band eingespielt hatte, führt die Künstlerin aus, ihre Stimme habe eine viel tragendere Rolle. Beteiligt am Werk waren Musiker aus sieben Nationen – unter anderem Israel, Italien, Brasilien und Frankreich –, die sie zum Teil beim sogenannten «Busking» kennen gelernt hat, der Strassenmusik.

Im April spielt sie in der Schweiz

Es sei genau diese Vielfalt an Künstlern, mit denen sie in Berlin im Austausch sei, die ihre Musik beeinflusst habe, die Art und Weise, wie sie ihre Songs schreibe, sagt Liv Summer. «Ich habe plötzlich angefangen, gängige Songstrukturen, Arrangements oder Akkordprogressionen zu hinterfragen und zu durchbrechen.»

Da sie seit ihrem Umzug meistens solo auftrete, habe sie ebenfalls versucht, ihre Performance spannender zu gestalten. Sie experimentiere mit verschiedenen Effektgeräten – zum Beispiel mit einem Looper –, die ihren persönlichen Sound neu definieren.

«Berlin ist eine verrückte Stadt und ich wohne in einem sehr belebten Viertel», hält die Musikerin fest. Als «Dorfkind» bestehe die Gefahr, räumt sie ein, schnell den Boden unter den Füssen zu verlieren. «Doch genau diesen Herausforderungen will ich mich stellen, da ich glaube, dass mich diese fremden Eindrücke und Erlebnisse als Künstlerin und Mensch weiterbringen.»

Sie treffe auf Leute unterschiedlichster Herkunft, deren Biografien stark abweichen von allem, was sie aus der Heimat kenne. Es tue gut, zu sehen, dass es verschiedene Lebensentwürfe gebe, verschiedene Möglichkeiten, wenn man mutig nicht immer den einfachsten oder konventionellen Weg gehe.

Liv Summer hofft, ihren Radius auch künftig erweitern, viele Konzerte in verschiedenen Ländern spielen zu können. Bereits schreibe sie, fügt sie an, wieder neue Songs für ein nächstes Werk.

Erschienen ist die EP «Over Land And Sea» beim Indielabel QFTF. Es ist über alle Online-Verkaufsplattformen erhältlich. Die «Release-Tour» ist im April geplant und führt die Musikerin auch in die Schweiz. Am 18. April spielt sie am Festival «There Are Worse Bands» in Luzern und am 25. April in Solothurn im alten Spital.