Brugg

Durch Spezialisierung und demografische Entwicklung: Die Berufsschule will wieder wachsen

Alex Simmen ist seit vier Jahren Rektor am Berufs- und Weiterbildungszentrum.

Alex Simmen ist seit vier Jahren Rektor am Berufs- und Weiterbildungszentrum.

Rektor Alex Simmen sagt, wie viel sich am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg ändert und was 2021 ansteht.

Während es draussen schneit, blickt Rektor Alex Simmen in seinem Büro auf ein bewegtes Jahr am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ), dessen Trägerin die Stadt Brugg ist, zurück. Denn der Kanton gab Anfang März 2019 bekannt, dass das BWZ künftig als reine gewerblich-industrielle Fachschule für Elektro- und Naturberufe geführt wird. Die KV-Abteilung im Flex-Gebäude am Bahnhof Brugg wird vom BWZ abgelöst und neu – wie die KV-Schule Zurzach – als Aussenstandort des zB. Baden (Wirtschaftsschule KV Baden) betrieben.

Alex Simmen erzählt, wie der Entscheid des Kantons zuerst Freude auslöste, sich anschliessend eine gewisse Ernüchterung breit machte und schliesslich viel Arbeit anstand. Alleine das Ausarbeiten der neuen Verträge dauerte etwa ein halbes Jahr.

«Vor allem für die KV-Abteilung stehen grosse Veränderungen an, was zu Verunsicherungen bei den Lehrpersonen geführt hatte. Zwei Lehrer werden frühpensioniert.» Der Rektor ist froh, dass sich für alle Angestellten eine Lösung abzeichnet und es keine Härtefälle gibt. Grundsätzlich geht es auch darum, die Klassengrössen zu optimieren, respektive auf maximal 24 Lernende aufzustocken. Denn unter dem Strich ist die Berufsschulreform eine Sparmassnahme.

Die KV-Abteilung ist seit Januar vom BWZ getrennt

In rechnerischer und personeller Hinsicht ist die Brugger KV-Abteilung per Anfang 2020 vom BWZ abgetrennt und dem zB. Baden zugeteilt worden. Die Schlusssitzung der Übergabe hat am Mittwochnachmittag stattgefunden. «Die Lernenden werden im Sommer allerdings noch ein BWZ-Zeugnis bekommen», hält Simmen fest.

Ohne KV und ohne Erwachsenenbildung mutiert das BWZ zu einem Kompetenzzentrum für Natur- und Technikberufe. Neben Gärtnern, Forstwarten und Floristinnen werden vor allem Elektroinstallateure, Netzelektriker und Multimediaelektroniker in Brugg ausgebildet. Die Technik-Abteilung wird gestärkt, weil die Montageelektriker sowie weitere Elektroinstallateure von Rheinfelden nach Brugg wechseln müssen.

Mit anderen Worten: Durch die Reform fallen beim BWZ zirka 300 KV-Lernende weg und knapp 200 Elektroberuf-Lernende kommen dazu. Insgesamt werden am BWZ Brugg somit weiterhin etwa 1100 junge Berufsleute unterrichtet. «Damit sind wir an der Annerstrasse aber nicht bis unter das Dach voll, sondern verfügen noch über Raumreserven», präzisiert Alex Simmen.

Der Rektor beschreibt das BWZ als schönen Baum, der auf zwei Hauptäste gestutzt wurde, nun viel Licht bekommt und idealerweise mit einem dritten Ast wieder wachsen wird. Einerseits dürfte die demografische Entwicklung, andererseits das Spezialisieren auf zukunftsträchtige Berufsfelder zu diesem gewünschten Wachstum führen.

Der Schulvorstand wird auf fünf Personen verkleinert

Die Umstrukturierung bedingt auch eine neue Organisations- und Führungsstruktur: keine Stabsstellen mehr, dafür ein vierköpfiges professionelles Schulleitungsteam. Auch hier gilt es, Ressourcen einzusparen. Das Organisationsstatut, das vom Stadtrat Brugg noch verabschiedet werden muss, sieht zudem vor, dass der Schulvorstand künftig noch aus fünf bis maximal sieben Personen besteht. Aktuell hat der Schulvorstand neun Mitglieder, die alle noch bis Ende Juli 2022 gewählt sind.

Für das BWZ sei es nicht immer einfach, genügend qualifizierte Fachlehrpersonen zu finden, räumt Alex Simmen ein. Bei den Sportlehrern hingegen gebe es keinen Mangel. Von der Berufsschule Rheinfelden wechselt ein hauptberuflicher Lehrer nach Brugg. Anderen wäre der neue Arbeitsweg zu weit gewesen. Dank der Vereinheitlichung der Lehrmittel für die Kernfächer am BWZ können die Lehrpersonen laut dem Rektor flexibler eingesetzt werden.

Bei allen Berufen, die am BWZ unterrichtet werden, kommt es aus unterschiedlichen Gründen und trotz aller Bemühungen regelmässig zu Lehrabbrüchen. Im laufenden Schuljahr beträgt die Quote bis jetzt 4,5% und im letzten Schuljahr wurden 5,5% der Lehrverhältnisse aufgelöst.

Unklar ist noch, wie es beim BWZ mit der Weiterbildung weitergeht, um dem bewährten Namen Berufs- und Weiterbildungszentrum wieder in allen Belangen gerecht zu werden. Nächstes Jahr wird die Berufsschule Brugg 150 Jahre alt. «Dieses Jubiläum werden wir selbstverständlich gebührend feiern», sagt Simmen zum Abschluss des Gesprächs und strahlt.

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