Brugg

Ehemalige Seidenweberei hat sich zu Wohnraum verwandelt

Das äussere Erscheinungsbild bleibt unverändert.

Das äussere Erscheinungsbild bleibt unverändert.

Es herrscht grosses Interesse an diesem «neuen, urbanen und individuellen» Bauprojekt mitten in Brugg. Die Promenade 26 mit 13 Eigentumswohnungen. Vor hunder Jahren waren hier noch 132 Personen angestellt.

Zu einer Rohbaubesichtigung öffnete die Überbauung Promenade 26 ihre Türen. In den ehemaligen Fabrikmauern zwischen Promenade, Rottweiler- und Paradiesstrasse entstehen 13 Eigentumswohnungen unterschiedlicher Grösse – mit zweieinhalb bis viereinhalb Zimmern – und unterschiedlichem Charakter: Garten-, Etagen- und Attikawohnungen mit verschiedenen Grundrissen und flexiblen Einteilungen, wobei Käufer ihre Wünsche einbringen können, auch punkto Innenausbau.

Als besonderes Merkmal der Wohnungen gelten, bedingt durch die frühere industrielle Nutzung, die sehr hohen Räume, die grosszügigen Fensterflächen und die charakteristischen Pilzsäulen. Prägend ist auch der Innenhof.

Unverändert bleibt das äussere Erscheinungsbild des Baukomplexes, wobei auf die Wärmedämmung bei den Fassaden sowie auf die Fensterisolation grosses Gewicht gelegt wird. Auf dem Schrägdach wird eine Solaranlage installiert. Für die Projektentwicklung und Umsetzung zeichnet das Architekturbüro p-4 AG Zug verantwortlich.

In grosser Zahl marschierten Interessierte zur Besichtigung auf. David und Kurt Zumsteg von der Immobilien-Treuhandfirma Aarbrugg mussten allerdings die Erwartungen bezüglich Auswahl dämpfen: Von den 13 Wohnungen sind bereits 11 verkauft, eine weitere ist reserviert und somit nur noch eine Wohnung mit viereinhalb Zimmern erhältlich. Das Interesse an diesem «neuen, urbanen und individuellen Wohnen mitten in Brugg», so Kurt Zumsteg, ist also enorm.

Hohe Räume und grosse Fenster im Innern.

Hohe Räume und grosse Fenster im Innern.

Bewegte Geschichte

In Brugg wurden Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert zwei Seidenwebereien betrieben, die Fierz/Starkemann und die Bodmer/Stockar. Hans Conrad Bodmer, Gründer der Bodmer & Cie., Zürich, erstellte 1893 die Liegenschaft in ebendiesem Quartier Paradies.

Bereits 1895 beschäftigte die Seidenweberei 132 Personen, 1911 dann 141, davon 129 Frauen. Zwei Jahre zuvor, 1909, verkaufte Bodmer die Fabrik an den Zürcher Seidenindustriellen Felix Stockar.

Die Krise in der Textilindustrie führte wiederholt zu Arbeitszeitverkürzungen. Ein Detail am Rande: Der Brugger Gemeinderat unterstützte die 1920 von der Kurzarbeit betroffenen Schweizer Arbeitnehmer, aber nicht die ausländischen.

Dann besserte sich die wirtschaftliche Lage, es wurde sogar ein Ausbau vorgenommen. Doch 1930 musste der Betrieb nach einer Nachlassstundung geschlossen werden, die Aargauische Hypothekarbank übernahm die Liegenschaft und verkaufte sie der Firma Debrunner & Co AG, welche Strohgeflechte und nebenbei noch etwas Seidenstoffe herstellte. 1948 ging die Fabrik an die G. Brunnschwiler AG, 1959 an die Möbelfabrik Glass über, bis 1971 ein Grossbrand einen grossen Teil der Bauten zerstörte.

In den letzten Jahrzehnten waren Kleingewerbe-Betriebe und zeitweise ein Stoffladen eingemietet, zuletzt und bis zur Eröffnung der Campus-Bauten nutzte die Fachhochschule Aargau diverse Räume. Nun ist aus dem ehemaligen Gewerbehaus und späterem Schulhaus ein reiner Wohnbau entstanden.

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